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26.09.2014

14:12 Uhr

Schwellenländer

Kaufen, bevor es die anderen tun

VonKatharina Schneider

Von jährlich zweistelligen Renditen konnten Anleger bei Schwellenländer-Aktien zuletzt nur träumen. Trotz vieler Unkenrufe und echter Probleme sehen Kapitalmarktexperten in einigen Ländern große Chancen.

Wenn alle die Schwellenländer bejubeln, kann es schon zu spät für den Einstieg sein. Getty Images

Wenn alle die Schwellenländer bejubeln, kann es schon zu spät für den Einstieg sein.

DüsseldorfEine Wertsteigerung von 70 oder gar 74 Prozent und das in nur fünf Jahren – in Deutschland und den USA hätten Anleger das ganz einfach haben können. Alles, was sie machen mussten: im September 2009 in die Leitindizes Dax und Dow Jones investieren. Wer dagegen auf die großen Indizes einzelner Schwellenländer setzte, wurde zum Teil bitter enttäuscht.

Gelegentlich hört man es noch, das Loblied auf die Bric-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China. Doch in den vergangenen Jahren ist es viel leiser geworden und es haben sich viele kritische Töne dazwischen gemischt. Die einst hohen Renditeerwartungen haben sich nicht erfüllt – zumindest nicht überall. Zwar konnte Indiens Leitindex BSE Senex in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 61 Prozent verbuchen, doch bei Chinas Hang-Seng waren es nur 14 Prozent und der russische Leitindex RTS sowie der brasilianische Bovespa verloren sogar drei Prozent.

Einer, der sich durch solche Zahlen nicht vom Investment in Schwellenländer abschrecken lässt, ist Tilmann Galler. Der Portfolio-Manager und Kapitalmarkt-Stratege bei JP Morgan Asset erwartet eine Stabilisierung der Emerging Markets – insbesondere in China, Indien und Brasilien. „Nach einem schwachen Jahresstart haben sich die Schwellenländermärkte in den vergangenen Monaten etwas erholt, wir rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum wieder Fahrt aufnimmt“, sagt Galler.

Zwischenzeitlich sind die Entwicklungen auseinandergegangen: Während sich das Wachstum in den Industriestaaten beschleunigte, wurde es in den Schwellenländern langsamer. „Eine solche Entkopplung kommt immer wieder mal vor, ist aber nur vorübergehend. Bald werden sich die Schwellenländer wieder ankoppeln, insbesondere die exportstarken“, sagt Galler. Und dann geht es überall abwärts? „Nein, das wäre die bärische Interpretation, wir halten es eher mit den Bullen und sehen noch viel Potenzial.“

Positiv fällt auch die Analyse von Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, aus: „Grundsätzlich verfügen die Schwellenländer im Vergleich zu den etablierten Industriestaaten über solide Fundamentaldaten.“ Dass die Wachstumsraten dennoch zurückgehen, hat sehr unterschiedliche Gründe.

Beispiel China: Das Land hat seine Wirtschaftspolitik umgestellt, es reduziert nun die Abhängigkeit seiner Wirtschaft von Exporten und Investitionen, indem es sich stärker der Binnenkonjunktur und dem Konsum zuwendet. „Insgesamt hat China damit längst den Status einer Industrienation erreicht“, sagt Halver und geht davon aus, dass „die Regierung in Peking die Wirtschaft während des Transformationsprozesses mit gezielten Maßnahmen stützt“.

Für welche Geldanleger die Börse geeignet ist

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Quelle: Börse für Dummies

Auch in Indien sieht Halver die Weichen für eine konjunkturelle Reifung gestellt, die neue Regierung sei wirtschafts- und reformfreundlich und Investitionen in Infrastruktur- und Energieprojekte seien bereits auf gutem Weg. Ganz anders Brasilien: Das Land habe sich noch nicht von seiner Abhängigkeit vom Rohstoffsektor als Hauptwirtschaftszweig lösen können.

Die brasilianische Wirtschaft ist bereits in die Rezession abgedriftet. „Eine politische Lähmung verhindert die Beseitigung der strukturellen Standortprobleme“, sagt Halver. Brasilien leidet unter einer chronisch hohen Inflation, die binnenwirtschaftliche Kaufkraft abschöpft. Eine „zukunftsweisende Weichenstellung in Richtung Industriestaat“ lasse in Brasilien noch auf sich warten.

Kommentare (1)

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Herr Carsten Härtl

26.09.2014, 19:32 Uhr

"Und das wirtschaftliche Schwergewicht Südkorea ..." (zit.) ist seit ca. 20 Jahren kein Schwellenland mehr, sondern mittlerweile die führende Industrienation in Sachen Bildung, Forschung & Technolgie. Human Development Index lt. UNO auf dem Niveau von Schweiz und Kanada. Arbeiten die Wallstreet-Experten und Handelsblatt-Redakteure mit Daten von 1980??

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