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01.12.2014

10:40 Uhr

Schweizerische Nationalbank

SNB will bis zum Äußersten gehen

Die Schweizer haben die Goldinitiative deutlich abgelehnt. Damit sieht sich die Schweizerische Nationalbank bestätigt. Sie will weiterhin am Devisenmarkt eingreifen. Der Goldpreis gibt derweil nach.

Expertenmeinung zum Schweizer Volksentscheid

Nein zu Goldreserven: Entscheidung tut Nationalbank gut

Expertenmeinung zum Schweizer Volksentscheid: Nein zu Goldreserven: Entscheidung tut Nationalbank gut

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London/ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) wird ihre Franken-Deckelung durch Interventionen am Devisenmarkt verteidigen und ist zu zusätzlichen Schritten bereit, sollte dies erforderlich sein. „Die SNB wird den Mindestkurs (für den Euro) weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, zu diesem Zweck unbeschränkt Devisen zu kaufen“, erklärte die SNB am 30. November in einer Stellungnahme. Falls nötig, werde die SNB unverzüglich weitere Maßnahmen ergreifen.

Die Erklärung erfolgte in einer Stellungnahme zum Ausgang der Abstimmung über die Goldinitiative. Diese sah vor, dass die Zentralbank mindestens 20 Prozent ihrer Reserven in Gold halten sollte. Die Schweizer hatten am Sonntag diesen Vorschlag mit 77 Prozent gegen 23 Prozent abgelehnt. Die SNB sagte, sie nehme den Ausgang der Abstimmung „mit Befriedigung zur Kenntnis“.

Ein Ja zur Goldinitiative hätte die SNB zu umfangreichen Goldkäufen gezwungen. Die Ablehnung am gestrigen Sonntag ließ die Notierungen des Edelmetalls auf den tiefsten Stand seit drei Wochen fallen und gab Investoren einen weiteren Grund, mit Pessimismus auf Gold zu blicken.

Niedrige Ölpreise senken zudem die Kosten für Verbraucher, und die US-Notenbank erwägt Zinsanhebungen – weitere Faktoren für eine nachlassende Nachfrage nach Gold als Inflationsschutz. Seit seinem Hoch im März hat der Goldpreis 17 Prozent verloren, und die Bestände in mit Gold unterlegten börsengehandelten Produkten befinden sich in der Nähe eines Fünf-Jahres-Tiefs.

Zwar dürfte das Nein zur Goldinitiative die Preise nicht allzu sehr beeinflusst haben, aber eine Zustimmung hätte die Stimmung verbessert und die Preise um bis zu 50 Dollar je Unze erhöht, hatte HSBC Holdings Plc im November geschätzt.

Vor der Abstimmung hatte „Gold in den letzten Wochen einige Unterstützung erhalten“, sagte Georgette Boele, Analystin bei ABN Amro Bank NV in Amsterdam. „Jetzt wird es mehr Druck auf Gold geben. Der Ausblick insgesamt ist nicht gerade berauschend.“

Am Kassamarkt in Singapur gab Gold am Montag bis zu 2,1 Prozent auf 1142,88 Dollar je Unze nach, den tiefsten Stand seit dem 7. November, als es ein Vier-Jahres-Tief von 1132,16 erreichte. In London lag die Notierung um 8:20 Uhr MEZ bei 1157,68 Dollar. 2014 haben Investoren 146,7 Tonnen aus börsengehandelten Produkten verkauft, was den Wert der Bestände um 7,5 Mrd. Dollar senkte, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

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Umfragen hatten zuvor angedeutet, dass die Goldinitiative abgelehnt werden würde. Mit einer Annahme wäre die Schweiz wohl im Lauf der Zeit zum drittgrößten Goldbesitzer aufgestiegen. Analysten hatten prognostiziert, das Land werde über fünf Jahre mindestens 1500 Tonnen kaufen müssen.

300 Tonnen pro Jahr entspricht etwa sieben Prozent des weltweiten Jahresverbrauchs. Die Prognose der SNB hatte höher gelegen. Sie hatte mit Goldzukäufen im Wert von 70 Milliarden Franken gerechnet, was rund 1932 Tonnen entspricht. Goldkäufe von Zentralbanken weltweit haben zur Stützung der Preise beigetragen, sagt Daniel Briesemann, Analyst bei der Commerzbank AG in Frankfurt.

Daten des World Gold Council zeigen, dass sie ihre Bestände zwischen 2010 und 2013 jährlich um durchschnittlich 372 Tonnen aufgestockt haben. In diesem Jahr dürften die Käufe bei 400 bis 500 Tonnen liegen, schätzte die Organisation am November. „Ohne die Käufe der Zentralbanken würde Gold wahrscheinlich niedriger gehandelt“, schrieb Briesemann am 25. November. „Sie sind immer noch ein wichtiger Nachfragefaktor.“

Die SNB hatte vor drei Jahren einen Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken je Euro festgelegt, um die Wirtschaft des Landes vor den Auswirkungen der Schuldenkrise im Euroraum zu schützen. Die Zentralbank hatte ihre Wortwahl im September verschärft und erklärt, sie würde sofort unterstützende Maßnahmen ergreifen, falls dies nötig werde.

Die Aussicht auf eine stärkere geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank hat den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöht. Die Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der SNB hatten sich in der Woche zum 21. November erhöht, was als Anzeichen gewertet wurde, dass die SNB nach einer Pause von zwei Jahren möglicherweise wieder interveniert hat. Als weitere Maßnahme im Köcher der SNB gelten negative Einlagenzinsen.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Paulsen

01.12.2014, 11:14 Uhr

LESENSWERT !

"Die Verstrickungen von Politikern und Journalisten in Elite-Netzwerken"

Das sind die eigentlichen Macht-Zirkel, ausserhalb jeder demokratischen Kontrolle. Welt-Geld-Elite.

http://www.neopresse.com/politik/die-verstrickungen-von-politikern-und-journalisten-elite-netzwerken/

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