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21.05.2017

07:57 Uhr

Zahlungsmittel

Eine unendliche Liebe zum Bargeld

Mit Bargeld zahlen oder per Karte? Für viele Deutsche ist die Barzahlung nicht wegzudenken. Das dürfte sich so schnell auch nicht ändern – trotz aller Neuerungen. Radikale Vorschläge erreichen bisher eher das Gegenteil.

In vielen Ländern wird immer weniger mit Bargeld gezahlt. Doch die Mehrheit der Deutschen möchte es nicht missen. dpa

Bargeld

In vielen Ländern wird immer weniger mit Bargeld gezahlt. Doch die Mehrheit der Deutschen möchte es nicht missen.

Frankfurt25 Euro Gebühr für eine Barzahlung an der Ladenkasse? Diesem Verhalten eines Stuttgarter Elektrohändlers schob die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg einen Riegel vor. Der im April publik gemachte Fall sorgte auch deshalb für Aufsehen, weil er am Grundverständnis der Mehrheit der Deutschen rüttelt: Scheine und Münzen als geprägte Freiheit – ohne Einschränkung.

„Obwohl mitunter so getan wird, als stünde die Abschaffung oder die Bedeutungslosigkeit des Bargelds unmittelbar bevor, zirkulieren mehr Banknoten denn je“, bilanzierte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele im März. Ende 2016 waren demnach Euro-Banknoten im Wert von 1126 Milliarden Euro im Umlauf. Seit Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 habe sich der Banknotenumlauf verfünffacht. Zwar sinke der Anteil der Barzahlungen langsam, aber noch würden über die Hälfte der Ausgaben bar bezahlt, konstatiert Thiele. „Es gilt nach wie vor: Cash is King!“

Fakten zum Bargeld

Bargeld-Obergrenze

Die Debatte um die von der Bundesregierung vorgeschlagene Bargeld-Obergrenze beschäftigt auch die EU-Finanzminister. Hier ein paar Fakten zum Bargeld.

Zahlungsmittel seit Jahrtausenden

Bargeld, zunächst in Form von Münzen, später auch als Papiergeld, ist ein Jahrtausende altes Zahlungsmittel. Seit 2002 gilt in Deutschland das Euro-Bargeld und löste die D-Mark ab. Herausgegeben wird das Geld von den Notenbanken, in Deutschland von der Bundesbank.

Der Euro

Euro-Münzen und Scheine gelten in allen Euro-Ländern als gesetzliche Zahlungsmittel. In der Eurozone sind laut EZB derzeit fast 19 Milliarden Euro-Scheine im Gesamtwert von etwas mehr als einer Billion im Umlauf. Dazu kommen rund 116 Milliarden Münzen im Wert von knapp 26 Milliarden Euro.

Bargeld in Deutschland beliebt

Im Gegensatz zu Ländern wie Schweden oder Dänemark ist Bargeld in Deutschland noch immer sehr beliebt: Gut die Hälfte (53 Prozent) der Einkäufe im Einzelhandel werden bar bezahlt. Insgesamt sind laut Bundesbank sogar 79 Prozent aller Transaktionen Barzahlungen. Bis zur Grenze von 50 Euro erfolgen demnach die meisten Zahlungen in bar. Im Schnitt hat jeder Deutsche laut Bundesbank 103 Euro an Banknoten und Münzen im Geldbeutel.

Obergrenzen in europäischen Staaten

Obergrenzen für Bargeldzahlungen gibt es in zwölf europäischen Staaten. In Italien sind Bargeldgeschäfte bis zu einer Höhe von 3000 Euro erlaubt, zuvor waren es sogar nur 1000 Euro. In Frankreich gilt eine Obergrenze von 1000 Euro. Bei Beträgen darüber müssen Kunden entweder mit Karte oder etwa per Überweisung bezahlen. (Quelle: dpa)

Obwohl im deutschen Einzelhandel der Anteil der Kartenzahlungen seit Jahren kontinuierlich zunimmt, ist Deutschland nach wie vor ein Land der Barzahler. Mehr als die Hälfte der Umsätze (51,6 Prozent) an den Ladenkassen werden nach jüngsten Zahlen der Handelsverbandes HDE mit Schein und Münze getätigt. „Die Barzahlung wird auf absehbare Zeit weiterhin ein wesentlicher Bestandteil des Zahlungsmixes im Einzelhandel sein“, prognostizierte HDE-Experte Ulrich Binnebößel.

Eine Revolution an der Ladenkasse ist demnächst also wohl nicht zu erwarten. „Zwar nimmt der Anteil elektronischer Zahlungsverfahren hierzulande zu. Dieser Wandel vollzieht sich aber nur vergleichsweise langsam“, konstatiert Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

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