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22.12.2015

06:17 Uhr

Sal. Oppenheim-Chef im Interview

„Geldanlage hat mit Glücksspiel nichts zu tun“

VonJessica Schwarzer

Die Börse als Kasino? Das sieht Wolfgang Leoni anders. Der Vorstandschef von Sal. Oppenheim ist fasziniert von der Kraft der Märkte. Und dass nicht erst, seit er mit Siemens-Optionsscheinen Geld in den Sand setzte.

Wolfgang Leoni, Vorstandsvorsitzender der Privatbank Sal. Oppenheim, erwartet ein turbulentes Jahr 2016.

Wolfgang Leoni

Wolfgang Leoni, Vorstandsvorsitzender der Privatbank Sal. Oppenheim, erwartet ein turbulentes Jahr 2016.

Wir treffen uns im Stammhaus der traditionsreichen Privatbank Sal. Oppenheim in Köln. Wolfgang Leoni empfängt mich in einem kleinen Museum, überall Kunstwerke, selbst der alte Tresorraum ist irgendwie Kunst. Wir sprechen über die Börse und was Anleger im kommenden Jahr erwarten können. Aber nicht nur. Es geht auch um Reichtum, um die Faszination des Geldes und die Kunst der Börse, um finanzielle Bildung und persönliche Fehler bei der Geldanlage.

Herr Leoni, was bedeutet Ihnen Reichtum?
Wenn man es flapsig ausdrücken möchte: Geld macht nicht glücklich, aber das Gegenteil ist auch nicht bewiesen. Doch im Ernst: Reichtum ist mehr als Geld und kann ganz unterschiedlicher Art sein. Reichtum ist auch Bildung, Freunde zu haben – auch das ist etwas ganz Wertvolles.

In Ihrem Job geht es permanent um Geld. Hat Sie das Geld immer schon fasziniert?
Eigentlich nicht. Mein Vater war Werkzeugmachermeister. Das waren relativ überschaubare finanzielle Verhältnisse. Ich habe daher nie übermäßig viele Bezugspunkte zu viel Geld gehabt. Ich habe Volkswirtschaft studiert und meine Dissertation über Wechselkursprognosen geschrieben. So bin ich in den Bann der Kapitalmärkte geraten und habe mich in Richtung Vermögensverwaltung entwickelt.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Was reizt Sie daran?
Die Theorie besagt zwar, dass die Märkte effizient sind – das habe ich im Studium gelernt. Aber es gibt doch die Möglichkeit, besser zu sein als der Markt und Outperformance zu generieren. Das fasziniert mich. Auch wenn es zugegebenermaßen schwer ist. Aber es ist sehr reizvoll, sich mit Kapitalmärkten zu beschäftigen: Da ist Geld dann eher abstrakt. Ich sehe nicht die Geldscheine hinter all meinen Entscheidungen. Es ist ein analytischer Job, den man möglichst wenig emotional betreibt, um nicht die typischen Fehler zu machen, die sowohl private als auch institutionelle Anleger häufig begehen.

Das ist bekanntlich nicht so einfach …
Das ist sehr schwer! Es gibt Tonnen von Literatur über „Behavioral Finance“, die wunderbar beschreiben, welche typischen Anlegerfehler immer wieder gemacht werden. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ertappt man sich dabei, solche Fehler auch schon einmal gemacht zu haben. Beispielsweise eine Aktie gekauft zu haben, die dann gefallen ist. Und man verkauft sie einfach nicht, weil man hofft, wieder den Einstiegskurs zu bekommen ...

Ein ganz klassischer Fehler.
Über solche Fehler könnte ich stundenlang referieren. Diese Fehler als Profi zu vermeiden, das ist unsere Aufgabe. Und da können wir auch einen Mehrwert liefern.

Und wie verhindern Sie diese Fehler als Privatmann?
Ich mache dasselbe wie in der Bank. Also das, was ich auch unseren Kunden empfehle. Wir sind bei Sal. Oppenheim sogenannte Quants. Wir treffen unsere Anlageentscheidungen sehr regelbasiert und diszipliniert und versuchen so, die typischen Anlegerfehler zu vermeiden. An das Ergebnis dieses quantitativen Prozesses lehne ich mich auch in meiner privaten Geldanlage an.

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