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08.10.2013

15:50 Uhr

Schwellenländer

Investors Lieblinge schwächeln

Der Internationale Währungsfonds hat seinen weltweiten Konjunkturausblick gesenkt. Besonders die Aussichten für die Schwellenländer wurden nach unten korrigiert. Warum Anleger sie trotzdem nicht vergessen sollten.

Ein chinesischer Drache: Die Wirtschaft der Schwellenländer wie China verlieret an Schwung. dpa

Ein chinesischer Drache: Die Wirtschaft der Schwellenländer wie China verlieret an Schwung.

DüsseldorfWas ist nur los in den Schwellenländern? Lange Zeit waren sie die Lieblinge der Investoren, überzeugten Volkswirte mit einem brummenden Wirtschaftswachstum und Anleger mit der Perspektive auf satte Renditen. Jetzt trübt sich das Bild. Nach der Weltbank hat am Dienstag auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Konjunkturausblick für Schwellen- und Entwicklungsländer gesenkt.

Vor allem die Aussichten in großen Schwellenländern wie China, Russland und Indien bewertete der IWF weniger günstig. „Die Industrieländer werden nach und nach stärker, während das Wachstum in den Schwellenländern gleichzeitig niedriger geworden ist“, hieß es. Doch auch das Wachstum in den USA sehen die Experten des Fonds mit 1,6 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im nächsten Jahr etwas schwächer als noch im Juli. Die Kapitalabflüsse schwächten die Märkte der Schwellenländer weiter, erklärte der IWF.

Insgesamt erwartet der Internationale Währungsfonds für die Weltwirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2,9 Prozent und im nächsten Jahr ein Wachstum von 3,6 Prozent. Das sind 0,3 beziehungsweise 0,2 Punkte weniger als bei der vorherigen Schätzung im Juli. Der Prognose liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass die USA ihren erbittert geführten Haushaltsstreit rasch lösen und die Schuldengrenze erneut angehoben wird.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Auch Anleger waren Bezug auf ein Investment in den Schwellenländern zuletzt verunsichert. In den vergangenen Wochen hatten sich viele Investoren von den Schwellenländern abgewandt und auf attraktive Renditen in den USA gesetzt. Auslöser waren Anzeichen für eine nachhaltige Konjunkturbelebung der weltgrößten Volkswirtschaft. Bestärkt wurden diese zwischenzeitlich durch die von der US-Notenbank Fed in Aussicht gestellte Drosselung ihrer Hilfen.

Hinzu kamen das ins Stocken geratene Wirtschaftswachstum, hohe Leistungsbilanzdefizite und Verschuldung. Das alles sind Gründe, die Investoren dazu veranlassten, massiv Geld abzuziehen. In der Folge stürzten auch die Währungen ab, was wiederum die ohnehin schon kritische Leistungsbilanzdefizite der Länder vergrößerte. Manche Analysten sprachen schon von einem Teufelskreis wie Ende der 1990er-Jahre in der Asienkrise. „Die Brics [Brasilien, Russland, Indien, China] werden gegenüber den Industriestaaten immer die zweite Geige spielen“, sagt Ben Kelly, Analyst von Louis Capital Markets in London.

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