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27.01.2014

17:40 Uhr

Schwellenländer

Wehrlos gegen die Kapitalflucht

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Die Anleger flüchten aus einst beliebten Boomländern. Die Türkei, Indien oder Südafrika sind der Kapitalflucht schutzlos ausgeliefert. Das kann gefährliche Folgen haben. Jetzt kommt es auf die US-Notenbank an.

Die geldpolitische Wende in den USA setzt die Schwellenländer unter Druck. Anleger ziehen ihr Kapital ab. dpa

Die geldpolitische Wende in den USA setzt die Schwellenländer unter Druck. Anleger ziehen ihr Kapital ab.

DüsseldorfAn den Börsen in Mumbai, Istanbul und Johannesburg geht die Angst um. Die Anleger flüchten aus den einst hoch gelobten Boomländern. Der Ausverkauf erfasst die Aktienmärkte, lässt die Risikoaufschläge für Anleihen steigen und die heimischen Währungen abstürzen.

So ist beispielsweise die türkische Lira auf den tiefsten Stand aller Zeiten gefallen. In den vergangenen drei Monaten ist sie um fast 20 Prozent eingebrochen. Die türkische Zentralbank hat für Dienstag eine Krisensitzung einberufen. Experten gehen davon aus, dass die Notenbanker mit einer „aggressiven“ Zinsanhebung reagieren – ein verzweifelter Versuch, sich gegen die Kapitalflucht zu stemmen.

„Der Markt hat definitiv die Schwellenländer im Blick, besonders die schwachen“, sagte Jeffrey Halley, Devisenhändler bei Saxo Capital Markets in Singapur. Besonders hart erwischt es Staaten mit hohen Handelsbilanzdefiziten, die auf den Zustrom von Kapital aus dem Ausland angewiesen sind. Investoren haben bereits ein Schlagwort für die am meisten gefährdeten Staaten erfunden: Indien, Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika werden als die „Fragilen Fünf“ bezeichnet.

Auch wenn jedes Land mit ganz eigenen Widrigkeiten zu kämpfen hat, so haben sie ein gemeinsames Problem, dem sie schutzlos ausgeliefert sind: Nachdem jahrelang Milliarden über Milliarden in die aufstrebenden Volkswirtschaften geflossen sind, kehren sich nun die Kapitalströme um.

Euro gegen den Rest der Welt - Währungsbilanz 2013

Chinesischer Yuan

Euro/Yuan +0,8 Prozent

Britisches Pfund

Euro/Pfund +2 Prozent

Schweizer Franken

Euro/Franken +2,5 Prozent

US-Dollar

Euro/US-Dollar +3,7 Prozent

Russischer Rubel

Euro/Rubel +13,2 Prozent

Kanadischer Dollar

Euro/Kan. Dollar +13,3 Prozent

Norwegische Krone

Euro/Nor. Krone +14,7 Prozent

Australischer Dollar

Euro/Aus-Dollar +22,2 Prozent

Japanischer Yen

Euro/Yen +24,1 Prozent

Türkische Lira

Euro/Türk. Lira +26,6 Prozent

Südafrikanischer Rand

Euro/Rand +28,8 Prozent

Im schlimmsten Fall könnten die Zuflüsse in die Schwellenländer innerhalb weniger Monate um 80 Prozent einbrechen, schätzt die Weltbank. „Rund ein Viertel der Schwellenländer könnten kurzfristig von den globalen Kapitalströmen abgeschnitten werden.“ Für die Weltbank ist dies zwar nicht das wahrscheinlichste Szenario. Sie sieht dies jedoch als Risiko.

Seit der Finanzkrise haben sich die Gewichte in der Weltwirtschaft verschoben. Europa und die USA schwächelten –  Schwellenländer wie die Türkei, China oder Brasilien boomten. Um den wirtschaftlichen Niedergang zu stoppen, griffen die Währungshüter der Industrieländer zu nie gekannten Maßnahmen: Sie senkten die Zinsen bis zur Unkenntlichkeit – und pumpten schwindelerregende Summen in die Wirtschaft.

Allein die Federal Reserve (Fed) spendierte mehr als drei Billionen Dollar für den Ankauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren. Investoren nahmen die Einladung an. Sie spekulierten mit dem billigen Geld, und zwar am liebsten dort, wo Risiken und Rendite hoch waren. Ein Teil des Geldes floss direkt in die sogenannten Emerging Markets, wo die Zinsen deutlich höher lagen. Nach Schätzungen sind seit 2009 rund vier Billionen Dollar in die Schwellenländer geströmt.

Kommentare (5)

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mastertrader

27.01.2014, 18:46 Uhr

Die Frage ist was denn mit den ausländischen Kapitalanlagen in den BRIC-Staaten ursprünglich bezweckt wurde. Sollten die dortigen Börsen mit wertlosem QE-Währungen aus dem Westen aufgekauft werden?

U.Reissner

27.01.2014, 19:58 Uhr

Zitat....Wie gefährlich eine plötzliche Kapitalflucht sein kann, zeigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: die Asien-Krise 1998.....

Und ich dachte immer, dass wäre damals eine Währungskriese gewesen, wo die Währung extrem, durch die Dollarbindung, überbewertet war. Ausgelöst durch Währungsspekulationen.^^

GuidoLingnau

28.01.2014, 11:25 Uhr

Hier helfen nur massive Zinserhöhungen. Sie verringern den schuldenfinazierten Konsum und bremsen die wenig produktive Baubranche. Hohe Zinsen fördern den Innovationsdruck und leiten Kapital in die rentableren Investitionen. Sie "vernichten" wenig produktive Arbeitsplätze und drosseln den allgemeinen Lohnanstieg. Die Inflation geht zurück, das Vertrauen in die Währungsstabilität nimmt zu, was zu fallenden Zinsen in den längeren Laufzeiten führt. Das begünstigt wieder längerfristige Investitionen und führt im besten Fall zu einem neuen höherwertigen Wirtschaftswachstum. Leider sieht es so aus, als würde gerade in der Türkei ein Großteil der politischen Strukturen über Korruption aus dem Baubereich bezahlt. Das dämpft natürlich die Bereitschaft zu Maßnahmen, die der Baubranche schaden würde...

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