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14.06.2013

18:47 Uhr

Sequester

IWF hält US-Zwangssparen für Wachstumsbremse

Das Zwangssparen in den USA schadet der Wirtschaft. Nach Meinung des Internationalen Währungsfonds ist der Sequester nicht nur kurzfristig eine Gefahr für das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt.

IWF-Chefin Christine Lagarde fordert, den Sequester, das Zwangssparen, in den USA aufzuheben. Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde fordert, den Sequester, das Zwangssparen, in den USA aufzuheben.

WashingtonDas staatliche Zwangssparen in den USA bremst nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds die Wirtschaft des Landes massiv aus. Der sogenannte Sequester sei nicht nur auf kurze Sicht eine schwere Bürde, sondern könne durch Einschnitte bei Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur auch mittelfristig das Wachstum abbremsen, erklärte der IWF am Freitag in Washington.

„Hebt den Sequester auf“, forderte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Lage der US-Wirtschaft. Der IWF rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft von lediglich 1,9 Prozent, nachdem die Experten noch vor einem Jahr von 2,3 Prozent ausgegangen waren. Zwischenzeitlich hatten sie die Prognose immer weiter nach unten korrigiert und waren im April bei den 1,9 Prozent gelandet.

Im vergangenen Jahr hatte die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 2,2 Prozent zulegen können. Im März diesen Jahres traten dann jedoch die pauschalen Ausgabenkürzungen in Kraft, nachdem sich Präsident Barack Obama und die Republikaner nicht auf einen neuen Haushalt hatten einigen können. Die Folgen bekamen beispielsweise die Fluggesellschaften zu spüren, weil Beamte und Mitarbeiter von beauftragten Privatfirmen weniger flogen.

Dabei sieht der IWF grundsätzlich Anzeichen dafür, dass es mit der US-Wirtschaft bergauf geht. „Die Erholung schreitet voran“, sagte Lagarde. Die Häuserpreise stiegen, es werde mehr gebaut, den Haushalten gehe es finanziell besser, der Arbeitsmarkt erhole sich und die Unternehmen verdienten gutes Geld, zählten die Experten des Währungsfonds auf. Auch die Banken stünden deutlich gesünder da.

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Für das kommende Jahr sagt der IWF angesichts dessen eine sinkende Arbeitslosigkeit und ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent voraus. Das ist allerdings weniger als die bisherige Annahme von 3 Prozent. „Wir waren davon ausgegangen, dass der Sequester ausläuft“, sagte Lagarde. Das glaube sie nun nicht mehr.

Dass die USA ihr Haushaltsdefizit in den Griff kriegen müssten, stellte sie indes nicht in Frage. Die Maßnahmen zum Schuldenabbau seien jedoch „schlecht konzipiert“, erklärte der IWF. Die Experten forderten die Verantwortlichen in Washington auf, mit mehr Augenmaß vorzugehen.

Der Währungsfonds geht davon aus, dass die US-Wirtschaft in den Jahren 2015 und 2016 weiter an Fahrt gewinnt. Mögliche Risiken sieht der IWF von der Eurozone mit ihrer Schuldenkrise ausgehen. Lagarde machte jedoch klar, dass dies nicht ihre Hauptsorge sei. „Die meisten Risiken liegen zuhause“, stellte sie mit Blick auf die Etatkürzungen fest.

Von

dpa

Kommentare (7)

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otto15

14.06.2013, 20:07 Uhr

Kann mir ein Sachkundiger sagen, was ein Wachstum von 2 komma Prozent wert ist angesichts eines HH-Defizits von über 7%? Bin Urologe.

Account gelöscht!

14.06.2013, 20:57 Uhr

Sie müssen das Nominalwachstum (Inflation + reales Wachstum) mit dem Defizit vergleichen, allerdings ist das Defizit derzeit immernoch größer, schrumpft aber immerhin.

johnenreich

14.06.2013, 22:10 Uhr

Was ist denn mit dem Wachstum Griechenlands? Kann mir das jemand beantworten? Hunderte Milliarden werden dort in den Sand gesetzt, Geld, das man nie wiedersieht. Warum verlassen die Griechen den Euroraum nicht, damit sie einen neuen Anfang machen können? Ein Land muss doch damit beginnen, dann folgt die Kettenreaktion und die DM ist wieder da. Das erkennt scheinbar nur noch die AfD.

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