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24.04.2013

08:53 Uhr

Zukunft der Rohstoffe

Goldman wettet nicht mehr gegen den Goldpreis

Goldman Sachs erwartet eine kurzfristige Erholung des Goldpreises und zieht seine Wetten auf sinkende Kurse zurück. Bei Rohstoffen will die Bank vorsichtiger investieren – denn auch Öl und Kaffee stehen unter Druck.

Kurzfristig soll der Goldpreis nach Ansicht von Goldman Sachs wieder steigen. Reuters

Kurzfristig soll der Goldpreis nach Ansicht von Goldman Sachs wieder steigen.

LondonDie US-amerikanische Großbank Goldman Sachs setzt nicht mehr auf einen sinkenden Goldpreis – zumindest nicht auf kurze Sicht. Bei Rohstoffen insgesamt ist die Bank aber vorsichtiger, an einigen Orten sieht sie Preisdruck.

Am 10. April hatte Goldman dazu geraten, sich aus Gold zurückzuziehen. Zwei Tage später setzte ein Einbruch bei dem Edelmetall ein, der den Preis von Gold innerhalb von nur zwei Handelstagen um rund 13 Prozent schrumpfen ließ. Das war der stärkste Rückgang in drei Jahrzehnten.

Die Historie des Goldpreises seit 1980

1980

Gold erreicht den damaligen Rekordpreis von 850 Dollar je Unze.

Mai 1999

Die britische Notenbank will ihre Goldreserven verkaufen und kündigt eine Versteigerung in fünf Auktionen an.

August 1999

Goldpreis fällt auf das Tief von 251,95 Dollar.

September 1999

Erstes Zentralbankabkommen über Goldverkäufe wird angekündigt. Fünfzehn europäische Notenbanken - darunter auch die Europäische Zentralbank (EZB) - vereinbaren, ihre Goldverkäufe in den fünf Jahren bis 2004 auf insgesamt 2000 Tonnen zu begrenzen.

2003

Der erste mit Gold unterlegte, börsennotierte Fonds wird aufgelegt.

März 2004

Zweites Zentralbankabkommen über Goldverkäufe wird vereinbart; das Volumen der Zentralbankverkäufe wird in den fünf Jahren bis 2009 auf insgesamt 2500 Tonnen aufgestockt.

November 2004

Start des SPDR Gold Trust, des weltweit größten, mit Gold unterlegten börsennotierten Fonds.

2005

Goldpreis steigt über 500 Dollar.

2006

Goldpreis steigt über 700 Dollar.

März 2008

Goldpreis nimmt erstmals die Marke von 1000 Dollar.

September 2008

Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings Inc.

Oktober 2008

Goldpreis sinkt auf 682 Dollar, den tiefsten Stand seit einem Jahr. Anleger stoßen Gold ab, um ihre Liquidität zu verbessern, da Aktien und andere Rohstoffe einbrechen.

November 2008

US-Notenbank verpflichtet sich dazu, in einer ersten Runde der quantitativen Lockerung Papiere im Umfang von 600 Mrd. Dollar zu kaufen.

Februar 2009

Goldpreis steigt wieder über 1000 Dollar.

März 2009

US-Notenbank verpflichtet sich dazu, im Laufe der nächsten sechs Monate für bis zu 300 Mrd. Dollar US- Staatsanleihen zu kaufen.

April 2009

China kündigt eine Erhöhung der Goldreserven um 76 Prozent auf 1054 Tonnen an.

September 2009

Drittes Zentralbankabkommen begrenzt die gemeinsamen Goldverkäufe der europäischen Zentralbanken bis 2014 auf jährlich 400 Tonnen.

September 2009

Der Internationale Währungsfonds (IWF) billigt den Verkauf von 403,3 Tonnen seiner Goldreserven; davon werden später 200 Tonnen an Indien verkauft.

Dezember 2009

Barrick Gold Corp., der weltweit größte Goldproduzent, beendet alle seine Gold-Absicherungsgeschäfte. Goldpreis steigt erstmals über 1200 Dollar.

November 2010

US-Notenbank verpflichtet sich dazu, in einer zweiten Runde der quantitativen Lockerung US-Staatsanleihen im Umfang von 600 Mrd. Dollar zu kaufen.

November 2010

Goldpreis steigt erstmals über 1400 Dollar.

März 2011

Goldpreis setzt angesichts der Schuldenkrise in Europa und des so genannten Arabischen Frühlings im Nahen Osten seine Rekordjagd fort.

September 2011

Goldpreis steigt am Kassamarkt auf den Rekordwert von 1921,15 Dollar. Die US-Notenbank kündigt ein Programm namens “Operation Twist” an, bei dem kürzere Laufzeiten in ihrer Bilanz durch langlaufende Anleihen ersetzt werden.

September 2012

US-Notenbank kündigt zusätzliche Käufe von Hypotheken-Papieren im Wert von monatlich 40 Mrd. Dollar an. Ein Ende für das Kaufprogramm wurde nicht festgelegt.

Oktober 2012

Goldpreis steigt auf Jahreshoch 2012 nahe 1800 Dollar.

Dezember 2012

Bestände an mit Gold unterlegten, börsengehandelten Produkten erreichen mit 2632,5 Tonnen ein Rekordhoch, bevor sie die Abwärtsrichtung einschlagen, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Dezember 2012 2

US-Notenbank erhöht das Volumen des unbefristeten Kaufprogramms auf 85 Mrd. Dollar im Monat. Der US-Kongress streitet über den Haushaltsplan, es droht die so genannte Fiskalklippe.

Januar 2013

Goldpreis steigt auf Jahreshoch 2013 nahe 1700 Dollar.

Februar 2013

Goldpreis sinkt erstmals seit sechs Monaten wieder unter 1600 Dollar. Aus dem Sitzungsprotokoll der Federal Reserve geht hervor, dass einige US-Währungshüter das Tempo der Anleihekäufe drosseln wollen.

12. April 2013

Goldpreis fällt um 5 Prozent. Seit dem Rekordschlussstand am Kassamarkt bei 1900,23 Dollar vom September 2011 ist der Preis um mehr als 20 Prozent gesunken; Gold befindet sich somit im Bärenmarkt. Zypern erwägt den Verkauf seiner Goldreserven, was Spekulationen befeuert, dass andere Zentralbanken nachfolgen könnten.

15. April 2013

Goldpreis bricht um 9,1 Prozent ein, der stärkste Preisverfall seit 1983.

Am Mittwochmorgen deutscher Zeit lagen Gold-Futures bei 1426,70 Dollar je Unze. Goldman erwartet aktuell, dass Gold in drei Monaten wieder bei 1530 Dollar stehen könnte. Auf längere Sicht sind die Strategen der US-Bank zurückhaltender. In sechs Monaten sehen sie den Preis bei 1490 Dollar, in zwölf Monaten bei 1390 Dollar.

Während Goldman beim Goldpreis in nächster Zeit keinen Rückgang sieht, senkte der Konzern den „kurzfristigen“ Ausblick für Rohstoffe insgesamt. Die Experten reduzierten die Preis-Prognosen für Öl und Kaffee. Begründet wurde dies mit der schwachen Nachfrage von China bis Europa.

Emnid-Umfrage: 41 Prozent der Deutschen halten Gold für sehr sicher

Emnid-Umfrage

41 Prozent der Deutschen halten Gold für sehr sicher

Die Umfrage hat einen Schönheitsfehler.

Goldman reduzierte den dreimonatigen und den zwölfmonatigen Renditeausblick für den Standard & Poor's GSCI Index – der die Entwicklung von 24 verschiedenen Rohstoffen abbildet – auf je 2,5 Prozent – verglichen mit der vorhergehenden Prognose von sechs Prozent in drei Monaten und von drei Prozent in zwölf Monaten. Grundlage für die Angaben ist eine am späten Dienstag veröffentlichte Studie von Goldman Sachs.

Darin teilte die Bank auch mit, dass sie den kurzfristigen Ausblick für Rohstoffe auf „Neutral” zurückgenommen hat. Hingegen könne der Goldpreis auf kurze Sicht potenziell steigen, während er auf längere Sicht dann sogar noch weiter fallen dürfte.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

„Die Rohstoff-Renditen haben im bisherigen Verlauf des Aprils stark nachgegeben. Makroökonomische Daten aus den USA, Europa und China, die schwächer als erwartet ausgefallen waren, trieben die Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft an”, erklärte die Analystin Samantha Dart in der vorgelegten Studie. „Die negative Stimmung auf dem Markt hat besonders den zyklischen Rohstoffpreisen zugesetzt.”

Vor allem das Wachstum in China bereitet vielen Beobachtern Sorgen. Diese wurden am Dienstag dieser Woche erneut befeuert, als eine aktuelle Statistik aus der Volksrepublik anzeigte, dass das verarbeitende Gewerbe im Land zuletzt langsamer gewachsen ist, als vorab eigentlich erwartet.

Goldman reduzierte die kurzfristige Erwartung für Brent- Rohöl auf 100 Dollar pro Barrel. Zuvor hatte die Prognose noch bei 110 Dollar je Barrel gelegen. Den Ausblick zum Jahresende 2013 senkte die US-Bank auf 105 Dollar je Barrel, weniger als die zuvor erwarteten 110 Dollar je Barrel.

Ähnlich der Trend auch bei Kaffee. Die Experten der Bank stutzten ihre Prognose mit Blick auf drei, sechs und zwölf Monate auf jeweils 1,45 Dollar je Pfund. Zuletzt hatten sie noch damit gerechnet, dass sie Preise innerhalb eines Jahres auf bis zu 1,75 Dollar je Pfund ansteigen könnten.

Die Entwicklungen beim Kaffeepreis begründete Goldman mit einem sich verbesserndes Produktionsausblick für das führende Anbauland Brasilien. Im März habe es dort vorteilhafte Regenverhältnisse gegeben, erklärte Goldman-Analyst Damien Courvalin. Die bessere Produktion in Brasilien bedeute, dass Ernte-Verluste in Zentral-Amerika wohl ausgeglichen werden könnten. Hinzu komme, dass es noch Überreste von der letzten Ernte in Brasilien gebe, was die Preise belasten dürfte.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

24.04.2013, 09:00 Uhr

Jetzt bin ich vor Glück ganz trunken!
Die sollen lieber auf Gold wetten statt auf Lebensmittel.
Der Goldpreis ist mir sowas von ***.
Man kann weder Geld noch Gold essen.

Account gelöscht!

24.04.2013, 09:15 Uhr

Wer mit Wetten Geld verdienen will, soll ins Spielcasino oder zu nächsten Lottoannahmestelle gehen. Keinen Bock das schon wieder eine vom Finanzkapitalsimus getrieben Krise auftritt.

Mazi

24.04.2013, 09:41 Uhr

Ist Goldman jetzt Draghi oder Draghi jetzt Goldman. Das ist ja eine Verpflechtung, die niemand mehr auseinander halten kann!

Oder ist es schon lange das Gleiche? Die FED ist schließlich auch nicht anders organisiert.

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