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22.12.2014

16:03 Uhr

Rubel-Krise

Russische Zentralbank muss erstes Institut retten

30 Milliarden Rubel für eine Krisenbank: Russische Kreditinstitute leiden unter dem schwachen Rubel. Nun muss die Notenbank seit Ausbruch der Krise erstmals eingreifen.

Russische Rubel-Banknoten verlieren derzeit drastisch an Wert. dpa

Russische Rubel-Banknoten verlieren derzeit drastisch an Wert.

MoskauDie russische Zentralbank muss erstmals seit Ausbruch der Rubel-Krise eine Bank vor der Pleite retten. Der Trust Bank würden bis zu 30 Milliarden Rubel (rund 435 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, teilte die Notenbank am Montag in Moskau mit. Die Agentur für Einlagensicherung werde zudem die Aufsicht über das angeschlagene Institut übernehmen. Trust ist gemessen an den Einlagen der Kunden laut dem Portal banki.ru die Nummer 15 im Land. Für sie wirbt auch der Hollywood-Schauspieler Bruce Willis. Die Trust Bank hat 253 Filialen in etwa 160 Städten.

Das Direktorium der russischen Zentralbank traf die Entscheidung bei einer Sondersitzung. Vorbereitet worden war der Schritt von der für die Einlagensicherung zuständigen Aufsichtsbehörde. Diese teilte mit, eine „vorübergehende Geschäftsführung“ sei eingesetzt worden. Gesucht werde nun ein Investor, und zwar eine große russische Bank, die Trust übernehmen soll.

Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland und des Ölpreisverfalls hat der Rubel in diesem Jahr rund 45 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Das setzt den Bankensektor unter Druck. Der Zinssatz, zu dem Banken untereinander sich Geld leihen, ist in den vergangenen Tagen stark gestiegen – ein Anzeichen für Nervosität und mangelnde Liquidität. Die Regierung will die Branche mit bis zu einer Billion Rubel (knapp 15 Milliarden Euro) stützen.

Der Rubel-Verfall - Ursachen und Folgen

Historisches Tief

Die Währung verlor seit Wochenbeginn mehr als 15 Prozent, die jüngste Erholung vom Mittwochvormittag auf einen Kurs von einem Dollar je 64 Rubel eingerechnet. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverfall auf mehr als 50 Prozent. Allein am Dienstag war der Rubel zeitweise um 24 Prozent eingebrochen und hatte ein Rekordtief von einem Dollar je 80 Rubel markiert. Die Zentralbank hatte die Talfahrt noch in der Nacht zuvor mit einer drastischen Erhöhung des Leitzinses um 6,5 Prozent zu stoppen versucht. Doch vergebens.

Einkaufen bis zum Abwinken

Der Währungsverfall treibt die Russen in die Geschäfte. Begehrt sind bei den Kunden vor allem importierte Autos, Kühlschränke, Fernseher und Waschmaschinen. Ihre Devise: Noch schnell Rubel loswerden, bevor bald Schilder mit höheren Preisen in den Schaufenstern hängen.

„Nun ist genau die Zeit, um sämtliche Einkäufe zu erledigen, die man aufgeschoben hat, weil es morgen andere Preise gibt“ sagt Alexej Malachow, ein 27-jähriger IT-Angestellter, der ein Google-Telefon für 18 000 Rubel (rund 200 Euro) erstanden hat. Vor zwei Wochen habe er eine Waschmaschine gekauft. Seitdem habe sich deren Preis um 25 Prozent erhöht. „Wir haben nicht alles gekauft, was wir bräuchten, aber es ist kein Geld mehr übrig“, klagt er.

Dmitri Rajenko hat einen Ofen und einen Kaffeemacher ergattert. „Man muss das philosophisch angehen: Kauf, was du jetzt brauchst“, sagt der 45-jährige Angestellte im Sport-Marketing. „Wir sind in einem Wirtschaftskrieg, und es ist unwahrscheinlich, dass es bald besser wird.“

Der Öl-Faktor

Im Tandem mit den Sanktionen des Westens wurde der Absturz des Rubels von einem Preisverfall beim Öl angetrieben. Das Barrel sackte von einem Sommerhoch von 107 Dollar auf nunmehr 56 Dollar ab. Dabei kommt der Bärenanteil der Einnahmen der Regierung aus dem Ölgeschäft.

Der Angst-Faktor

Und doch erklärt sich die Währungskrise längst nicht allein aus dem Absturz der Ölpreise. Vielmehr herrsche eine Vertrauenskrise bei jedem, der im Markt involviert sei, konstatiert Philip Hanson, Experte für russische Wirtschaft am Königlichen Institut für Internationale Angelegenheiten in London. „Es ist einfach, das Wort 'Panik' zu benutzen, aber ich denke, das ist genau das, was passiert ist.“

Dazu gehöre, dass Unternehmen versuchten, ihre Rücklagen in Dollar umzuwandeln und auch gewöhnliche Bürger ihr Erspartes retteten, in dem sie Rubel umtauschten.

Zwar versuchen Staatsmedien das Ausmaß der Krise herunterzuspielen, doch selbst einige russische Beamte wirken ratlos. „Die Situation ist kritisch“, räumt der Vize-Chef der Zentralbank, Sergej Schwetsow

Schmerzhafte Sanktionen

Dem Rubel setzen die Sanktionen zu, die die USA und Europa wegen der Rolle Moskaus in der Ukraine-Krise verhängt haben. Hintergrund sind die Schwierigkeiten russischer Firmen, ihre Dollar- und Euroschulden auf den westlichen Kapitalmärkten zu refinanzieren. „Daher streben sie danach, Euros oder Dollars zu erwerben, um externe Schulden zu bezahlen und gehen dabei in einer Art und Weise vor, mit der sie das sonst nicht tun würden, wenn die Sanktionen nicht wären“, sagt Experte Hanson. Mit anderen Worten: Die Unternehmen erbetteln sich Dollars und verkaufen Rubel, um sie zu bekommen - und schicken den Rubel damit nur auf eine noch steilere Talfahrt.

Just auf dem Höhepunkt der Krise kündigte das Weiße Haus am Dienstag an, Präsident Barack Obama werde ein Gesetz mit neuen Strafmaßnahmen gegen Moskau unterzeichnen.

Hinter den Kulissen

Marktanalysten zufolge trug ein Geheimdeal des angeschlagenen staatlichen Ölgesellschaft Rosneft zur Aushöhlung des Rubel bei. Der von Putins Langzeit-Intimus Igor Seschin geführte Konzern ruft bereits seit Monaten nach einem Rettungsring der Regierung, weil die Sanktionen seine Möglichkeiten einschränkten, sich im Ausland Geld zu leihen.

Durch den Verkauf von Anleihen mit niedrigen Zinssätzen - laut Analysten an staatliche Banken - borgte sich Rosneft am Freitag 625 Millionen Rubel. Zu dem Zeitpunkt waren dies 10,9 Milliarden Dollar (rund 8,7 Milliarden Euro). Zwar stritt Rosneft ab, jegliche Erlöse aus den Anleihen in Dollar umgetauscht zu haben. Doch aus Sicht von Experten dürften Gerüchte über den Deal für die Währungskrise mitverantwortlich sein.

Rosneft sei so wichtig, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass Russland den Konzern in die Zahlungsunfähigkeit gehen lasse, sagt Ewgeny Solowjow, Analyst bei der Société Générale in London. „Und wir haben eben gesehen, dass sie das nicht zulassen werden.“

Was tun?

Die jüngste Zinserhöhung durch die Zentralbank soll die Händler dazu ermuntern, an ihren Rubel festzuhalten. Doch Analysten zufolge war die Maßnahme schon deshalb unzureichend, weil Banken und Unternehmen viel größere Gewinne durch den Kauf harter Währung erzielen könnten. Im Übrigen könnten sich die höheren Zinssätze als Bumerang erweisen und der Wirtschaft schaden.

Sollten die panischen Rubel-Verkäufe weiter anhalten, könnten die russischen Behörden sich gezwungen sehen, Kapitalkontrollen einzuführen, mutmaßen Experten. Das wären jedoch schlechte Nachrichten für all jene ausländischen Investoren, die ihr Geld noch nicht aus Russland abgezogen haben.

Russlands Sberbank dementierte derweil am Montag einen Bericht der Nachrichtenagentur Ria Novosti, sie habe die Vergabe von Konsumentenkrediten für Autos sowie von Hypothekenkrediten ausgesetzt. „Die Information über die Aussetzung ist nicht wahr“, teilte die Bank mit. Das Hypothekengeschäft habe für sie Priorität, ihre Tochter Cetelem vergebe auch weiterhin Autokredite. Ria Novosti hatte zuvor gemeldet, Anträge für derartige Kredite würden bis Ende Februar nicht mehr angenommen.

Viele Russen kauften sich zuletzt aus Angst vor einem weiteren Währungsverfall und steigenden Preisen Autos, Immobilien und Luxusgüter.

Kommentare (10)

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Tony Montana

22.12.2014, 13:26 Uhr

Die Erste Bank ist in Schwierigkeiten und es wird nicht die Letzte bleiben.
Noch sind wir alle entspannt aber die 15 Milliarden ist definitiv zu wenig. Es wird noch laut werden um die Rubel-Öl-Krise und dann wird Merkel wieder verdutzt gucken aber im Grunde genommen nichts ausrichten können!
Sanktionen sind richtig und das glaubt die Tante noch! Wenn die Russen ihre Rechnungen nicht bezahlen können werden die Ersten Unternehmen Menschen entlassen müssen und das wird die anderen Unternehmen vorsichtig werden lassen!!! Aufschwung wird gebremst und immer so weiter!

Tony Montana

22.12.2014, 13:28 Uhr

Der Beste Witz ist wenn die Politiker meinen der Aufschwung sei ihnen zu verdanken)))

Account gelöscht!

22.12.2014, 14:09 Uhr

Allen, die auf einen baldigen Staatsbankrott Rußlands oder einen Totalverfall des Rubels wetten, sei gesagt, daß sich der Rubel seit dem Crash am letzten Dienstag kontinuierlich erholt. Heute allein ist er bis Mittag um 5% gestiegen.

Natürlich weiß ich nicht, was morgen ist. Aber ich denke, es ist definitiv zu früh, das Totenglöcklein zu läuten.

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