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27.08.2013

22:03 Uhr

Wegen Fed-Politik

Türkische Lira unter Abwertungsdruck

Die Fed-Geldpolitik sorgt für heftige Turbulenzen in den Schwellenländern. Die Devisen werden aus den Depots geworfen. Davon betroffen ist auch die türkische Lira. Für zusätzlichen Druck sorgt die Syrien-Krise.

Süleymaniye-Moschee in Istanbul. Die türkische Lira fiel erst kürzlich auf ein Rekordtief. dpa

Süleymaniye-Moschee in Istanbul. Die türkische Lira fiel erst kürzlich auf ein Rekordtief.

London/IstanbulEine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Zinserhöhung noch keine nachhaltige Erholung der türkischen Lira. Nur wenn weitere Schritte folgten, könne sie sich dem Abwertungsdruck, unter dem andere Schwellenländer-Währungen leiden, auch weiterhin entziehen, sagt Ibrahim Aksoy, Volkswirt von Seker Securities.

Aus Furcht vor einer nachlassenden Flut billigen US-Notenbankgeldes haben sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Anleger aus Rupie, Real & Co. zurückgezogen. Besonders hart traf es dabei Staaten mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit. In dessen Berechnung fließen Im- und Exporte von Waren, Dienstleistungen und Kapital ein. Bei anhaltend hohen Leistungsbilanzdefiziten besteht die Gefahr, dass die Devisenreserven eines Landes nicht mehr ausreichen, um Importe wichtiger Rohstoffe oder Konsumgüter zu finanzieren.

Fed-Geldpolitik sorgt für Turbulenzen in Schwellenländern

Indien, Indonesien, Südafrika oder Brasilien, deren Währungen Investoren zuletzt in hohem Bogen aus ihren Depots geworfen haben, verbuchen Leistungsbilanzdefizite zwischen drei und 6,5 Prozent. Die Türkei spielt mit einem Minus von sieben Prozent in derselben Liga.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Die Lira fiel zwar am Donnerstag auf ein Rekordtief zum Dollar, mit einem Minus von etwa drei Prozent ist der Kursverlust der vergangenen drei Wochen aber gerade einmal halb so hoch wie derjenige der anderen Währungen. Das könne sich aber schnell ändern, warnt Claire Dissaux, Chef-Analystin und -Strategin bei Millenium Global Investments. „Ein Realzins von 125 Basispunkten ist zu gering, um das Risiko, die Währung eines Landes mit einem so hohen Leistungsbilanzdefizit zu halten, zu rechtfertigen.“ Der Realzins ist die Differenz zwischen dem Leitzins und der Inflationsrate. Mit aktuell 7,75 Prozent liegt der Schlüsselsatz derzeit 1,25 Prozentpunkte über der Teuerungsrate. Zum Vergleich: In Staaten wie Indonesien oder Brasilien liegt der Realzins bei 300 beziehungsweise 600 Basispunkten.

Kommentare (2)

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28.08.2013, 09:53 Uhr

Das türkische Wirtschaftsmodell beruht doch auf den gleichen Strukturen, wie das Modell anderer Mittelmeerländer. Außenwirtschaftlich gesehen sind hohe Kapitalimporte notwendig, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen. Binnenwirtschaftlich gesehen ist der Aufschwung hauptsächlich durch den Bauboom getrieben. Gleichzeitig haben sich die Konsumenten in Erwartung immer besser laufender Konjunktur hoch verschuldet. Zusätzlich belasten die völlig korrupten Strukturen, verursacht durch fehlende Rechtsstaatlichkeit und administrative Willkür. Griechenland lässt grüßen. Wenn jetzt noch die unsichere Situation in Syrien dazu kommt, ist der Absturz vorprogrammiert.

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28.08.2013, 11:25 Uhr

Sehr zum Leidwesen der türkischen Nationalbank kauft der Türke als Geschenk und Geldanlage Gold. Kein 333er sondern nur hochprozentiges. Der Türke hat schon viel Inflation hinter sich und hat dazugelernt, was man vom deutschen Staatsbürger nun nicht behaupten kann.

Schönen Tag noch.

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