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10.07.2011

16:34 Uhr

Weltweite Knappheit

Ruhe vor dem Sturm auf dem Getreidemarkt

VonRegine Palm, Florian Willershausen

Zwar wirkt die Lage auf den Getreidemärkten momentan entspannt. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Die weltweite Knappheit dürfte in den kommenden Wochen für Turbulenzen sorgen und Preisschwankungen nach sich ziehen.

Ein Landwirt entleert Wintergerste von seinem Mähdrescher. Quelle: dpa

Ein Landwirt entleert Wintergerste von seinem Mähdrescher.

Düsseldorf, MoskauKnappheit oder nur Spekulation? Die zuletzt heftigen Preisausschläge an den Getreidemärkten werfen Fragen auf. Die Wiederaufnahme der russischen Getreideexporte hat zwar zu einer gewissen Entspannung der Märkte beigetragen, doch die Ruhe könnte sich Experten zufolge als trügerisch erweisen.

Mitte 2010 waren die Getreidepreise sprunghaft gestiegen. Mais war zeitweise doppelt so teuer wie zuvor. Ähnlich sah es bei Weizen aus. Grund dafür war unter anderem eine Dürre in Russland. Die Jahrhundertdürre verbrannte 17 Prozent der Anbauflächen des Riesenlandes, die Getreideproduktion sank um über ein Drittel auf rund 61 Millionen Tonnen, Russland hatte daraufhin die Exporte gestoppt und erst Anfang Juli wieder aufgenommen.

Von dem hohen Niveau sind die Preise seit Mai zurückgefallen; eine Erholung hängt nun auch von Russland ab. Das Land ist mit jährlich 20 Millionen Tonnen drittgrößter Getreideexporteur der Welt. Auch spekulativ eingestellte Anleger hatten dem Markt den Rücken gekehrt. Private Anleger können auf Entwicklungen im Agrarsektor beispielsweise über börsengehandelte Indexfonds (ETF) oder Zertifikate setzen.

"Wir leben von der Hand in den Mund, die Situation ist immer noch angespannt", sagt Axel Herlinghaus, Agrarexperte der DZ Bank. Er bezieht sich dabei vor allem auf Mais und Weizen. "Der Markt reagiert auf die unterschiedlichen Meldungen aktuell sehr empfindlich", erklärt Herlinghaus die heftigen Ausschläge und den Preisrutsch.

"Der Rückgang wurde genutzt, um sich das aktuelle Preisniveau zu sichern", hat Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg beobachtet. Im Umkehrschluss heißt das: Verbraucher wie Mühlenbetriebe erwarten, dass die Preise wieder anziehen werden. Tatsächlich knapp sei aktuell nur Mais, Weizen nicht.

Zu dem Preisrückgang haben die Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) beigetragen, die im Markt mit großem Interesse verfolgt werden. Der Report wies höhere Lagerbestände aus und eine größere Anbaufläche als erwartet.

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