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02.06.2015

12:18 Uhr

Yen fällt auf Langzeittief

Warum Japan seine schwache Währung unheimlich ist

VonMartin Kölling

Der Yen verliert an Wert, doch anders als zuvor profitiert nicht die japanische Börse. Selbst den Exporteuren im Inselstaat wird der Yen unheimlich, obwohl sie eigentlich profitieren. Aus einem Bonus wird ein Malus.

Baby-Schrei-Wettbewerb in Tokio: Machen Japanern treibt hingegen der trudelnde Yen die Tränen in die Augen. Reuters

Zum Heulen

Baby-Schrei-Wettbewerb in Tokio: Machen Japanern treibt hingegen der trudelnde Yen die Tränen in die Augen.

TokioDer japanische Yen hat am Dienstag entgegen allen Unkenrufen seine Talfahrt fortgesetzt. Kurzzeitig purzelte der Kurs zum US-Dollar auf unter 0,008 Yen – ein Dollar war also kurzzeitig mehr als 125 Yen wert, was zuletzt 2002 der Fall war. Solide Konjunkturdaten hatten die Erwartung an den Märkten gestärkt, dass die US-Notenbank Fed Ende des Jahres die Zinsen erhöhen könnte. Auch gegenüber dem Euro gab die Währung auf 136 Yen nach.

Doch die negative Reaktion der Börse zeigte, dass dieser neuerliche Fall politisch und wirtschaftlich an Schmerzgrenzen zu stoßen beginnt. Der Schwung könnte den Yen zwar noch tiefer führen, sagen Analysten. Aber gleichzeitig mehren sich die Zeichen, dass das Pendel zurückschlagen könnte.

Der US-Dollar hat im vergangenen Jahr deutlich gegenüber dem Yen zugelegt.

US-Dollar vs. Japanischen Yen

Der US-Dollar hat im vergangenen Jahr deutlich gegenüber dem Yen zugelegt.

Tatsächlich scheint das bisherige Wechselspiel zwischen Wechsel- und Aktienkurs langsam aus dem Tritt zu geraten. Bislang trieb ein Fall des Yen die Aktienkurse gerade der Exportunternehmen und damit das Börsenbarometer, den Nikkei-225 Aktienpreisdurchschnitt, in die Höhe. Denn je schwächer die Währung, desto höher steigen in Yen gerechnet die Gewinne im Ausland und bei Exporten.

Doch am Dienstag schloss der Nikkei mit 20543,19 Yen und damit 0,13 Prozent leichter als am Vortag. Mehr noch: Die größten Gewinner der jüngsten Kursrally, die Mitte Mai begann, waren nicht etwa Exportkonzerne. Selbst die Autobauer stiegen weniger als der Durchschnitt. Dafür profitierten Banken überdurchschnittlich von ihren guten Jahresbilanzen und den verbesserten Konjunkturaussichten.

Die wichtigsten Kerndaten zu Japan

Inflation Mai 2014

3,7 Prozent

Im Mai 2014 kletterten die Preise verglichen mit dem Vorjahresmonat noch stark. Doch Mitte 2014 wurde die umstrittene Mehrwertsteuererhöhung durchgeführt...

Quelle: Ministerium für Inneres und Kommunikation, Japan

Inflation März 2015

2,3 Prozent

Die Mehrwertsteuererhöhung warf nicht nur die Wirtschaft zurück, sondern führte auch wieder zu einer sinkenden Inflation. Selbst die Steigerung der Verbraucherpreise von 2,3 Prozent (verglichen mit dem Vorjahresmonat) soll laut des Auswärtigen Amtes hauptsächlich durch die teuren Importe (überwiegend Energie) entstanden sein.

Quelle: Ministerium für Inneres und Kommunikation, Japan

Reales BIP

Die Mehrwertsteuererhöhung setzte auch dem Wachstum der Wirtschaft zu. Im zweiten und dritten Quartal 2014 war das reale BIP jeweils im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Erste Stimmen fürchteten bereits die Rezession. Erst im vierten Quartal 2014 schaffte Japan ein reales BIP-Wachstum von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Rezession scheint abgewendet.

Quelle: Bloomberg

Reales BIP II

Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Im Vergleich zum Vorjahr geht es Japans Wirtschaft nämlich schlechter. Im zweiten (dritten, vierten) Quartal 2014 schrumpfte das reale BIP im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal um 0,3 (1,4; 0,8) Prozent.

Quelle. Bloomberg

Arbeitslosenquote

Während die Wirtschaft eine Achterbahnfahrt erlebte, blieb die Arbeitslosenquote recht konstant. Im März 2015 lag sie bei 3,4 Prozent.

Inflationserwartungen

Entsprechend der schwächelnden Wirtschaft gehen Analysten von sehr niedrigen Inflationsraten für die Zukunft aus. Für das zweite und dritte Quartal erwarten Analysten im Schnitt eine Inflation von 0,1 Prozent.

Der fehlende Jubel hat mehrere Gründe: Erstens plagt die Anleger die Sorge, dass der schwache Yen sich vom Bonus zum Malus für die Japan AG entwickeln könnte. „Generell betrachtet, profitieren wir vom schwachen Yen“, sagte Hideki Hiraki, der neue CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Managers, SuMI Trust, jüngst im Handelsblatt-Interview. „Wenn er jedoch weiter abwertet, auf mehr als 120 Yen je Dollar, müssen wir langsam aufpassen.“

Denn nicht mehr nur binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen leiden dann darunter, dass sie immer mehr für Importe von Rohstoffen, Bauteilen oder Endprodukten zahlen müssen. Auch für Exportkonzerne habe der positive Effekt seine Grenze erreicht, warnt Tomomi Yamashita, Fund Manager bei Shinkin Asset Management.

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