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10.04.2012

09:21 Uhr

Schutz vor Inflation

Gold behält seinen Wert

VonIngo Narat

Der Goldbarren ist der Inflationsschutz schlechthin. Gerade jetzt, wo Anleger mit Bonds reale Verluste einfahren, weichen sie häufiger auf Gold aus. Manche Experten erwarten weitere Preissteigerungen für das Edelmetall.

Goldbarren und Goldmünzen. dapd

Goldbarren und Goldmünzen.

FrankfurtGold ist ein guter Schutz gegen Geldentwertung. Das hat die Vergangenheit immer wieder bewiesen. Vor allem dann, wenn die Realzinsen, also Zinsen abzüglich der Inflation, negativ waren. „Genau diese Situation haben wir heute“, sagt Emmanuel Painchault, Rohstoffexperte beim Anlageverwalter Edmond de Rothschild. „Und das ist positiv für den Goldpreis.“ Die Rechnung ist einfach: Eine zweijährige Bundesanleihe beispielsweise wirft noch 0,2 Prozent Rendite ab, abzüglich der Inflation von jetzt 2,6 Prozent im Euroraum verliert der Anleger real 2,4 Prozent pro Jahr.

Im laufenden Jahrtausend sieht die Metall-Bilanz dagegen sehr gut aus. Der Preis hat sich in der Spitze fast verachtfacht. Vom Top bei über 1 900 Dollar je Unze im vergangenen Jahr ist er allerdings auf knapp über 1 600 Dollar zurückgefallen. „Momentan bin ich ein wenig vorsichtig, denn kurzfristig orientierte Händler bestimmen die Preistendenz. Aber die Marke von 1600 Dollar sollte eine gute Unterstützung bieten“, sagt Painchault.

Gold im Härtetest : Platzt jetzt die Goldblase?

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Seit Wochen schwächelt der Goldpreis. Das Allzeithoch ist in weite Ferne gerückt. Kurzfristig orientierte Spekulanten steigen aus. Ist das der Anfang vom Ende der Gold-Rally? Was hinter dem Rücksetzer steckt.

Manche Experten erwarten für den Goldpreis nach einer Verschnaufpause weitere Preissteigerungen. „Die Marktbereinigung bietet die Möglichkeit zu günstigen Zukäufen“, urteilt etwa der Ökonom Eberhard Unger von der Analysegesellschaft Fairesearch. Er pocht auf die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken, die „mit frisch gedrucktem Geld den Aufkauf von Staatsanleihen in Billionenhöhe finanzieren“. Historische Vergleiche zeigen, „dass solche Situationen stets zu einem Anstieg der Inflationsraten führten“. Außerdem drohten Staatspleiten, während Gold kein Ausfallrisiko habe.

Mit Preisprognosen wollen sich viele Analysten nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Der Rothschild-Stratege sieht das Metall in diesem Jahr in der Spanne von 1 600 bis 2 000 Dollar. Auch Philip Klapwijk vom Metall-Beratungsunternehmen GFMS hält die runde 2 000er-Marke zum Jahresende für denkbar.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Wenn Anleger auf den Gold-Zug aufspringen wollen, haben sie mehrere Möglichkeiten. Die klassische Variante sind Goldbarren und Goldmünzen. Das hat auch Unger im Kopf, wenn er wegen seines Inflations-Szenarios empfiehlt: „Der physische Besitz von Gold schützt vor drohenden Verlusten.“

Darüber hinaus können Anleger über Wertpapiere verbrieftes Gold kaufen, wenn ihnen der Zugriff auf das Metall im eigenen Banksafe oder zu Hause weniger wichtig ist. Hier liegen die Vorteile in der schnellen Orderabwicklung und relativ geringen Gebühren. Der Anleger muss sich jedoch gut informieren, weil diese Papiere sehr unterschiedlich konstruiert sind.

Eine andere Möglichkeit bieten Aktien von Goldfördergesellschaften. Hier geht der Käufer allerdings zusätzlich ein Unternehmensrisiko ein. In der Fonds-Variante und damit einer Mischung solcher Branchentitel kann er zumindest das Einzelfirmenrisiko ausschalten.

Es gibt aber auch Risiken für den Goldpreis. Das wären beispielsweise steigende Zinsen ohne Inflationsangst oder eine allgemeine Verkaufswelle wie im Jahr 2008.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

10.04.2012, 09:42 Uhr

An Gold ist nichts sicher ausser das es volatil ist und bereits 800% durch die decke.

Habe unter anderem in oldtimer investiert, die preisschwankungen sind wesentlich solider.
Würde ausserdem Platin jederzeit dem Gold vorziehen.

Gast44

10.04.2012, 10:13 Uhr

@Nereus:
Der Kauf von Oldtimer ist ein Risiko; das funktioniert nur dann wenn man 1.) Ahnung hat 2.) ein ganz dicken Geldbeutel hat und 3.) sichere Garagen hat und seine Oldtimer im Krisenfall gegen Plünderer schützen kann.
Gerade im Krisenfall werden Oldtimer ziemlich billig werden, denn es wird einige Leute geben, die lieber ihren Oldtimer verkaufen als ihr Haus zu verlieren.
Platin ist wesentlich volatiler als Gold und ausserdem mit 19% MwSt beaufschlagt.
Platin ist im privaten Handel schwer zu verkaufen weil das Metall so unscheinbar ist. Gold erkennt dagegeg

affenparty

10.04.2012, 12:52 Uhr

@Nereus 10.04.2012, 09:42 Uhr
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Platin hat nur leider nicht die "Sicherheit" (schon alleine psychologisch) wie Gold auf über 2000 Jahre vorzuweisen... und wenn es in der (Auto)industrie (z.B. Katalysatoren) nicht mehr verbaut wird sinkt die Nachfrage rapide. Wie volatil es sich dann gegenüber dem "Gold" verhält würde Sie nachhaltig überraschen...
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Oldtimer: Die meisten Oldtimer sind "nicht wert" was sie kosten. "Wo" der echte Wert stecken soll, ist seltenst zu erkennen. Gold jedoch, Gold glänzt (wie eingangs bereits bemerkt) seit ein paar Jahrtausenden :-))) und ist als Zahlungsmittel - allgemeinhin bekannt und "anerkannt" -Platin dagegen nicht!
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Ich bin gespannt was jetzt noch kommen kann...

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