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29.08.2011

07:27 Uhr

Weltweites Comeback

Zentralbanken decken sich mit Gold ein

VonMarietta Kurm-Engels

Bei den Zentralbanken hat ein Umdenken eingesetzt. Statt Gold zu verkaufen, stehen sie nun am Markt als Käufer da. Das Edelmetall feiert ein Comeback als internationale Reservewährung.

Gold im Tresor der Schweizerischen Nationalbank. Reuters

Gold im Tresor der Schweizerischen Nationalbank.

FrankfurtDie Zahlen sprechen für sich: Am 15. August 1971 hob US-Präsident Richard Nixon die Anbindung des Dollars an Gold auf, seitdem hat die US-Währung gegenüber dem Edelmetall um 98 Prozent abgewertet. „Das zeigt, dass Gold als Wertaufbewahrungsmittel nicht zu verachten ist“, erklärt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Nach 40 Jahren eines Systems ungedeckter Währungen kämen Zweifel an der Beständigkeit des künstlich geschaffenen Geldes auf.

Bei vielen Notenbanken habe deshalb ein Umdenken eingesetzt, sagt Carsten Fritsch, Edelmetallspezialist bei der Commerzbank: Sie realisierten, dass Gold in ihrem Portefeuille wertstabilisierend wirke und die Schwankungen der Währungsreserven verringere. Die Zentralbanken seien daher am Markt zu Nettokäufern geworden. Die Notenbanken in den Industrieländern, vor allem in Europa, verkauften kaum noch aus ihren Beständen, ihre Pendants in den Schwellenländern seien bereits seit Jahren auf der Käuferseite, so Fritsch.

Die Zentralbanken des Euro-Raums, die Schwedische Reichsbank und die Schweizer Nationalbank hatten 2009 im dritten Goldabkommen zugesagt, maximal 400 Tonnen pro Jahr zu verkaufen. Bislang haben sie diese Quoten bei weitem nicht erreicht.

Das Goldabkommen der Zentralbanken war 1999 ins Leben gerufen worden, weil ihre unkoordinierten Verkäufe den Markt destabilisierten. Die Amerikaner haben das Abkommen nicht unterzeichnet, aber sie tasten ihre Bestände grundsätzlich nicht an. Diese werden seit Jahren mit gut 8133 Tonnen ausgewiesen, das ist der größte Goldschatz, den eine Zentralbank weltweit hält.

China und Russland, die Nummer sechs und die Nummer acht der Weltrangliste, haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich ihre Bestände aufgebaut. Beide kaufen auf dem heimischen Markt: „Was da produziert wird, geht sofort an die Zentralbank, gar nicht erst auf den Weltmarkt“, berichtet Fritsch. Russland kaufte allein im ersten Halbjahr 2011 rund 48 Tonnen, im zweiten Halbjahr 2010 waren es knapp 78 Tonnen. China hatte zuletzt 2009 die stattliche Menge von 454 Tonnen erworben.

Kommentare (19)

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CharlyW.

29.08.2011, 08:16 Uhr

Gold ist das Urgeld, deshalb sind wir auch entwöhnt worden. Allmählich wachen nun einige Schafe auf und stellen fest, Papier wird zu Papier, nur Gold bleibt Geld.
Bei den Staaten hat sich der Trend auch umgekehrt, da Dollar und Euro sterben, kann nur Gold die Alternative sein um seinen Besitz zu erhalten. Zum Spekulieren ist es nicht geeignet, nur als Wertaufbewahrungsmittel dem Zugriff des Fiskus entzogen. Das macht es noch attraktiver.

mono

29.08.2011, 08:56 Uhr

@CharlyW.
Dollar und Euro sterben nicht, sie werden nur von unseren Politikern einer massiven Abwertung unterzogen. Währungshüter achten neuerdings darauf, das auch genug inflationiert wird, anstatt Geldwertstabilität zu garantieren.
Die "geheime Steuer der Inflation" ist des Politikers liebstes Spielzeug geworden,
da befürchtet wird, das dass aus den Fugen geratene Finanzsystem anders nicht mehr am Leben gehalten werden kann.
Geschenktes Geld für die Finanzindustrie während dadurch beim Normalbürger die Schrauben immer fester angezogen werden.
Die Rechnung für dieses bürgerfeindliche Handeln zahlen wir über massiv ansteigende Rohstoff.-Energie.- und Nahrungsmittelpreise.
Gold und Silber sind so ziemlich der einzige Schutz davor, wenn man nicht spekulieren will.

Terraner

29.08.2011, 09:26 Uhr

Das zeigt deutlich das man seiner eigenen Politik nicht traut.

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