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07.04.2016

17:04 Uhr

Yen, Euro und US-Dollar

Neue Runde im Währungskrieg

VonJürgen Röder, Martin Kölling

Nach der EZB nun die US-Notenbank: An den Devisenmärkten wird das Fed-Protokoll als Signal für vorerst weiter niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft gesehen. Der Kampf um die schwächste Währung geht weiter.

Die Notenbanken scheinen um die niedrigste Währung zu kämpfen. IMAGO

Euro oder Dollar?

Die Notenbanken scheinen um die niedrigste Währung zu kämpfen.

Düsseldorf, TokioNotenbanken haben eigentlich die Verantwortung eine erneute Finanzkrise wie 2008 zu verhindern. Doch offenbar wollen sie vor allem eine eigene starke Währung verhindern. Aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung vom März war hervorgegangen, dass sich die amerikanischen Notenbanker über eine baldige Zinsanhebung nicht einig sind. Mehrere Führungsmitglieder hatten für eine geldpolitische Straffung im April plädiert.

An den Devisenmärkten wird das Fed-Protokoll als Signal für vorerst weiter niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft gesehen. Dies machte vor allem dem Dollar zu schaffen, der sowohl zum Euro als auch zum Yen Federn ließ. „Einige Anleger gingen wohl für die nächste Zeit nicht mehr von einer Zinserhöhung aus“, sagte ein Händler.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Noch im März hatte auch die EZB mit einer weiteren Zinssenkung den Euro geschwächt. Die japanische Notenbank versucht schon seit Jahren, mit einer ultralockeren Geldpolitik die schwache Inflation anzuschieben – bisher ohne Erfolg.

„Wenn jeder seine Währung schwach haben will, wird keine schwach sein“, warnt Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. „Das ist ein Nullsummenspiel“. Dadurch würden Fehlallokationen entstehen, immer neue Blasen durch viel zu viel Liquidität. Seine Forderung: Die extremen Schwankungen, die zu real- und finanzwirtschaftlichen Verunsicherungen führen, müssen aufhören.

Die Frage ist: Wird nun Japan wieder eingreifen und nun doch mit einer Währungsintervention den Höhenflug des Yen bremsen? Die Marke von 110 Yen zum Dollar galt lange als ein möglicher Auslöser für einen Eingriff. Denn der rasante Höhenflug des Yen, der mit Chinas Börsendebakel Anfang des Jahres begann, stellt die Grundlage der Wirtschafts- und Geldpolitik von Regierung und Notenbank in Frage. Am Donnerstag rutschte der Dollar auf 108,20 Yen und notierte damit so niedrig wie zuletzt Ende Oktober 2014. Experten sehen einen wichtigen Grund in zunehmenden Zweifeln an der Geldpolitik der japanischen Notenbank. Der Euro notierte am Nachmittag mit 1,1340 Dollar etwas niedriger als dem am Freitag voriger Woche erreichten Jahreshoch von 1,1437 Dollar.

Japans Notenbank, global die Vorreiterin von Nullzinspolitik und massivem Kauf von Staatsanleihen, hatte im April 2013 die geldpolitischen Schleusen noch weiter geöffnet. Ein Ziel war, mit der geldpolitischen Brechstange aus der Deflation zu befreien und eine moderate Inflation von zwei Prozent zu erzeugen. Als willkommener und einkalkulierter Nebeneffekt ging der damals bärenstarke Yen in den Keller. Dies wiederum führte zu einer Explosion der Aktienkurse und der Gewinne von Firmen im Exportgeschäft wie dem Autobauer Toyota.

Kommentare (2)

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Herr Peter Noack

08.04.2016, 11:52 Uhr

Welcher Einfluss auf Inflation und Exporte der europäischaen Staaten hat ein Währungskrieg zwischen Yen und Dollar? Was bedeutet denn ein Dollar von 90 Yen? Im Beitrag steht kein Sterbenswörtchen.
Die Veränderung des Euro im Zehntelcentbereich beeinflusst die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte aus der Eurozone in den Dollarraum. Das waren im Februar rund 40 Prozent der deutschen Exporte, wenn diese sämtlich in Dollar abgerechnet werden. Ein Prozent von 40 Milliarden sind folglich 400 Mio. Euro, die währungspolitisch zum Tragen kommen. Welchen Vorteil oder Nachteil erkennen die Verfasser? Einen Währungskrieg????
Andere Staaten der Eurozone exportieren viel weniger als die Deutschen. Noch mehr Währungskrieg???
Der Export von Deutschland nach Japan beträgt weniger als 2 Prozent aller Deutschen Exporte. Hier ist eine Auif- oder Abwertung des Yen gegenüber dem Euro völlig irrelevant.

Herr Helmut Weinberg

08.04.2016, 12:20 Uhr

+++

Die "Presse-Freiheit" darf keine Propaganda-Freiheit oder Vortäuschung falscher Tasachen bzw. Erziehung in beliebiger Richtung sein.

Die Presse darf nicht das "Gross-Mandat der Wahrheit nach ihrem Belieben" haben.

DESHALB MUSS ein Gesetz her, das die Presse-Freiheit rettet aber Propaganda, Lüge und Ideologisierung VERBIETET !!!

==> Nur investigativer Jounalismus sollte erlaubt sein !!!

WEG MIT DER IDEOLOGIE-ZWANGSABGABE "GEZ".

+++

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