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05.04.2013

17:19 Uhr

Zentralbank-Devisen

Der Dollar verliert an Bedeutung

Die Zentralbanken setzen nicht mehr ausschließlich auf den Dollar als Devisenreserve. Vor allem der kanadische und der australische Dollar rücken in den Fokus der Institute – denn die kleinen Staaten holen auf.

Der kanadische Dollar – Loonie genannt – wird zu einer alternativen Devisenreserve. Reuters

Der kanadische Dollar – Loonie genannt – wird zu einer alternativen Devisenreserve.

New YorkBei den Zentralbanken beschleunigt sich offenbar die Diversifizierung der Devisenreserven. Erstmals haben sie fast ebenso viele kanadische, australische Dollar und andere Währungen gekauft wie US-Dollar.

Die sogenannten Nicht-Reserve-Anlagen haben die Zentralbanken im vierten Quartal 2012 um 30,1 Mrd. Dollar aufgestockt, die US-Dollar-Reserven stiegen um 31,5 Mrd. Dollar. Das geht aus Daten des Internationalen Währungsfonds vom 29. März hervor. Die Differenz von 1,4 Mrd. Dollar ist die geringste seit mindestens 1999.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Devisenreserven spiegeln die wachsende Bedeutung von Staaten aus der zweiten Reihe wider, während gleichzeitig der Anteil der großen Industrieländer am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt. 2011 entfielen auf die USA, die Eurozone, Großbritannien und Japan 52 Prozent des weltweiten BIP – zehn Jahre zuvor waren es noch 69 Prozent, wie Zahlen der Weltbank belegen.

Die größeren Volkswirtschaften „haben alle praktisch eine Null-Zins-Politik, ihre Währungen bieten keine Rendite und ihre Bonitätsrisiken sind nach allen Kriterien erhöht“, sagt Richard Franulovich, Chef-Währungsstratege bei Westpac. „Und dann schaut man sich Länder wie Australien und Neuseeland an, und siehe da, diese Länder bieten zumindest etwas Rendite und ihre Staatshaushalte sind viel gesünder.“

„Das neue Geld ist den Alternativen Australien und Kanada zugute gekommen – und das ist ein anhaltender Trend“, sagt Greg Anderson, Devisenstratege bei der Citigroup. Diese Währungen hätten eine bessere Bonität, eine höhere Rendite, fügt er an. „Wer könnte, würde wohl am liebsten sein gesamtes Portfolio dort anlegen, aber es gibt ein Skalenproblem, sagt Anderson, „es geht nicht.“

Die IWF-Kategorie „andere Währungen“, die nach Angaben von Strategen den australischen, den neuseeländischen und den kanadischen Dollar umfasst, stieg auf 6,1 Prozent der insgesamt 6,1 Billionen Dollar an Reserven. Zum Vergleich: Ende 2007 lag der Anteil dieser Währungen erst bei 1,8 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Dollar-Reserven von 64,1 Prozent auf 61,9 Prozent gesunken. Der Anteil des Euro ging von 26,3 Prozent auf 23,9 Prozent zurück.

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Der IWF berechnet die Anteile auf der Grundlage von Zentralbank-Daten. China, das weltweit die höchsten Devisenreserven besitzt, beteiligt sich an der Erhebung nicht. Im November hatte der IWF mitgeteilt, er erwäge, den australischen und den kanadischen Dollar ebenfalls als Reservewährungen zu klassifizieren.

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