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19.11.2013

17:40 Uhr

Yuan-Aufwertung

China treibt Devisenreform voran

China erwägt, den Yuan schneller aufzuwerten. Dazu plant die Börsenaufsicht, Börsengänge künftig zu vereinfachen. An einer vollständigen Freigabe des Yuan zweifeln Analysten allerdings jedoch noch.

Bis 2015 soll der Yuan „grundsätzlich konvertierbar“ sein. AFP

Bis 2015 soll der Yuan „grundsätzlich konvertierbar“ sein.

PekingChina stellt eine schnellere Aufwertung der Landeswährung Yuan in Aussicht. „Wir werden die Bandbreite des Wechselkurses in geordneter Art und Weise erweitern“, kündigte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Buch über Reformen an. Die Zentralbank werde „im Grunde“ aus den regelmäßigen Interventionen am Devisenmarkt aussteigen. „Wir müssen das günstige Zeitfenster abpassen, um die Konvertibilität des Yuan zu beschleunigen“, sagte Zhou.

Zuletzt hatte die Notenbank die vor allem von den USA kritisierte Kopplung des Yuan an den Dollar im April 2012 gelockert. Seither darf der Kurs in einer Bandbreite von einem Prozent um einen von der Zentralbank festgesetzten Wert zum Dollar schwanken. Bis 2015 soll der Yuan „grundsätzlich konvertierbar“ sein, hatte sie versprochen - ohne aber näher zu erläutern, was genau das heißt.

Einige Analysten bezweifeln, dass eine völlige Freigabe des Yuan in Kürze zu erwarten ist. Denn das dürfte viel spekulatives Geld in die Volksrepublik locken - in der Hoffnung auf eine kräftige Aufwertung und damit steigender Gewinne. Das aber könnte den Exportweltmeister treffen, dessen Waren im Ausland mit einem stärkeren Yuan teurer würden.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Reformen stellt auch die Börsenaufsicht in Aussicht. So sollen Börsengänge künftig vereinfacht werden. „Wir werden unbeirrt die Reform des Meldesystems für die Aktienausgabe vorantreiben“, sagte CSRC-Chef Xio Gang bei einem Finanzforum. „Dies bedeutet aber nicht, dass die Börsenaufsicht tatenlos zusehen wird, denn das würde zu mehr Schrott-Aktien führen“, schränkte er ein.

Erst vergangene Woche hatte die chinesische Führung weitreichende Reformen für die kommenden zehn Jahre beschlossen, mit denen das Land weiter zur Marktwirtschaft geführt werden soll. Sie zielen beispielsweise auf einen stärkeren Konsum ab, um das Land unabhängiger von ausländischen Investitionen und von Exporten zu machen.

Von

rtr

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