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08.01.2010

10:45 Uhr

Wegen kaltem Winter

Rohölpreise ziehen deutlich über 80-Dollar-Marke

VonRegine Palm

Viele Akteure an den Rohölmärkten freuen sich über das kalte Winterwetter auf der Nordhalbkugel. Erstmals seit Anfang Oktober 2008 kostete das europäische Brentöl am Spotmarkt wieder über 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Zeitweise stieg der Preis am Donnerstag sogar über 81 Dollar. Doch die Rohölpreise profitieren nicht nur vom kalten Winter.

Der Preis für Rohöl legt zu - ist aber vom einstigen Höchststand noch weit entfernt. dpa

Der Preis für Rohöl legt zu - ist aber vom einstigen Höchststand noch weit entfernt.

DÜSSELDORF. In den Gebieten der nördlichen Hemisphäre herrsche ein Winter, der kälter als üblich ist. "Der Ölpreis bleibt damit fest und gut unterstützt", heißt es bei Barclays Capital. "Der Ölpreis will einfach nur steigen", glauben die Experten der Commerzbank. Die viel beachteten Bestandsdaten aus den USA hätten den Preisanstieg indes nur kurz gebremst. Das US-Energieministerium hatte zuletzt einen Anstieg der Rohöllagerbestände um 1,3 Mio. auf 327,3 Mio. Barrel gemeldet. Am Markt war ein Rückgang um eine Mio. Barrel erwartet worden.

"Die Marktreaktion zeigt, dass selbst fundamental begründete Preisrückgänge derzeit von den Investoren als Kaufgelegenheit erachtet werden", so die Commerzbank. Die Bekräftigung der US-Aufsichtsbehörde CFTC, die Energiemärkte stärker zu regulieren, sei dagegen nicht beachtet worden. Sollte der Chef der Warenterminmarktaufsicht CFTC, Gary Gensler, mit seinen Plänen Erfolg haben, könnte dies die Spekulation an den Ölmärkten bremsen. "Die Verringerung des spekulativen Elements spricht für niedrigere Ölpreisnotierungen in den kommenden Wochen und Monaten", so die Commerzbank.

Vor allem Spekulation war im Jahr 2008 für den Anstieg der Rohölpreise verantwortlich gemacht worden. Anfang Juli 2008 kostete ein Barrel Rohöl mehr als 147 Dollar, so viel wie nie zuvor. Mit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die Preise dann innerhalb weniger Monate auf gut 30 Dollar abgestürzt. Hoffnungen auf eine Erholung der Wirtschaft - insbesondere im aufstrebenden China - unterstützten dann im vergangenen Jahr den neuerlichen Anstieg der Ölpreise. Von ihren Höchstständen sind die Rohölpreise aber noch weit entfernt.

Kurzfristig profitiert Öl zurzeit auch von dem schwächeren Kurs des Dollars. Doch wohl kaum ein Experte erwartet, dass das Rekordhoch schnell wieder erreicht werden wird. "Ich denke nicht, dass diese Rally von Dauer ist. Die Fundamentaldaten stützen sie einfach nicht; der Preis sollte wieder unter 80 Dollar fallen", sagte etwa Clarence Chu vom Optionshändler Hudson Capital Energy der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die DZ Bank prognostiziert für Brentöl für dieses Jahr einen Durchschnittspreis von 76,50 Dollar. Die Schweizer UBS sieht den Ölpreis in einer Spannbreite von 65 bis 85 Dollar.

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