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30.06.2017

15:47 Uhr

Sabine Lautenschläger

EZB-Direktorin für Vorbereitung auf geringere Geldschwemme

Laut EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger sollte die Europäische Zentralbank schon jetzt Vorkehrungen für eine spätere Eindämmung der ultralockeren Geldpolitik treffen. Sie mahnt zur Geduld – ist aber optimistisch.

Die EZB-Direktorin gehört zum sechsköpfigen Führungsteam der Euro-Notenbank. Reuters

Sabine Lautenschläger

Die EZB-Direktorin gehört zum sechsköpfigen Führungsteam der Euro-Notenbank.

FrankfurtDie EZB sollte trotz hartnäckig niedriger Inflation ihrer Direktorin Sabine Lautenschläger zufolge eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik in die Wege leiten. Die Preisentwicklung sei bei einer Teuerungsrate von zuletzt 1,3 Prozent zwar noch nicht auf „einem stabilen Trend“ hin zum EZB-Ziel von knapp zwei Prozent, sagte sie am Freitag in Berlin. Aber alle Voraussetzungen dafür seien gegeben und damit nur noch eine Frage von Zeit und Geduld. „Genau deswegen sollte die Geldpolitik sich schon jetzt darauf vorbereiten, den Weg in die Normalität anzutreten“, so die deutsche Währungshüterin im Führungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB). Entsprechend gelte es, die Kommunikation anzupassen.

Die Verbraucherpreise waren im Juni mit 1,3 Prozent so schwach gestiegen wie nie zuvor in diesem Jahr. Ein Grund ist, dass sich Energie mit 1,9 Prozent nicht mehr so stark wie in den Vormonaten verteuerte. Dagegen zog die Kerninflation, in der schwankungsreiche Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert sind, leicht an. Sie stieg im Juni auf 1,2 von 1,0 Prozent im Mai an. „Die höhere Kernteuerungsrate freut die EZB zwar, doch dürfte es nicht der Beginn der von ihr erhofften Aufwärtsbewegung sein. Denn noch gibt es keine Anzeichen für einen deutlich stärkeren Lohnanstieg“, sagte Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank.

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Lautenschläger machte deutlich, dass sie die Hand für eine geldpolitische Normalisierung heben wird, sofern die Preise stabil anziehen: „Sobald wir einen stabilen Trend hin zu unserem Inflationsziel sehen, werde ich die Erste sein, die klar sagt: Wir müssen die Zügel wieder anziehen“, sagte Lautenschläger. Schon jetzt gelte es, sich auf andere Zeiten vorzubereiten: „Denn es gibt Grund, optimistisch zu sein.“ Die Wirtschaft im Euro-Raum erhole sich zunehmend und wachse seit gut vier Jahren langsam aber stetig. „Für Unternehmen wird es immer leichter, sich zu finanzieren, es werden mehr Kredite vergeben, und es wird mehr investiert“, sagte die EZB-Direktorin.

Im Mai hatten Banken an Firmen außerhalb des Finanzsektors 2,4 Prozent mehr Darlehen als noch vor Jahresfrist vergeben. An Privathaushalte reichten sie sogar 2,6 Prozent mehr Kredite aus, vor allem dank zunehmender Hypothekenkredite. In den großen Städten waren zuletzt die Preise für Immobilien kräftig angezogen. Deshalb nehmen Befürchtungen zu, die ultralockere Geldpolitik könnte, je länger sie anhalte, zu Preisblasen auf den Immobilien- und Aktienmärkten führen. Lautenschläger zufolge sind diese Sorgen berechtigt: „Und solche unerwünschten Risiken werden mit der Zeit größer, während die gewünschte Wirkung nachlässt“, warnte sie.

Die Notenbank hält ihren Leitzinse derzeit auf dem Rekordtief von null Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Zudem kauft sie monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro auf. Doch angesichts positiver Konjunkturdaten hatte die EZB jüngst einen Mini-Schritt in Richtung Kurswechsel gewagt. So strichen die Euro-Wächter die bislang stets erwähnte Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen aus ihrem Ausblick. An den Börsen wird aktuell spekuliert, dass die EZB 2018 ihre Wertpapierkäufe schrittweise reduzieren könnte. Manche Volkswirte gehen davon aus, dass sie einen solchen Schritt im September oder im Oktober ankündigen wird.

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