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24.01.2011

00:00 Uhr

Zocken im Sekundentakt

Währungskrieg im Wohnzimmer

VonJörg Hackhausen

Der Devisenmarkt lockt immer mehr Privatanleger an. Sie hoffen auf das schnelle Geld und wetten auf die vierte Stelle hinterm Komma. Kritiker sehen das weniger als seriöse Geldanlage, sondern eher als Alternative zum Spielautomaten.

Anleger vor PC-Bildschirm: Mittlerweile ist der Devisenmarkt zum Spielplatz für Privatanleger geworden. Quelle: CAEPSELE

Anleger vor PC-Bildschirm: Mittlerweile ist der Devisenmarkt zum Spielplatz für Privatanleger geworden.

FRANKFURT. Der Euro holt auf. Die europäische Währung kostet wieder über 1,36 Dollar. Seit Mitte des Monats hat sich der Euro um sechs US-Cent verteuert. Für jemanden, der mit Währungen handelt, sind das Welten. Auf dem Devisenmarkt sind schon kleinste Abweichungen entscheidend, bis hin zur vierten oder fünften Stelle hinter dem Komma. Gehandelt wird im Sekundentakt, rund um die Uhr, rund um den Globus. Früher waren die Profis in diesem Geschäft unter sich. Jetzt mischen zunehmend Privatanleger vom eigenen Wohnzimmer aus mit. Sie lassen sich locken von der Aussicht auf das schnelle Geld.

Den Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Broker wie FX Direkt, Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50000 und 70000. Nicht wenig, wenn man bedenkt, dass deutsche Privatanleger den Devisenmarkt überhaupt erst in den letzten Jahren entdeckt haben. Allerdings handelt längst nicht jeder jeden Tag. Andere Länder zeigen, wohin der Trend gehen kann: In Großbritannien ist das Zocken mit Währungen ein beliebter Sport, in Japan vertreiben sich sogar Hausfrauen die Zeit damit.

Riesiger Markt.

Der Vorteil der Währungen: Nirgendwo wird so viel Geld bewegt wie auf dem Devisenmarkt. Jeden Tag wechseln Währungen im Gegenwert von vier Billionen Dollar den Besitzer. An keinem anderen Markt finden Käufer und Verkäufer so schnell zusammen. Die Transaktionskosten fallen geringer aus als etwa bei Aktien. Wer 10000 Dollar kauft und wieder verkauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal eine Gebühr von zwei Dollar. Devisen werden paarweise gehandelt, also Euro gegen Dollar oder Euro gegen Schweizer Franken. Deshalb gibt es immer einen Gewinner. Wenn die eine Währung fällt, muss die andere steigen. "Währungen bieten oft sehr interessante Storys, die auch funktionieren, wenn der Dax schon gut gelaufen ist und nur noch ein begrenztes Potenzial hat", sagt Torsten Gellert, Geschäftsführer von FXCM in Deutschland.

Doch der Devisenhandel ist immer auch ein Spiel mit dem Feuer. "Am gefährlichsten ist die Gier. Wenn sich die ersten Gewinne einstellen, dann vergessen manche das Risiko", sagt Heiko Müller, Chef von Alpari Deutschland. "Ich habe einen Fall erlebt, bei dem ein Kunde mit 400 Dollar angefangen hat, nach einiger Zeit waren daraus 250000 Dollar geworden. Dann, innerhalb von drei Tagen, war alles wieder weg."

Schon kleine Veränderungen der Wechselkurse können hohe Gewinne einbringen, aber auch den Totalverlust bedeuten. Schließlich arbeiten die meisten Anleger mit einem großen Hebel.

Ein Beispiel: Ein Anleger möchte einen Kontrakt im Wert von 100000 Euro kaufen, dafür aber nur 1000 Euro investieren. Im Devisenhandel ist das möglich. Der Hebel liegt in diesem Fall bei 100 zu eins. Wenn nun der Kurs um ein Prozent im Wert steigt, erzielt der Anleger einen Gewinn von 100 Prozent, er verdoppelt seinen Einsatz. Fällt der Kurs allerdings um ein Prozent, ist der gesamte Einsatz weg. Wer den ganz großen Nervenkitzel sucht, kann bei manchen Anbietern sogar mit einem Hebel von 500 zu eins zocken.

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