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03.01.2017

19:22 Uhr

Soja, Öl, Baumwolle und Co.

Hedgefonds setzen auf steigende Rohstoffpreise

Investments in Rohstoffe haben 2016 eine Renaissance erlebt. Das erste Mal seit 2010 stand am Jahresende ein Gewinn. Der Aufwärtstrend wird sich auf vielen Märkten fortsetzen – erwarten zumindest zahlreiche Hedgefonds.

Mitarbeiter der Aurubis AG überwachen, wie Kupferplatten in ein Elektrolysebad des Hamburger Kupferkonzerns getaucht werden. dpa

Der Kupferpreis ist 2016 stark gestiegen

Mitarbeiter der Aurubis AG überwachen, wie Kupferplatten in ein Elektrolysebad des Hamburger Kupferkonzerns getaucht werden.

DüsseldorfDie Fondsmanager wetten auf weitere Preisanstiege bei Rohstoffen. Im Dezember erhöhten sie bei 18 Rohstoffklassen die sogenannten Netto-Long-Positionen um insgesamt 9,7 Prozent. Das geht aus aktuellen Daten der US-Behörde „Commodity Futures Trading Commission“ mit Sitz in Washington hervor.

Ende 2015 hatten die Fondsmanager noch sogenannte Netto-Short-Positionen eingenommen, also auf fallende Preise gesetzt. Die Investoren hofften besonders auf Preiszuwächse bei den Rohstoffen Baumwolle, Rinder, Rohöl und Sojamehl. Weniger optimistisch waren sie allerdings für Mais, Kakao und Weizen.

Wie und wo die Preise für Ressourcen entstehen

Welche sind die wichtigsten Handelsplätze?

Das Herz der globalen Rohstoffmärkte schlägt in London, Paris und Chicago. Hier läuft ein großer Teil des Handels mit denjenigen natürlichen Ressourcen ab, die für die Ernährung und Energieversorgung von Milliarden Menschen sowie Herstellung zahlloser Produkte unentbehrlich sind. Den sogenannten Termingeschäften schlägt jedoch regelmäßig auch viel Kritik entgegen.

Wie funktionieren Termingeschäfte?

Wir sind es meist gewohnt, nach Kauf oder Bestellung eines Produkts direkt zu zahlen. An den Finanzmärkten ist das oft nicht so. Hier gibt es neben sofort ausgeführten Geschäften („Spot“/„Kassa“) auch viele Deals, bei denen die Abwicklung in der Zukunft liegt - aber zu schon heute vereinbarten Konditionen. Käufer und Verkäufer einigen sich dann auf eine Umsetzung per Termin („Future“). Ein Stahlkonzern kann etwa Monate im Voraus Eisenerz ordern und weiß genau, was ihn das später kostet.

Warum sind solche Geschäfte wichtig?

Generell soll der Terminhandel die Märkte stabilisieren. Im Einkauf großer Öl-, Rohstoff- oder Chemiekonzerne ist eine langfristige Planung ohne teilweise abgesicherte Preise und Mengen nicht denkbar. Grundsätzlich gilt: Wenn die für einen späteren Zeitpunkt erwarteten Preise von den aktuellen abweichen, kann es sich lohnen, auf künftige Preise zu spekulieren. Ziel ist es, beim Liefertermin keinen Verlust zu machen, falls das Preisniveau in der Zwischenzeit in den Keller geht.

Wo gibt es Terminmärkte?

Bekannte Beispiele sind der Handel mit Metallen, Kohle oder Erdöl. Dafür gibt es Börsen, an denen täglich Milliarden umgesetzt werden. Bei Metallen wie Kupfer und Zink läuft das etwa über die London Metal Exchange. Relativ rohstoffarme Länder wie Deutschland sind darauf angewiesen: Laut der Bundesbehörde BGR fiel der Wert der heimischen Rohstoffproduktion 2015 um 100 Millionen auf 13,4 Milliarden Euro. Agrargüter wie Getreide, Soja oder Zucker werden vor allem in Chicago und Paris ge- und verkauft.

Wo lauern Gefahren?

Geht ein Termingeschäft auf, wird die Risikobereitschaft der Akteure belohnt. Probleme können entstehen, wenn die Spekulation von reiner Finanz-Zockerei angetrieben ist. Solche Spekulanten wollen oft gar nicht in reale Güter investieren. Sie setzen auf Preisanstiege etwa von Agrar-„Futures“, um diese mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. Etliche Termingeschäfte sind stark kreditfinanziert und brauchen nur wenig Eigenmittel des Spekulanten. Und Skeptiker weisen auf möglichen Missbrauch durch Insider-Spekulation (Wetten „gegen den Markt“) oder Leerverkäufe (Spekulation mit bloß geliehenen Zertifikaten) hin.

Sind die Geschäfte also schlecht?

Das lässt sich pauschal keinesfalls sagen. Bei realen Gütern kann sie stabilisierend wirken, wenn etwa nach der Ernte Teile des Angebots durch Lagerung verknappt und die Erzeugerpreise so gefestigt werden. Turbulenzen können spekulative Geschäfte aus Sicht vieler Ökonomen dagegen vor allem bei Finanzprodukten auslösen. Einige Banken haben das Geschäft mit Agrarzertifikaten unabhängig davon eingestellt.

Ende 2016 hatten sich die Preise für Rohstoffe nach fünf Verlustjahren in Folge wieder erholt. Auch bei Metallen und Energie nahm die Angebotsflut ab, was die Preise steigen lassen dürfte. Immer mehr Marktteilnehmer sind davon überzeugt, dass diese Entwicklung auch 2017 anhält.

Die Analysten der US-Großbank Citigroup beispielsweise gehen davon aus, dass sich die meisten Rohstoffpreise 2017 stark entwickeln. Begründet wird das mit einem beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft. Auch die Analysten von Goldman Sachs gaben im November erstmals seit mehr als vier Jahren wieder die Empfehlung ab, verstärkt in Rohstoffe zu investieren.

Rohstoffe sind zu einer „sehr attraktiven“ Anlageklasse geworden, meint etwa Quincy Krosby, Marktstratege beim US-Versicherer Prudential Financial. Das Unternehmen verwaltet rund 1,3 Billionen US-Dollar. Zum Beispiel investiere China mehr, und die chinesische Geldpolitik belebe Nachfrage und Wachstum weiter. „Zudem war zu sehen, wie in den USA die wirtschaftliche Aktivität an Dynamik gewann, was den Schluss nahelegt, dass die Rohstoffpreise die Talsohle erreicht haben und zulegen werden.“

Der „Bloomberg Commodity Index“, der die Erträge von 22 Rohstoffen abbildet, ist 2016 um elf Prozent gestiegen. Ab Juni entwickelte sich der Index besonders gut. Die beste Entwicklung des Jahres gab es bei Zink, das sich aufgrund mangelnden Angebots und Bergwerksschließungen um 60 Prozent verteuerte. Größter Verlierer bei den Rohstoffwerten war Weizen; hier nahmen die weltweiten Lagerbestände 2016 zu.

Edelmetall: Zinsspekulationen drücken Goldpreis

Edelmetall

Zinsspekulationen drücken Goldpreis

Gold wird für Anleger in Zeiten steigender Leitzinsen immer unattraktiver – denn das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Durch die Spekulationen steht der Gold-Preis aktuell bei einem Drei-Monats-Tief.

Im Schlussquartal 2016 verzeichneten besonders Industriemetalle einen überraschenden Sprung: So stieg der Preis für Kupfer um 13 Prozent - das größte Plus seit 2010. Einer der Gründe für den Anstieg liegt Analysten zufolge im Versprechen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, die Infrastrukturausgaben der USA zu erhöhen. Seit Anfang November haben die Finanzmanager ihre Netto-Long-Positionen auf steigende Kupferpreise infolgedessen mehr als verdreifacht.

Während der Kupferpreis nach dem Wahlsieg Trumps besonders anstieg, gaben die Edelmetallpreise nach. Analysten erwarten nach dem Ende des hitzigen Wahlkampfs etwas mehr politische Stabilität, investieren zunehmend in Aktien. Seit Mitte November trennten sich viele Hedgefonds daher von ihren Goldbeständen. Zum Jahresende sanken hier die Netto-Long-Positionen um 23 Prozent auf 41.247 Kontrakte.

Dennoch kommt der Goldpreis 2016 auf das größte Jahresplus seit 2011. Wie eine Bloomberg-Umfrage zeigt, verweisen Analysten auf die weiter bestehende Unsicherheit über die Politik der künftigen US-Regierung unter Donald Trump. Infolgedessen wird für 2017 ein erneutes Anziehen des Goldpreises erwartet, im Jahresschnitt um 13 Prozent.

Kommentare (1)

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03.01.2017, 18:01 Uhr

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