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05.06.2012

12:39 Uhr

Sachwerte aus Papier

Es muss nicht gleich die Blaue Mauritius sein

VonKatharina Schneider

Wenn es an den Aktienmärkten auf und ab geht, empfehlen viele Berater, in Gold oder Immobilien zu flüchten. An Briefmarken denken dagegen nur wenige. Worauf Anleger bei diesen Sachwerten achten sollten.

Der sogenannte "Bordeaux-Brief" lässt Sammlerherzen höher schlagen, frankiert ist er mit einer "Blauen Mauritius" und einer "Roten Mauritius". ap

Der sogenannte "Bordeaux-Brief" lässt Sammlerherzen höher schlagen, frankiert ist er mit einer "Blauen Mauritius" und einer "Roten Mauritius".

DüsseldorfDie schwankenden Aktienkurse treiben viele Anleger zur Verzweiflung. Wo ist das Geld in diesen Zeiten überhaupt noch sicher? Viele Anlageberater empfehlen Sachwerte: Edelmetalle und Immobilien. Doch hohe Renditen gibt es auch bei kleinen Sachwerten aus Papier: Briefmarken.

„Eine Anlegerflucht in Briefmarken gab es zuletzt in den späten 1970er Jahren“, sagt Christian Geigle, Präsident des Bundes Philatelistischer Prüfer. „Damals kam es zu einer starken Überhitzung des Marktes.“ So etwas sei heute nicht zu beobachten. Seit der Banken- und Euro-Krise sei die Nachfrage jedoch merklich gestiegen.

So klappt das Briefmarken-Investment

Seit wann gibt es Briefmarken?

Die erste Briefmarke wurde 1840 in Großbritannien eingeführt. Damit gab es einen Nachweis, dass der Transport des Briefes bereits bezahlt ist. Vorher war es üblich, dass der Empfänger des Briefes die Zustellung bezahlt hat.

Wo kann man hochwertige Marken kaufen?

Marken der gehobenen Preisklasse wechseln den Besitzer nahezu ausschließlich über Auktionen.
Eine Liste der aktuellen Auktionen veröffentlicht der Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer.

Welche Zertifikate garantieren die Echtheit?

Bei sehr teureren Marken, sollten sich Anleger und Sammler nicht allein auf die Sachkunde von Beratern verlassen. Die Echtheit garantieren beispielsweise Zertifikate und Atteste von anerkannten Briefmarken-Prüfern, die im Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) zusammengeschlossen sind.

Wo bekommen Einsteiger Tipps?

Expertenrat bekommen Einsteiger bei seriösen Händlern, öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und renommierten Auktionshäusern.
Beispielsweise hier: Bund Philatelistischer Prüfer und Bund Deutscher Philatelisten.

Wie lagert man Briefmarken?

Briefmarken sind empfindlich. Damit das zarte Papier und die Gummierung keinen Schaden nehmen, sollten sie in einem geeignetem Album stehend gelagert werden. Wichtig sind auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. Bei wertvollen Marken kann ein Tresor oder ein Bankschließfach sinnvoll sein, denn in vielen Hausratversicherungen sind sie nicht enthalten. Und die Sammlung muss nicht nur vor Raub, sondern auch vor Feuer und Wasser geschützt werden.

Haben besonders beliebte und seltene Briefmarken einmal einen bestimmten Wert erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie diesen behalten. Aber auch ordentliche Wertsteigerungen sind möglich. Eine große Rolle spielt dabei, welche Sammelgebiete gerade beliebt sind. „Manchmal eröffnen sich auch neue Märkte, so wie kürzlich in China“, sagt Wolfgang Peschel vom Bund Deutscher Philatelisten. Noch konzentrieren sich die dortigen Sammler vor allem auf Marken aus ihrem Land, „aber man erwartet, dass sie bald auch die Erstausgaben der anderen Kontinente entdecken werden“, so der Briefmarkenexperte.

Die begehrtesten Marken wechseln bei Auktionen schon mal für mehrere Millionen Euro den Besitzer. Doch es gibt längst nicht nur Marken für Superreiche. „Briefmarken können eine Wertanlage für jeden Geldbeutel sein, es muss ja nicht gleich die Blaue Mauritius sein“, sagt Peschel. Den Bayern Schwarzen Einser von 1848 beispielsweise gebe es schon ab 500 Euro. „Bei dieser Marke ist kein Wertverlust zu erwarten“, sagt Peschel. Dafür sorge schon ihre Popularität als erste Briefmarke Deutschlands.

Die richtigen Marken zu finden ist aber gar nicht so einfach. Wer sich bislang noch nicht mit Philatelie beschäftigt hat, sollte unbedingt den Rat eines Experten einholen. Denn die Auswahl ist groß und die Kriterien, die eine Marke wertvoll machen, sind komplex. So ist etwa eine alte Marke nicht automatisch auch viel wert. Es kommt darauf an, dass sie selten ist oder eine Besonderheit aufweist. Entscheidend ist immer auch der Zustand der Marke. Ist die Farbe noch intensiv und die Gummierung erhalten? Sind noch alle der sogenannten Zähne vorhanden? Und wurde eine ältere Marke ohne Zahnung sauber aus dem Bogen ausgeschnitten?

Kommentare (1)

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nobody

05.06.2012, 13:55 Uhr

100% Zustimmung. Wenn schon Alternative Wertanlagen zur Hauptwährung neben EM, dann höchstens guter, schottischer single malt Whisky. Denn kann im schlimmsten Fall trinken, als Brennstoff nutzen oder gut als Krisenwährung gegen Nahrung tauschen, wenn alles den Bach runtergeht.

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