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06.07.2013

09:33 Uhr

Weniger Ölpreisbindung

Gaspreis steigt weiter

Die Gaspreise steigen weiter – obwohl die Ölpreisbindung fällt und Energiekonzerne von ihren Gaslieferanten hohe Rückzahlungen kassieren. Profit auf Kosten der Kunden? Die Konzerne sagen Nein.

Flammen an einem Gasherd. Energieerzeuger profitieren unter anderem von verbesserten Konditionen für den Gasbezug vom russischen Staatskonzern Gazprom. dpa

Flammen an einem Gasherd. Energieerzeuger profitieren unter anderem von verbesserten Konditionen für den Gasbezug vom russischen Staatskonzern Gazprom.

Essen/DüsseldorfRund 160.000 Gaskunden von RWE bekommen demnächst unangenehme Post: Die Preise in der Grundversorgung steigen im Herbst um mehr als sechs Prozent. Dabei hat RWE in der Gasbeschaffung bei seinem Lieferanten Gazprom für lang laufende Verträge mit Ölpreisbindung Ende Juni gerade eine kräftige Rückerstattung erstritten - nach Schätzung von Branchenfachleuten rund eine Milliarde Euro. Und aktuell verhandelt RWE schon wieder mit den Russen über Nachlässe. Verbraucherschützer drängen, dass RWE einen Teil davon an die Kunden weitergibt.

Doch der Konzern winkt ab. Die Rückerstattung decke Verluste der vergangenen Jahre mit den Langfristverträgen. Außerdem seien die Netzentgelte schon seit Januar gestiegen, ohne dass dies weitergegeben worden sei, sagt eine RWE-Sprecherin. RWE decke sich nicht nur über langfristige Verträge ein, sondern erzeuge auch selbst und kaufe an Spotmärkten. In der Gesamtschau ergäben sich dabei leicht steigende Beschaffungskosten, erklärt ein anderer RWE-Sprecher. Auf die RWE-Gewinnerwartung habe die Rückzahlung keinen Einfluss, das zusätzliche Geld sei längst eingeplant, erklärte der Konzern Anfang der Woche.

Die Ölpreisbindung

Was ist die Ölpreisbindung beim Gas?

Ölpreisbindung ist die Verknüpfung des Gaspreises mit dem Ölpreis, die seit den 60er Jahren in der Branche üblich geworden ist. Preisentwicklungen beim Öl wurden dabei nach unterschiedlichen Formeln mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten nachvollzogen.

Warum Ölpreisbindung?

Dadurch sollten die hohen Investitionen der Energiekonzerne in die Erdgasförderung abgesichert werden. Die Ölbindung schütze auch die Verbraucher vor starken Preisschwankungen beim Gas, begründeten die Konzerne ihre Praxis.

Warum fällt die Ölpreisbindung?

Von einigen Fachleuten und Verbraucherschützern wird die Verknüpfung schon lange kritisiert. Sie sehen darin auch ein Hemmnis für Preisanpassungen nach unten. Seit Herbst 2010 ist ein zunehmendes Auseinanderklaffen des Öl- und Gaspreises in Europa zu beobachten. Die Ölpreisbindung verliert rapide an Bedeutung.

Was hat das zur Folge?

Auch Altverträge, die sich noch am Ölpreis orientieren, werden angesichts des hohen Angebotsdrucks am Markt nachverhandelt. Produzenten wie die russische Gazprom räumen Großkonzernen dabei Milliardennachlässe ein.

Verbraucherschützer finden das nicht überzeugend. Mit den höheren Netzentgelten lasse sich allenfalls ein Viertel der Erhöhung rechtfertigen, und die Beschaffungskosten für Gas auf den Märkten stagnierten, sagt etwa Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Offenbar holten sich die Konzerne von Gaskunden einen Teil dessen zurück, was ihnen bei der zunehmend unattraktiv gewordenen Stromerzeugung durch die Lappen gegangen sei, argwöhnt der Verbraucherschützer.

Die RWE-Preiserhöhung ist dabei nur eine Beispiel von vielen. Insgesamt geht die Preiskurve beim Gas weiter nach oben - obwohl alle Welt von der neuen Gasschwemme durch „Fracking“ in den USA spricht und die hartnäckige Wirtschaftskrise in Europa auf den Absatz drückt.

Das Verbraucherportal Verivox hat von Januar bis heute 183 Preiserhöhungen oder entsprechende Ankündigungen um durchschnittlich 6,4 Prozent registriert. Dem stehen mit 61 deutlich weniger Preissenkungen um durchschnittlich 5,7 Prozent entgegen. „Es sieht so aus, als würden höhere Gewinne durch günstigeren Einkauf nicht umfassend weitergegeben“, sagt auch Verivox-Sprecher Jürgen Scheurer.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

06.07.2013, 11:20 Uhr

Eine gute Alternative zu den kommerziellen Versorgern sind Genossenschaften. Die machen keinen Gewinn und haben absolut transparente Preise (also keine Bonusabzocke a la TeldafaxGas).

Bin z.B. mit "Bürgergas" sehr zufrieden.

Mazi

06.07.2013, 13:12 Uhr

Ein klares Zeichen dafür, dass die staatlichen Aufsichtsorgane, der Verbraucherschutz nicht funktionieren. Dies kann zum einen mit deren fehlenden Fachkenntnissen oder aber mit gezielter lobbyistischer Arbeit zu tun haben.

Lassen sie Unfälle Behörden abschaffen, dann wissen wir wenigstens weshalb wir Bürger so "rasiert" werden und niemand kann einem Beamten Untätigkeit vorwerfen.

faktgeo

06.07.2013, 14:01 Uhr

"Bürgergas" klingt zwar gut, aber das Gas dürfte nicht günstiger sein als viele herkömmliche/kommunale Anbieter. Allein über hohes Einkaufsvolumen und geschickte Einkaufspolitik im Spotmarkt können gute Einkaufspreise verhandelt werden. Netznutzungsentgelte, Steuern und Abgaben sind nicht zu beeinflussen.

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