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22.02.2013

16:09 Uhr

Zunehmende Aktivität

Starker Euro lockt Investoren zurück auf Devisenmarkt

Investoren haben den Devisenmarkt neu entdeckt. Dank des starken Euro und den steigenden Aktienmärkten fließt wieder mehr Geld in das Währungsgeschäft. Ganz vorne dabei im Devisenhandel ist ein deutsches Geldinstitut.

Der starke Euro holt die Anleger zurück in den Devisenmarkt. dpa

Der starke Euro holt die Anleger zurück in den Devisenmarkt.

New York/LondonEin Riese erwacht zu neuem Leben. Der fünf Billion Dollar schwere Devisenmarkt verzeichnet nach mehreren mauen Jahren wieder massive Zuflüsse durch große Investoren. Die neue Stärke des Euro und die anhaltende Schwäche des Yen haben das Währungsgeschäft im Januar ebenso angekurbelt wie die steigenden Aktienmärkte. Von der Betriebsamkeit am größten Finanzmarkt der Welt profitieren neben Banken und Handelsplattformen auch diejenigen Hedgefonds, die aufs richtige Pferd gesetzt haben.

Größter Devisenhändler weltweit ist die Deutsche Bank. Kevin Rodgers, der von London aus das Devisengeschäft des Instituts leitet, hat im Januar „einige der besten Tage bei Umsatz und Kursabfragen“ verzeichnet. Ein wichtiger Treiber für das Devisengeschäft war die zunehmende Aktivität im Bereich von Unternehmensübernahmen und Fusionen (M&A). Das Volumen im M&A-Geschäft liegt laut Daten von Thomson Reuters Deals Intelligence 2013 bisher bei 158 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Bei Übernahmen müssen oft große Summen in verschiedenen Währungen gewechselt werden.

„Es sind nicht nur Anleger, die mit Fremdkapital darauf wetten, welche Richtung der Devisenmarkt einschlägt. Es ist richtiges Geld vorhanden und es gibt mehr Absicherungsgeschäfte“, fasst Peter Taylor, Devisenhändler bei Barclays in London, das Geschehen zusammen. Die britische Großbank verzeichnete zu Jahresanfang an zwei Tagen das zweit- und dritthöchste Handelsaufkommen aller Zeiten. Die Citibank verbuchte vier der fünf Tage mit dem größten Handelsvolumen ihrer Geschichte im Januar. Vor allem der Yen wurde massiv gehandelt. Anleger setzten schon seit Monaten auf eine Schwächephase der japanischen Währung, nachdem sich im November abgezeichnet hatte, dass Shinzo Abe neuer Ministerpräsident des Landes wird. Abe hatte erklärt, er wolle mit einer aggressiven Abwertung des Yen die anhaltende Deflation in dem Inselstaat bekämpfen. Die Ankündigung führte zum massiven Verkauf der Devise.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

In Europa sorgte die abnehmende Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion für einen steigenden Euro, der Anfang Februar mit 1,3711 Dollar den höchsten Stand seit 14 Monaten erreichte. Investoren, die zuvor auf fallende Euro-Kurse gesetzt hatte, mussten eilig umsatteln. In der ersten Februarwoche tauschten allein US-Anleger eine Milliarde Dollar in den Euro, so viel wie seit April 2009 nicht mehr. Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung hatte EZB-Präsident Mario Draghi schon im vergangenen Sommer mit dem Versprechen gestärkt, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen.

Die Ankündigung änderte die Stimmung schlagartig, denn zuvor hatte vor allem die Euro-Schuldenkrise die Investoren verunsichert, die sich spürbar zurückhielten. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz im Devisengeschäft nach Daten des Analysehauses Coalition bei den großen Banken im Vergleich zu 2011 um 22 Prozent auf 22 Milliarden Dollar.

Nach dem vielversprechenden Jahresstart sind die Akteure am Devisenmarkt optimistisch. So dürften die Spekulationen, wer Ben Bernanke an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve nachfolgt, den Handel schon im dritten Jahresquartal ankurbeln, sagt Devisenmanager Jeff Feig von der Citigroup. Bernanke beendet seine zweite Amtszeit im Januar 2014. Sollte ihm jemand nachfolgen, der sich die Bekämpfung der Inflation auf die Fahnen schreibt, könnte das den Dollar nach oben treiben. Denn die sich dann abzeichnenden Zinserhöhungen würden in Dollar notierte Papiere wie beispielsweise US-Anleihen attraktiver machen.

Auch Hedgefonds verdienten an den Kursausschlägen bei Yen, Dollar und Euro. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge strich der Fonds von Starinvestor George Soros seit November fast eine Milliarde Dollar ein, weil er auf einen fallenden Yen gesetzt hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass Soros den richtigen Riecher am Devisenmarkt hatte: Anfang der 1990er-Jahre spekulierte er erfolgreich gegen das britische Pfund und setzte damit der Bank of England schwer zu.

Von

rtr

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