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28.01.2010

11:29 Uhr

World Economic Forum

Dem Ölmarkt droht Angebotslücke

VonHermann-Josef Knipper

ExklusivDie Abhängigkeit der Welt vom Öl wird sich auch in den kommenden Jahrzehnten nicht verringern. Im Gegenteil: Bis 2030 erwarten Exerten einen Anstieg des Ölbedarfs um 40 Prozent. Auf dem World Economic Forum in Davos forderten sie neue Investitionen, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden.

Förderstation im Irak: "Öl wird knapp und teuer" dpa

Förderstation im Irak: "Öl wird knapp und teuer"

HB DAVOS. Erdöl wird in den nächsten Jahren knapp und teuer. Allein in den nächsten 20 Jahren müssen 27 Billionen Dollar investiert werden, um den steigenden Bedarf auf der ganzen Welt zu decken. Wer dieses Geld aufbringen kann und wird, steht noch in den Sternen, so dass die Versorgungssicherheit leiden könnte. Zu diesem Ergebnis kam die Diskussionrunde "Global Energy Outlook" auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Chefs der Ölkonzerne BP, Shell, Total und Saudi Aramco waren sich in zwei Punkten einig: Gas wird als Energieträger immer noch unterschätzt und wird vor allem in den USA in den nächsten Jahren eine wachsende Bedeutung haben, um den Energiebedarf zu decken. Und zweitens: Die steigende Nachfrage nach Erdöl ist in ihren Augen nur zu decken, wenn der Irak wieder als großer Produzent auf den Weltmarkt zurückkehrt. BP und Shell setzen daher auf hohe Investitionen und Technologietransfer in die irakischen Erdölfelder, um die veralteten Anlagen zu modernisieren und die Förderung in großem Stil wieder aufzunehmen.

Tony Hayward, Vorstandschef der britischen BP, erwartet einen Anstieg des Erdölbedarfs um 40 Prozent in den nächsten 20 Jahren. Im Jahr 2030 werden seiner Meinung nach weltweit nach wie vor 80 Prozent des Energiebedarfs über Öl und Gas gedeckt werden müssen - trotz aller Anstrengungen zur Erhöhung des Anteils neuer, ressourcenschonender Energiequellen zur Senkung des CO2-Ausstoßes.

Thierry Desmarest, Chef des französischen Ölkonzerns Total, gab sich skeptisch: Alle Ölfelder der Welt, die bis heute erschlossen seien, könnten ihre Produktion um maximal zehn Prozent erhöhen, dann sei sämtliches Potenzial ausgeschöpft. Der wachsende Bedarf müsse durch massive Investitionen und eine Steigerung der Effizienz gedeckt werden.

Vor diesem Hintergrund gab sich der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, zuversichtlich, was die Wachstumsmöglichkeiten seines eigenen Landes betrifft. Aliyev wies darauf hin, dass sein Land in den letzten Jahren die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt gewesen sei. Neben dem Ölgeschäft werde an der Steigerung der Gasprdouktion sowie dem Bau von Pipelines in alle Nachbarländer und Europa gearbeitet. Er sei sicher, sagte Aliyev, dass Aserbaidschan aufgrund des wachsenden Energiebedarfs der Welt und der Diversifizierungswünsche der europäischen Abnehmerländer bald zu den größten Öl- und Gasexporteuren dert Welt gehören werde.

Als Vertreter der industriellen Kunden der Ölkonzerne nahm der Chef des amerikanischen Chemiemultis Dow Chemical, Andrew Liveris, an der Diskussion teil. Er forderte die Lieferanten auf, etwas gegen die Preisexplosion und die hohe Preisvolatilität zu tun: "Der Ölpreis hat sich in wenigen Jahren vervierfacht. Oft schwankt er um zehn Prozent binnen einer Woche. Wir brauchen endlich stabile und berechenbare Marktbedingungen."

Kommentare (1)

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Peter Scholz

28.01.2010, 15:14 Uhr

Von derzeit 750 Mil. Autos wird sich der globale Fahrzeugbestand auf ca. 3 Mrd. Autos im Jahr 2050 entwickeln. Aus diesem Grund wird Öl knapp und teuer. Volkswirtschaften, die das nicht erkennen, werden die Verlierer dieser Entwicklung sein.

Nun, es gibt Leute, auch Wissenschaftler, die die Auffassung vertreten, die Ölkonzerne bauen derartige Szenarien nur auf, um sich ungerechtfertigt zu bereichern. Sie behaupten, daß sich das Erdöl schon im Erdinneren bildet und nicht fossilen Ursprungs ist. Rein theoretisch kann es so sein weil sich Wasserstoff gerne einnistet und sich mit anderen Stoffen verbindet. Das Problem ist aus der Wasserstofflagerung bekannt und führt dort zu Versprödungen des Materials.

So behaupten sie weiter, deshalb würden sich bereits ausgebeutete Erdöllagerstätten wieder auffüllen. Richtig ist, daß wie bei einer Grundwassersenkung eine trockene insel entsteht, die sich wieder auffüllt sobald die Pumpen abgestellt werden. Öl fließt nur langsamer nach.

beim Erdöl handelt es sich um verunreinigte (z.b. Schwefel, Salz) Molekülketten (Lieblingsthema der bundeskanzlerin), die in der Raffinerie bei einer Anfangstemperatur von 400° C gecrackt (aufgespaltet) werden. Dies ist in größeren Tiefen (über 10 000 m) bei einer Temperaturzunahme von 3° C/100 Meter in der Erdkruste ebenso, bzw. die langen Molekülketten bilden sich erst gar nicht; auch unter Druck (Temperaturzunahme) nicht.

Schließlich wird behauptet, an den Erdplattenrändern würde das Erdöl aus dem Erdkern verstärkt austreten und es wird besonders auf den irak verwiesen. Unberücksichtigt ist, daß dieses Gebiet wie viele Ebenen bestandteil des Panthalassameeres waren. Würde diese (Verkaufs-)Theorie stimmen, so hätte auch bei dem Erdbeben auf Haiti Erdöl austreten müssen und alle tätigen Vulkane wären die reinsten bunsenbrenner. Die Tatsache, daß Erdöl entsalzt werden muß, erklärt seinen Ursprung ausreichend.

Also, Erdöl wächst nicht nach, es wird knapp und teuer. Wer klug ist richtet sich darauf ein.

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