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10.04.2012

09:32 Uhr

Schutz vor Inflation

Zertifikate sind eine Alternative

VonGeorgios Kokologiannis

Sachwerte taugen als Absicherung gegen langfristige Geldentwertung. Bei kurzfristigen Inflationsschüben können sich Anleger mit speziellen Produkten wappnen. Dabei sind aber nicht alle aussichtsreich.

Wenn der repräsentative Warenkorb teurer wird, können Inflationszertifikate Anleger schützen. dpa

Wenn der repräsentative Warenkorb teurer wird, können Inflationszertifikate Anleger schützen.

FrankfurtAktien, Immobilien und Edelmetalle gelten als verlässlichster Schutz gegen die schleichende Vermögensentwertung durch Inflation. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig: Bleibt die Teuerung in der Euro-Zone beispielsweise bis zum Ende des Jahres auf dem aktuellen Niveau von 2,6 Prozent, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch Dax oder Euro Stoxx 50 im Gleichschritt nach oben marschieren. Als Absicherung gegen kurzfristige Inflationsschübe taugen diese klassischen Depotbestandteile damit kaum.

Eine interessante Alternative für so ein Szenario sind spezielle Bankanleihen, mit denen sich Anleger ebenfalls gegen eine drohende Vermögensentwertung rüsten können: sogenannte Inflationszertifikate. Die grundlegende Funktionsweise: Hier wird die Teuerung direkt in Rendite umgemünzt – in Form von Kupons, deren Höhe abhängig ist von einer Inflationsmesszahl – in der Regel ist das der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ex Tabak. Der Index misst die Veränderung der Preise für von privaten Haushalten genutzte Waren und Dienstleistungen innerhalb der Euro-Zone. Ein weiterer Vorteil: Die Zertifikate verfügen meist über eine Kapitalgarantie. Anders als zum Beispiel bei Aktien ist zum Ende der Laufzeit zumindest die Rückzahlung der investierten Summe gesichert. Immer vorausgesetzt, der Anbieter wird nicht insolvent, denn dann droht wie bei allen Zertifikaten der Totalverlust.

Es gibt viele verschiedene Varianten – doch nicht alle taugen als Schutz gegen hohe Inflationsraten. Neu auf dem Markt ist seit heute zum Beispiel ein Zertifikat der Credit Suisse mit fünfjähriger Laufzeit, bei dem sich die Kuponzahlung am HVPI orientiert (WKN: CS8AH5). Eine Besonderheit: Das Produkt verfügt sowohl über einen Mindestkupon in Höhe von zwei Prozent als auch eine Renditeobergrenze von vier Prozent im Jahr. Ein Problem: „Dadurch, dass die Kupons beschnitten werden, geht die Schutzfunktion bei hoher Inflation teilweise verloren“, sagt Sasha Perovic, Analyst bei der Ratingagentur Scope. Doch selbst Produkte ohne Deckelung der Rendite sind nicht ohne Tücke: Die Abgeltungsteuer nagt am Kupon und sorgt dafür, dass der Realwert sinkt.

Einen Ausweg bieten Zertifikate mit einem Inflationshebel, der die steuerliche Belastung kompensiert. Zum Beispiel wurden Mitte vergangenen Jahres zwei Produkte emittiert: die „Inflationsanleihe IX“ der Société Générale (WKN SG2AZ9) mit 1,4-fachem Hebel oder ein Papier der Royal Bank of Scotland, das kommenden Juni einen Fixkupon zu fünf Prozent zahlt und anschließend mit der 1,7-fachen Inflationsrate gehebelte jährliche Zahlungen bietet (WKN BC0BJ6).

Wichtig: Während der Laufzeit kann der Kurs sämtlicher Zertifikate trotz Kapitalgarantie unter den Nominalwert fallen. Idealerweise sollten Inflationspapiere deshalb auf Endfälligkeit gekauft werden.


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