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20.03.2013

17:27 Uhr

Zypern-Krise

Pimco stößt Euro ab

ExklusivZypern spielt für den Fortbestand der Euro-Zone eine entscheidende Rolle, meint Saumil Parikh von Pimco. Der weltgrößte Anleihehändler hat angekündigt, sein Investment in den Euro kurzfristig zu reduzieren.

Ein Euro-Münze aus Zypern. Pimco sieht den nicht als perfekte Reservewährung. dpa

Ein Euro-Münze aus Zypern. Pimco sieht den nicht als perfekte Reservewährung.

FrankfurtDer weltgrößte Anleiheinvestor Pimco hat sein Investment in den Euro zurückgefahren. „Wir haben unser Exposure im Euro reduziert“, sagte Saumil Parikh, Geschäftsführer bei Pimco, im Interview mit Handelsblatt Online.

Insbesondere eine mögliche Beteiligung von Bankkunden an der Rettung Zyperns stößt bei Pimco auf Unverständnis. „Dies hat signifikante Auswirkungen für Ausländer, die in Europa investieren. Das System basiert auf dem Vertrauen, dass das Geld sicher ist, sobald es auf einem Konto liegt“, sagte Parikh.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Notfalls müssten die anderen Euro-Länder einspringen und einen größeren Anteil am Rettungspaket übernehmen, erklärte Parikh. Zypern habe zwar keine große Bedeutung für die Wirtschaftskraft der Euro-Zone, als Präzedenzfall sei das Land aber umso wichtiger. „Wenn Europa eine Fiskalunion werden soll, dann müssen die einzelnen Staaten in einem solchen Fall füreinander haften. Das ist natürlich ein großes Opfer. Aber wenn Europa dazu nicht bereit ist, dann wird der Euro auf lange Sicht zerbrechen.“

Die konjunkturelle Lage der Euro-Zone beurteilt der Experte ebenfalls skeptisch. Der Euroraum sei die schwächste Wirtschaftsregion der Welt. Im aktuellen Ausblick sagt Pimco ein Schrumpfen der Wirtschaft in der Eurozone um -1,25 bis -0,75 Prozent voraus, für Deutschland ein Wachstum zwischen null bis ein Prozent.

Nichtsdestotrotz setzt Pimco weiterhin auf Anleihen aus der Euro-Zone, insbesondere auf Papiere aus Spanien und Italien mit einer Laufzeit von ein bis drei Jahren, da diese von der EZB gestützt werden könnten.

Pimco ist eine Tochter der Allianz und zählt zu den größten Investoren der Welt.

Das vollständige Interview lesen Sie am Donnerstag bei Handelsblatt Online.

Kommentare (61)

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Matthes

20.03.2013, 17:43 Uhr

Das hätten diese Herrschaften gerne. Sippenhaftung. Um das Risiko für diese Herrschaften noch weiter zu minimieren, die Spiel- und Gewinnmöglichkeiten weiter zu maximieren. Und unsere Politiker verstehen nichts von dem Thema, sind aber zu stolz, um sich kompetenten wissenschaftlichen Rat zu holen.

Account gelöscht!

20.03.2013, 17:44 Uhr

Falsch: "Deutschland muss haften ...!"

Und noch ein paar wackere Kleinstaaten wie Finnland und Österreich. Der Rest lacht sich ins Fäustchen, dass wir so blöde sind und unbegrenzte Deckungsversprechen machen.

Insider

20.03.2013, 17:45 Uhr

Europa haftet doch.Allein die Target 2 Salden für Deutschland sind gigantisch!

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