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01.01.2017

13:23 Uhr

Zahlungsmittel

15 Jahre Euro

Als Zahlungsmittel existiert der Euro nun 15 Jahre. Am Devisenmarkt gibt es Kurse sogar schon 18 Jahre. Zum Feiern sehen Politiker keinen Grund. Viele Krisen prägten die vergangenen Jahre. Weitere Belastungen stehen an.

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch in Feierlaune ist kein Politiker. AFP; Files; Francois Guillot

Geburtstag

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch in Feierlaune ist kein Politiker.

BerlinDer Euro wird an diesem Sonntag 15 Jahre alt. Die Währung war am 1. Januar 2002 eingeführt worden. Zunächst beteiligten sich zwölf Länder, heute sind es 19. Damit ist der Euro das Zahlungsmittel für rund 340 Millionen Menschen. Als die neue neue Währung startete, war sie für viele Menschen ungewohnt und in Deutschland sogar unbeliebt - wegen des Abschieds von der D-Mark.

Der Spitzname "Teuro" drückt die mangelnde Begeisterung der Deutschen gut aus. Denn viele Menschen beobachteten, dass sich mit der Einführung viele Waren und Dienstleistungen verteuerten. In der Statistik war dies allerdings nicht so gut nachvollziehbar.

Umfragen zeigen heute: 56 Prozent der Menschen in der EU finden, dass der Euro eine gute Sache ist. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind es sogar 68 Prozent, ergab eine Umfrage der EU-Kommission unter 17.500 Bewohnern der Eurozone. Der größte Vorteil der gemeinsamen Währung aus der Sicht der Menschen ist, dass sie das Reisen erleichtert. Viele Bürger betrachten sie zudem als Quelle politischer Stabilität - und das trotz der Krisen der vergangenen Jahre.

Die Chronologie des Euro

1. Juli 1987

Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

7. Februar 1992

Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

1. November 1993

Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

16. und 17. Juni 1997

Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

25. März 1998

Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

1. bis 3. Mai 1998

Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

31. Dezember 1998

Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

1. Januar 1999

Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

4. Januar 1999

Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

Juli 1999

Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

1. Januar 2001

Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

1. September 2001

Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

1. Januar 2002

Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

1. März 2002

Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

1. Mai 2004

Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

1. Januar 2007

Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

1. Januar 2008

Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

1. Januar 2009

Die Slowakei führt den Euro ein.

Frühjahr 2010

Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

1. Januar 2011

Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

Sommer 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

Herbst 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken.

Frühjahr 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

Sommer 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

1. Januar 2017

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch es gibt wenig zu feiert. In der großen Koalition wächst die Sorge vor einer neuen Euro-Krise - und das ausgerechnet im Wahljahr 2017. Die Krisenherde: Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich. Die gute Lage in Deutschland gilt dagegen unter Experten als Sonderfall.

Immerhin, die erste große Bewährungsprobe hat die Gemeinschaftswährung im Zuge der Schuldenkrise überstanden. Doch weitere Belastungen kündigen sich für 2017 bereits an. So könnten die Italiener ihr Land in eine politische Krise stürzen.

Portugals Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt hängt zudem am seidenen Faden, und auch der Streit über Griechenlands Schulden schwelt weiter. Hinzu kommen Ungewissheiten über den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr und die Umsetzung des Brexit-Referendums.

Realisieren sich nur einige dieser Gefahren zugleich, könnte das vor allem der Union und ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel Probleme bringen - und der eurofeindlichen AfD weiteren Auftrieb geben. "Die Gefahr einer Euro-Krise 2.0 sehe ich, das politische Risiko ist enorm", sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Von

dpa

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