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28.12.2012

07:16 Uhr

Weiter Negativzinsen

Was der Euro von der Krone lernen kann

Mit dem Experiment der negativen Zinsen hat Dänemark vor fünf Monaten “Neuland” betreten. Die Erfahrungen waren offenbar positiv. Jetzt schaut sich die Europäische Zentralbank das Experiment genau an.

Dänische Versuchung: Die dänische Krone bleibt bei Investoren als Währung begehrt. dpa

Dänische Versuchung: Die dänische Krone bleibt bei Investoren als Währung begehrt.

Dänemarks Experiment mit negativen Zinsen entwickelt sich zu einem Langfrist-Projekt. Der Appetit der Investoren auf die Landeswährung Krone erweist sich als dauerhaft, wodurch der Druck auf die Zentralbank wächst, an ihrer Politik auch im nächsten Jahr festzuhalten.

“Die Botschaft ist eindeutig: Wer Kronen halten will, muss dafür zahlen”, sagt Jacob Graven, Chef-Volkswirt bei Sydbank A/S, im Telefoninterview mit Bloomberg News. “Für Beobachter, wie die Europäische Zentralbank (EZB), ist es beachtenswert, dass unser Experiment mit negativen Zinsen funktioniert und sich wirklich nicht als dramatisch herausgestellt hat.”

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Graven geht davon aus, dass die Negativzinsen von der Notenbank das gesamte nächste Jahr beibehalten werden. Seit Juli beträgt der Einlagenzins minus 0,2 Prozent. Sollte sich Europas Staatsschuldenkrise etwas verbessern und die Nachfrage nach sicheren Anlagen nachlassen, könnte Dänemark den Einlagensatz unter Umständen um 0,1 Prozentpunkte anheben, sagt er.

Die dänische Zentralbank hat mit ihrer Entscheidung vor fünf Monaten “Neuland” betreten, wie ihr Gouverneur Nils Bernstein zu dem Zeitpunkt sagte. Mittlerweile hat die Notenbank jedoch erklärt, dass dieser Schritt ein Erfolg gewesen sei. Bernstein wird im Februar von Lars Rohde, dem aktuellen Chef des Pensionsfonds ATP, abgelöst.

Die EZB sieht sich Dänemark nicht zuletzt deswegen so genau an, weil ein ähnlicher Schritt in der Eurozone Graven zufolge nicht ausgeschlossen werden kann. In dem nordeuropäischen Land haben die Negativzinsen auf siebentägige Einlagen das Zinseinkommen der Banken belastet, die durch die Folgen der geplatzten Immobilienblase und aufgrund der höheren Kapitalanforderungen sowieso schon angeschlagen sind.

“Eine Menge praktischer und technischer Prozesse musste geregelt werden, um die Negativzinsen zu ermöglichen”, sagt Graven. “Diese Hürden dürften in der Eurozone umso höher sein.”

Die EZB gibt ihre nächste Zinsentscheidung am 10. Januar bekannt. Der Refinanzierungssatz der Notenbank beträgt 0,75 Prozent, der Einlagensatz liegt bei null. In Dänemark beträgt der Leitzins 0,2 Prozent.

Die dänische Krone, die an den Euro gekoppelt ist, hat nachgegeben, seit der Einlagensatz negativ ist. Am späten Freitag kostete ein Euro 7,4615 Kronen, verglichen mit 7,4592 Kronen am Tag vor der Reduzierung des Einlagensatzes. Die Notenbank visiert einen Kurs von 7,46038 Kronen je Euro an, mit einer möglichen Abweichung von bis zu 2,25 Prozent.

Dänemarks Zentralbank hält keine regelmäßigen Treffen ab und ändert die Zinsen nur, wenn sie den Eindruck hat, dass sie unter Druck stehen. Traditionell kam es zu Zinsschritten, wenn zuvor die Devisenreserven angepasst wurden. Die Fremdwährungsreserven erreichten im August bei 514,4 Mrd. Kronen ihren Höhepunkt und gaben seither auf 512,10 Mrd. Kronen nach.

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Als so genannter sicherer Hafen ist Dänemark nicht zuletzt deswegen so attraktiv, weil die öffentliche Verschuldung weniger als halb so hoch wie durchschnittlich im Euroraum ist. Zudem fährt das Land einen Leistungsbilanzüberschuss ein. Selbst die Banken- und Immobilienkrisen des Landes haben Investoren nicht abgeschreckt, vor den Turbulenzen im Euroraum dorthin zu flüchten.

Im vergangenen Quartal wuchs die Wirtschaft um 0,3 Prozent und damit stärker als zuvor erwartet - ursprünglich war mit 0,1 Prozent Zuwachs gerechnet worden. Dazu trugen nicht zuletzt höhere Regierungsausgaben und Unternehmensinvestitionen bei.

Die Rendite dänischer Staatsanleihen mit Fälligkeit im November 2021 sank am Freitag um zwei Basispunkte auf 1,15 Prozent - sie ist damit etwa 25 Basispunkte niedriger als die vergleichbarer Bundesanleihen.

“Unser zentrales Szenario sieht so aus, dass die Krise der Eurozone im nächsten Jahr anhält, vielleicht sogar gelegentlich wieder hochkocht”, sagt Graven. “Das hat zur Folge, dass die Suche nach sicheren Häfen intakt bleiben und die Nachfrage nach Krone-Anlagen anhalten wird.”

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