Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2015

14:25 Uhr

Wegen Franken-Stärke

Schweizer stürmen in deutsche Geschäfte

Den Schweizern wird der Franken zu teuer. Um Geld zu sparen, gehen in Grenzorten wohnende Schweizer in Deutschland einkaufen. Darunter leidet die Wirtschaft. Der Schweiz droht eine Rezession.

Für einen Euro bekommt man in Deutschland mehr, als für einen Franken in der Schweiz. Zahlreiche Schweizer bevorzugen es daher in Deutschland einzukaufen. dpa

Schweizer kaufen in Deutschland ein

Für einen Euro bekommt man in Deutschland mehr, als für einen Franken in der Schweiz. Zahlreiche Schweizer bevorzugen es daher in Deutschland einzukaufen.

Wegen der Aufwertung der Landeswährung strömen die Bewohner in Scharen über die nahe Grenze nach Deutschland zum Einkaufen. Das belastet die einheimischen Einzelhändler – und verschlimmert die Auswirkungen des starken Franken auf die schweizerische Wirtschaft, die aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in eine Rezession abgeglitten ist.

„Das ist ein Problem. Hotels, Restaurants und Läden haben es schwer“, sagt Nicole Esslinger, Geschäftsführerin von Kreuzlingen Tourismus. „Die Kreuzlinger sind schon immer in das nächstgelegene Geschäft gegangen, auch wenn es jenseits der Grenze lag. Aber jetzt hat das ganz andere Dimensionen angenommen.“ Schweizer Städte an der Grenze zu Deutschland zahlen die Zeche für die Entscheidung der Nationalbank vom Januar, den Frankenkurs gegenüber dem Euro freizugeben.

Der hohe Wechselkurs belastet die Exporte und die Verbraucherausgaben. Die Konjunktur wird in der Eidgenossenschaft in diesem Jahr voraussichtlich so schwach sein wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise dürften so stark fallen wie zuletzt vor sechs Jahrzehnten, und am Mittwoch wird sich wohl zeigen, dass die Inflationsrate im Juli bei minus einem Prozent verharrte. Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe ging im Juli überraschend zurück, zeigten Daten vom Montag. Bei der saisonbereinigten Arbeitslosenquote wird am Freitag ein Wert von 3,3 Prozent für Juli erwartet.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Zwischen Kreuzlingen und der deutschen Stadt Konstanz gibt es keine natürliche Grenze, und das Schengen-Abkommen ermöglicht Reisen zwischen den Orten auch ohne Pass. Allerdings gelten Zoll-Bestimmungen.

Die Schweizer sind es seit jeher gewohnt, Dinge des täglichen Bedarfs jenseits der Grenze zu kaufen. 2013 gaben sie im Ausland rund zehn Milliarden Franken für Artikel wie Waschmittel und Sonnenbrillen aus, zeigt eine Studie des Marktforschers GfK. Wer seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, darf pro Tag Waren im Wert von 300 Franken einführen, ohne darauf Zoll entrichten zu müssen. Zudem kann er sich die deutsche Mehrwertsteuer erstatten lassen.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Renatus Isenberg

03.08.2015, 15:42 Uhr

Im Gegensatz zu Deutschland hat die Schweiz eine einfache Steuerung der Arbeitslosenzahl: die Grenzgänger Arbeitnehmer aus dem umliegenden Ausland können kurzfristig gekündigt werden und stellen für die Sozialkassen der Schweiz keinerlei Belastung dar.

Herr walter rehm

03.08.2015, 15:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Lustig

03.08.2015, 16:23 Uhr

Wenn die Schweizer so viel sparen, werden sie sich auch die KFZ-Maut problemlos leisten können.
Wenn nicht, profitiert wieder die Wirtschaft in der Schweiz.... Noch ein Grund mehr die Maut einzuführen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×