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13.09.2012

09:25 Uhr

Scott Minerd im Interview

„Die Chance, ohne Inflation davonzukommen, ist gering“

VonRolf Benders

Die Notenbanken spielen ein gefährliches Spiel, meint Scott Minerd, Chefstratege von Guggenheim Partners. Der Ausweg: ein Goldstandard durch die Hintertür. Dadurch könnte der Goldpreis auf 10.000 Dollar steigen.

Scott Minerd ist Chefstratege des Vermögensverwalters Guggenheim Partners.

Scott Minerd ist Chefstratege des Vermögensverwalters Guggenheim Partners.

Handelsblatt: Herr Minerd, Sie sehen auf die Notenbanken große Probleme zukommen, wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen. Warum?

Scott Minerd: Die Fähigkeit einer Notenbank, Preisstabilität herzustellen, basiert auf ihrer Fähigkeit, die Geldversorgung der Wirtschaft herauf- oder herunterzufahren. Und die Frage ist, ob die Notenbanken noch in der Lage sind, dem Markt Geld zu entziehen, wenn die Zinsen einmal anfangen zu steigen.

Wo liegt das Problem?

Ein Weg für eine Notenbank, Geld aus dem Markt abzuziehen, ist der Verkauf von Anleihen. Wenn aber die Zinsen steigen, fällt der Wert der Anleihen in den Büchern etwa der US-Notenbank Fed. Die Frage ist also: Sind diese Papiere dann noch genug wert, um ausreichend Geld abzuziehen?

Können Sie das illustrieren?

Wenn die Zinsen nur um einen Prozentpunkt steigen, würde dies den Wert der Anleihen in der Bilanz der Fed um rund acht Prozent oder 200 Milliarden Dollar reduzieren und das gesamte Eigenkapital der Fed auffressen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Und was würde dann passieren?

Auf den ersten Blick würde man meinen, die Fed würde dann Kapital von der Regierung bekommen. Aber dann stellt sich die Frage: Wo nimmt die Regierung das Geld her? Sie müsste Anleihen begeben. In dem Szenario, über das wir reden, würde dies aber die Anleihekurse weiter belasten und die Fed weiter in Probleme bringen.

Aber die herrschende Meinung ist doch, dass das Kapital einer Notenbank keine große Rolle spielt, weil sie immer Geld drucken kann?

Korrekt. Aber dieses Argument zieht nur so lange, wie das wirtschaftliche Umfeld das Drucken von Geld erlaubt. In einem Umfeld, in dem man dem Markt Geld entziehen will, um die Inflation zu bekämpfen, sieht das aber anders aus.

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Ist die Inflation programmiert?

Ich denke, die Chance, dass wir ohne deutlich höhere Inflation auskommen werden, ist sehr gering. Derzeit muss man annehmen, dass die Industrieländer in den nächsten 20 Jahren eine höhere Durchschnittsinflation erleben werden als in den 1960er- und 1970er-Jahren.

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Wie könnten die Notenbanken gegensteuern?

Die Fed zum Beispiel könnte hingehen und ihre Assets dramatisch wertvoller machen, indem sie den Goldpreis noch oben zieht. Würde sie etwa den Goldpreis bei 10.000 Dollar je Unze festlegen, dann wäre das Gold in den Kellern der Fed wertvoll genug, um jeden im Umlauf befindlichen Dollar zu decken.

Kommentare (17)

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baschtia

13.09.2012, 10:40 Uhr

So so: Die Fed kann also nach belieben den Goldpreis bestimmen?!?

heinzhauser

13.09.2012, 10:48 Uhr

Das ist ja schöner Blödsinn. Die EZB pumpt mit den Anleihekäufen gar kein Geld in den Kreislauf. Die Banken lassen die Erlöse auf dem EZB-Konto liegen. Selbst wenn sie das nicht mehr tun, ist das Mittel der Wahl doch nicht der Verkauf von Anleihen, wenn die EZB die Geldmenge verringern will, sondern die Kürzung der Tender am Geldmarkt. Und genau da liegt ja das Geld, das wirklich im Umlauf ist bei den Banken, und selbst die EZB unter Draghi würde das hinbekommen. Nötig wird es indes in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich nicht sein, weil es keine Inflation geben wird. Wahrscheinlich wird es in Europa so sein, wie es in Japan seit 20 Jahren ist: Niedrige Zinsen - steigende Staatsverschuldung. Es sei denn, es geschieht irgendein Wunder (hinsichtlich Wachstum und Beschäftigung).

Account gelöscht!

13.09.2012, 11:12 Uhr

Aber wahrscheinlich ist dies im Sinne der Inflation gut das die großen Geldmengen bei der EZB geparkt werden. Gehen diese Geldmengen in Umlauf dann droht doch wieder Inflation durch zuviel Geld im Kreislauf

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