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03.07.2012

15:43 Uhr

Zweifel an EU-Plänen

Der Euro kommt kaum vom Fleck

Die Zweifel an der Umsetzbarkeit der jüngsten Beschlüsse zur Bekämpfung der Schuldenkrise belasten den Euro. Zudem sorgte ein US-Feiertag für geringe Umsätze. Der Euro notierte zuletzt bei 1,2565 Dollar.

Der Euro pendelt um die 1,2584 Dollar-Marke. dpa

Der Euro pendelt um die 1,2584 Dollar-Marke.

FrankfurtFeiertag in den USA am Mittwoch, EZB-Sitzung am Donnerstag und US-Arbeitsmarktdaten am Freitag - und über allem schwebt die Unsicherheit über die Umsetzung der Gipfelbeschlüsse aus der vorigen Woche. In einem solchen Umfeld könne ein Anleger nur vorsichtig bleiben, sagte ein Händler. An den Renten- und Devisenmärkten bewegten sich am Dienstag die Kurse daher kaum mehr. Der Euro notierte mit 1,2565 Dollar etwas niedriger als am Vorabend. Bei den Staatsanleihen setzte sich die Entspannung der vergangenen Tage nur noch moderat fort. Der Bund-Future war als Sicherheit weniger gefragt und gab 14 Ticks auf 141,54 Punkte nach.

Der US-Feiertag mitten in der Woche am Mittwoch sorgte für sehr geringe Umsätze. Viele international tätigen Marktteilnehmer nutzten die Woche für einen Kurzurlaub, hieß es. In den USA bleiben am Unabhängigkeitstag die Börsen geschlossen.

Von der EZB wird am Donnerstag schließlich überwiegend eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent erwartet. Nach einer Reuters-Umfrage in der Vorwoche rechnen 48 von 71 Volkswirten mit einem Zinsschnitt. "Wir glauben da aber nicht dran, denn ein solcher Zinsschritt hätte nur symbolische Bedeutung", erklärte Devisenanalystin Sandra Striffler von der DZ Bank. Um die Stimmung zu drehen, müsste die EZB schon neue Geldspritzen wie zuletzt im Februar ankündigen, wofür es derzeit aber zu früh wäre, fügte Striffler hinzu. Der Reuters-Umfrage zufolge rechnen damit 19 von 43 Ökonomen in den nächsten Monaten. Die Schuldenkrise und die schwache Konjunktur in der Euro-Zone sind der Grund für den Sinneswandel vieler Volkswirte, die noch Mitte Juni mehrheitlich keine Zinssenkungen erwartet hatten.

Auch Jaco Rouw, Fondsmanager bei ING Investment Management verweist auf die unterschiedliche Einschätzung für die Folgen einer Zinssenkung durch die EZB. Schließlich könnten niedrigere Zinsen den Euro schwächen, da damit der Zinsvorteil zum Dollar - die US-Zinsen liegen bereits nahe null Prozent - schrumpfen würde, warnt Rouw. Doch auch die US-Konjunktur hat zuletzt Schwäche gezeigt, so dass viele Anleger inzwischen mit einer Neuauflage der Anleihe-Kaufprogramme der US-Notenbank Fed rechnen. Entscheidend dürften in dieser Hinsicht die US-Arbeitsmarktdaten für Juni sein, die am Freitag veröffentlicht werden. Sollten sie einen nur geringen Stellenzuwachs und höhere Arbeitslosigkeit signalisieren, könnte dies für die Fed ausschlaggebend sein.

Neben den Sorgen über die Konjunktur bleibt die Schuldenkrise in der Euro-Zone das beherrschende Thema in den Handelsräumen. Nach Finnland und den Niederlanden äußerte sich am Dienstag auch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kritisch über die Probleme Spaniens und Italiens. Die Bereitschaft zur Solidarität mit den südlichen Euro-Staaten nehme in seiner Heimat rapide ab, erklärte Fico nach einem Treffen mit Bundeskanzlern Angela Merkel (CDU) in Berlin. "Sorgen, dass die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse den Weg in eine Haftungsgemeinschaft geebnet haben und der Status deutscher Anleihen als sicherer Hafen gefährdet sein könnte, halten den hiesigen Rentenmarkt in Schach", erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Die Renditen der spanischen und italienischen zehnjährigen Staatsanleihen gaben zwar weiter nach, aber relativ moderat. Die spanischen Zehnjährigen rentierten bei 6,34 nach 6,40 Prozent am Vorabend, die italienischen bei 5,69 nach 5,73 Prozent. Die Renditen der entsprechenden deutschen Anleihe zogen dagegen leicht auf 1,53 von 1,52 Prozent an.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.07.2012, 09:57 Uhr

Das ist für arbeitslose Lehrer, Taxifahrer, Jus- oder VWL-Studienabbrecher die Chance, eine politische Traumkarriere hinzulegen:
Einfach an prominenter Stelle den Vorschlag platzieren, dass D für Finnland und NL entsprechend Ihren Anteilen am ESM Goldreserven als Sicherheit für die erworbenen Staatsanleihen hinterlegen und die Risiken auf den dt. Steuerzahler abwälzen sollte.
Die gleichgeschaltete dt. Presse wird diesen Vorschlag bejubeln, man wir innerhalb weniger Monate im Bundestag sitzen und irgendwann einen Europa-Verdientpreis erhalten.

(Bem: Beitrag war ironisch gedacht.)

Account gelöscht!

03.07.2012, 10:08 Uhr

Das ist wieder einmal ein so verquerer HB-Titel. Es müßte heißen: "Der Euro ist stabil - trotz allem." Wo soller denn hin, der Euro? Das ist doch kein Aktienkurs oder Index, von dem man Bewegung erwartet, womöglich nach oben. Ei stabiler Euro ist in der gegenwärtigen Lage höchst willkommen, oder nicht?

aspi

03.07.2012, 10:23 Uhr

Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Der Euro war jahrelang sehr stark und bewegt sich derzeit "auf mittlerem Niveau". Man darf daran erinnern, dass vor einigen Jahren, als der Euro immer stärker wurde, die deutsche Industrie die "Schmerzgrenze" bei 1.35 sah!!! Das aktuelle Kursniveau ist jedenfalls für die europäische Wirtschaft hilfreich, an einem "superstarken Euro" ist außer ahnungslosen Nationalisten niemandem gelegen.

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