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08.01.2016

12:51 Uhr

Schweizerische Nationalbank

25 Milliarden Verlust? Gar nicht so schlimm

VonHolger Alich

2015 war kein gutes Jahr für die Schweizer Notenbank. 23 Milliarden Franken Verlust stehen zu Buche. Das ist jedoch deutlich weniger als im Jahresverlauf. Nun kann die SNB eine Milliarde an Bund und Kantone ausschütten.

Gute Nachrichten für die Schweiz und seine Kantone: Die Schweizerische Nationalbank, die von Thomas Jordan geführt wird, kann auch in diesem Jahr wieder eine Milliarde Franken an die öffentliche Hand auszahlen. AFP

SNB Präsident Thomas Jordan

Gute Nachrichten für die Schweiz und seine Kantone: Die Schweizerische Nationalbank, die von Thomas Jordan geführt wird, kann auch in diesem Jahr wieder eine Milliarde Franken an die öffentliche Hand auszahlen.

ZürichAufatmen bei den Finanzdirektoren der Schweizer Kantone. Der Jahresverlust der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fällt mit 23 Milliarden Franken nicht so hoch aus, dass die Notenbank ihrer reguläre Ausschüttung von eine Milliarde Franken streichen muss. Bund und Kantone können mit Geld von der SNB rechnen, teilte die Notenbank am Freitag mit.

Die Schweizer Notenbank hat die Besonderheit, dass sie eine Aktiengesellschaft ist und daher ihre Anlagen Quartalsweise bewerten muss. Da die SNB seit Jahren versucht, durch Käufe von Euro gegen Franken die Schweizer Währung nicht zu stark aufwerten zu lassen, hat sie riesige Devisenbestände von rund 570 Milliarden Franken angehäuft.

Angesichts dieser riesigen Summen sorgen schon kleine Schwankungen bei den Wechselkursen für große Ausschläge im Ergebnis der Schweizer Notenbank, was im Laufe des Jahres 2015 gut zu sehen ist. Am 15. Januar gab die Schweizer Notenbank die Kursgrenze von 1,20 Franken je Euro auf, die sie zuvor rund drei Jahre lang mit Euro-Käufen verteidigt hatte. Nach der Kursfreigabe wertete der Franken massiv auf – entsprechend verloren die Eurobestände in Franken gerechnet in der Bilanz an Wert. Daher schrieb die Schweizer Notenbank im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von 50 Milliarden Franken.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Im Laufe des Jahres erholten sich der Euro und vor allem der Dollar zum Franken wieder. Auch die Aktienhausse spülte der SNB Geld in die Kassen. Ende September war der Verlust der Notenbank bereits auf 33,9 Milliarden Franken gefallen. Freitag gab die SNB nun ihre erste Schätzung für das Jahresergebnis 2015 bekannt: Der Verlust sank weiter auf noch rund 23 Milliarden Franken.

Größter Verlustträger waren demnach die Fremdwährungspositionen, die einen Verlust von 20 Milliarden Franken verursachten. Die Gold-Anlagen haben vier Milliarden Franken an Wert verloren. Die Einnahmen aus Negativ-Zinsen brachten der Notenbank Erträge von einer Milliarde Franken. Seit dem 15. Januar müssen Banken einen Strafzins von 0,75 Prozent an die Notenbank zahlen, wenn sie Barbestände bei der Zentralbank parken.
Das Ergebnis der Schweizer Notenbank ist immer ein Politikum. Schließlich hängt davon ab, ob Bund und Kantone mit einer Ausschüttung von einer Milliarde Franken rechnen können. Ein Abkommen aus dem Jahr 2011 sieht vor, dass die öffentliche Hand Geld von der Zentralbank bekommt, wenn der Saldo aus Ergebnis und Ausschüttungsreserve positiv ist.

Das ist 2015 der Fall: Denn in der Ausschüttungsreserve liegen dank üppiger Gewinne aus dem Jahr 2014 noch 27,5 Milliarden Franken. Das ist mehr als die Summe aus Jahresverlust (23 Milliarden) und der Stärkung der Rückstellungen für Währungsreserven (1,4 Milliarden). Nach dieser Ausschüttung fällt die Reserve auf unterm Strich nur noch zwei Milliarden Franken. Sollte an den Devisenmärkten nicht eine wundersame Erholung des Euro eintreten, dürften Bund und Kantone im kommenden Jahr daher wohl leer ausgehen.

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