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06.01.2005

10:00 Uhr

Schweizer haben 2004 auf die richtigen Beteiligungen gesetzt

BB Biotech lockt mit üppiger Dividende

VonChristian Kirchner

Wenn in diesem Frühjahr die Aktien von T-Online von der Deutschen Telekom übernommen werden, bedeutet das auch eine Zäsur für den deutschen Technologieindex TecDax. Die schweizerische Beteiligungsgesellschaft BB Biotech wird dann mit einem Börsenwert von rund 1,1 Mrd. Euro zum größten Wert im TecDax aufrücken.

DÜSSELDORF. Die hohe Gewichtung ist auch eine Folge des Kursplus von rund zwölf Prozent im Börsenjahr 2004, das die Aktie – bei nur geringen Schwankungen – in Frankfurt erzielte. Der TecDax musste im gleichen Zeitraum ein Minus von rund fünf Prozent hinnehmen.

Die geringen Schwankungen bei BB Biotech erklären sich dadurch, dass die Kursentwicklung des Unternehmens im Vergleich zu klassischen Biotech-Unternehmen weniger an dem Erfolg einzelner Wirkstoffe hängen. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit des Managements, als Beteiligungsgesellschaft – ähnlich einem Aktienfonds – frühzeitig in aussichtsreiche Biotech-Unternehmen zu investieren.

In dieser Hinsicht bewiesen die Schweizer 2004 ein gutes Händchen: Alleine in den vergangenen vier Wochen erhielten drei Kernbeteiligungen von BB Biotech die Zulassung für so genannte „Blockbuster“ – also Medikamente mit einem erwarteten Jahresumsatz von mehr als einer Mrd. US-Dollar. So erhielt der US-Konzern Eyetech im Dezember die Zulassung für das Medikament Macugen gegen Altersblindheit. Gegenüber dem Einstandskurs von BB Biotech hat sich die Aktie von Eyetech inzwischen versechsfacht. Auch die Beteiligung Biogen startet die Vermarktung von des Multiple-Sklerose-Medikaments Tysabri, Sepracor hat das Schlafmittel Lunesta zur Marktreife entwickelt.

15 Prozent Abschlag auf den inneren Wert aller Beteiligungen

Dass es sich nicht um Zufallstreffer handelt, zeigt ein Blick auf die Kurshistorie der Schweizer. „Seit der Auflegung als Beteiligungsgesellschaft im Jahr 1993 hat die Aktie vergleichbare Branchenindizes um 20 Prozent geschlagen und eine jährliche Rendite von über zehn Prozent erzielt“, sagt Hanns Frohnmeyer von der Landesbank Baden-Württemberg. Er rät auch im Hinblick auf jährliche Wachstumsraten von 25 Prozent im Biotech-Sektor zum Kauf der Aktie.

„Der Biotech-Sektor profitiert auch vom Belastungsmix aus Preisdruck, auslaufenden Patenten und gescheiterten Produkteinführungen im Pharmasektor“, sagt Joachim Klein, Analyst der Sparkasse Essen. Inzwischen stamme über die Hälfte aller neu zugelassenen Wirkstoffe Medikamente aus der Pipeline von Biotech-Unternehmen. Bis 2012 wird sich der Anteil von Biotech-Unternehmen an allen Medikamentenumsätze auf bis zu einem Drittel erhöhen, erwartet Klein. „Wer auf keinen Fonds oder Einzelwerte setzen möchte, ist mit BB Biotech gut aufgestellt“, rät er.

Derzeit notieren die Aktien von BB Biotech mit einem Abschlag von rund 15 Prozent auf den inneren Wert aller Beteiligungen, den so genannten Net Asset Value (NAV). Der NAV von Beteiligungsgesellschaften wird aus der Summe des Börsenwerts aller Beteiligungen berechnet. Je nach Börsenkurs ergibt sich dadurch ein Rabatt oder eine Prämie auf den inneren Wert.

„In Anbetracht des unverändert hohen Rabatts der BB Biotech-Aktie auf den Net Asset Value erscheint BB Biotech fundamental unterbewertet“, sagt Thomas Höger, Analyst der DZ-Bank. Sein Anlageurteil lautet „Kaufen“. Er schränkt jedoch ein, „dass der Rabatt erst dann deutlich geringer wird, wenn es dem Management von BB Biotech nachhaltig gelingt, eine deutlich bessere Performance als ihr Vergleichsindex zu erzielen“. Dies sei den Schweizern im abgelaufenen Jahr nach einer Schwächephase zwischen 2000 und 2003 erstmals wieder gelungen.

Überdies zahlt BB Biotech seinen Aktionären seit dem vergangenen Jahr eine Dividende, deren Zahlung sich an der Höhe des Rabatts des Aktienkurses auf den inneren Wert der Beteiligungen bemisst. Mit dieser Maßnahme soll der Abschlag reduziert werden. Da die Aktien von BB Biotech im abgelaufenen Jahr im Durchschnitt mehr als 15 Prozent unter dem inneren Wert notierten, stellte das Unternehmen gegenüber dem Handelsblatt auch für 2004 eine Dividende in Höhe von 2,40 Franken (rund 1,54 Euro) in Aussicht. Das ergibt auf Basis des aktuellen Kurses von 45 Euro eine für einen Biotech-Titel – und erst recht für einen TecDax-Wert – ungewöhnlich hohe Dividendenrendite von 3,4 Prozent.

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