Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2015

08:39 Uhr

Schweiz

Notenbank macht 30 Milliarden Verlust

VonHolger Alich

Die Aufgabe des Franken-Mindestkurses kommt die Schweizer Notenbank teuer zu stehen. Trotz der Freigabe des Wechselkurses interveniert die Notenbank weiterhin am Devisenmarkt. Doch diese Eingriffe verpuffen wieder schnell.

Franken und Euro: Für die Schweizerische Nationalbank haben die beiden Währungen ein schwieriges Verhältnis. dpa

Franken und Euro: Für die Schweizerische Nationalbank haben die beiden Währungen ein schwieriges Verhältnis.

ZürichDie Schweizer Notenbank schreibt im ersten Quartal einen Verlust von 30 Milliarden Franken. 29,3 Milliarden davon stammen aus der Entwertung der riesigen Devisenbestände, die zu 42 Prozent in Euro investiert sind. Verluste auf Gold trugen eine Milliarde zum Verlust bei.

Bis zum 15. Januar 2015 verteidigte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Franken zum Euro gegen eine zu starke Aufwertung, indem sie den Franken nicht über die Schwelle von 1,20 Franken je Euro aufwerten ließ. Dazu kaufte sie für Milliarden Euro auf.

Am 15. Januar dann gab die Schweizer Notenbank diese Kursgrenze vollkommen überraschend auf, weil ihr die Devisenmarkt-Interventionen zu teuer wurden. Denn die EZB war kurz davor, ihr milliardenschweres Anleihe-Kaufprogramm zu starten, und das ließ bereits im Vorfeld den Euro gegenüber dem Dollar, aber auch gegenüber dem Franken schwächer werden.

Im Zuge der Frankenkursfreigabe wertete der Franken stark auf, von 1,20 Franken je Euro auf 1,045 Franken je Euro. Ende März führte die Notenbank Devisenreserven von 531 Milliarden Franken in der Bilanz; diese bestehen zu 42 Prozent aus Anlangen in Euro. In Franken gerechnet waren damit die Euro-Anlagen auf einmal 13 Prozent weniger wert.

Die wechselkursbedingten Verluste daraus summieren sich auf insgesamt 41,1 Milliarden Franken. Das konnte die SNB mit Gewinnen an andere Stelle zum Teil kompensieren. So profitierte die Notenbank vom positiven Börsenumfeld, ihre Aktienanlagen stiegen um 6,2 Milliarden Franken im Wert. Kursgewinne auf Anleihen brachten 3,7 Milliarden; Zinsen und Dividenden insgesamt knapp zwei Milliarden Franken Ertrag.

Experte über Devisen

In welche Währungen sich die Investition lohnt

Experte über Devisen: In welche Währungen sich die Investition lohnt

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

30.04.2015, 09:23 Uhr

Bekanntlich ist im Investmentbanking der Verlust des einen der Gewinn des anderen.

Es wäre also die Frage, aus welchen Quellen kommen die Verluste der Schweizer Notenbank?

Der Artikel gibt an, dass die Verluste im wesentlichen aus Devisen-"Anlagen" resultieren und 42 % dieser Anlagen im € begründet sind. Damit steht fest, dass die EZB mit ihrer Politik zu 42 % aus diesen 30 Milliarden >> Schweizer Franken <<! resultieren.

"Trotz Aufgabe des Frankenkurses interveniert die Notenbank aber weiterhin am Devisenmarkt, um den Euro zum Franken nicht ins Bodenlose fallen zu lassen. Trotz massivem Bewertungsverlust der Euro-Anlagen in Franken gerechnet stiegen die Devisenanlagen der Notenbank um fast 22 Milliarden Franken auf 532 Milliarden Franken. "

Diese Aussage als wahr unterstellt, drückt nichts anderes aus, als dass der Erfolg der Arbeitsweise der EZB noch desaströser ausgefallen wäre, hätte die kleine Schweiz nicht den Euro gestützt.

Ein Zeugnis, dass man nicht besser formulieren könnte. Wahrscheinlich kommen jetzt die Politiker auf den Plan, den Devisenhändlern Manipulation vorzuwerfen, alle einzusperren und ihre Arbeitgeber mit Höchststrafen zu belegen.

Herr Daniel Huber

30.04.2015, 09:39 Uhr

Schweiz noch zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen!
Die Schweizer haben mit der Abkopplung vom Euro noch rechtzeitig die Notbremse gezogen, sozusagen alternativlos! Am Ende des gescheiterten Europrojekts werden die Schweizer trotzdem viel besser da stehen, als die Eurozone und vor allem Deutschland. Bitte hierunbedingt mal reinhören, dort wird sehr gut erklärt, warum die Schweiz die Ankopplung an den Euro aufgab, und welche Gründe dafür ausschlaggebend waren: [...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Daniel Huber

30.04.2015, 09:48 Uhr

Hier im Handelsblatt sieht man mal wieder anschaulich, wie journalistische Meinungsmache und Lobbyarbeit funktioniert.
Anstatt seriös und ausführlich die wahren Gründe der Schweizer Aufgabe der Ankopplung an den Euro darzustellen und die Folgen für die Eurozone dem geneigten Leser/in darzustellen, wird hier die Schweiz als Verlierer dargestellt.
Man will dadurch bei den Lesern den Eindruck erwecken, wehe wenn Deutschland zur alten Währung D-Mark zurückkehrt oder der Euro zerbricht, dann geht's uns so dreckig wie den Schweizern mit massiver Aufwertung. Exporteinbruch und Milliardenverlusten.
Ich bin es so langsam leid, mit dieser Art der einseitigen medialen unterschwelligen Leserbeeinflüssungsversuche.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×