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03.12.2012

14:01 Uhr

Spanien

Warren Buffetts nächste Wette

Der weltbekannte Investor sucht derzeit intensiv nach neuen Investmentgelegenheiten; seine Kasse ist prall gefüllt. Fündig geworden ist er ausgerechnet in Südeuropa bei einem angeschlagenen Finanzkonzern.

US-Milliardär Warren Buffett hat ein Herz für angeschlagene Banken. Reuters

US-Milliardär Warren Buffett hat ein Herz für angeschlagene Banken.

OmahaBerkshire Hathaway, die Investmentholding des Milliardärs Warren Buffett, hat schon öfter davon profitiert, in Krisenzeiten Liquidität bereitzustellen. Jetzt tut sie es erneut, in Spanien. Wie am Wochenende bekannt wurde, zahlt Berkshire 600 Mio. Euro, um ein Portfolio an Lebensversicherungen von der Caixa-Bank rückzuversichern.

Spaniens drittgrößte Bank wird aus der Transaktion einen 524 Mio. Euro schweren Vorsteuer-Gewinn verbuchen, wie es in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens aus Barcelona hieß. Im Gegenzug wird Berkshire zukünftige Gewinne aus dem Portfolio bekommen, sagte ein Sprecher der Bank. Vergangenes Jahr habe es Beitragserlöse von 231 Mio. Euro generiert.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Spaniens Banken sind gerade dabei, Geld einzusammeln. Das benötigen sie, um ihre Kapitalbasis zu stärken - da sie Verluste ausgleichen müssen, die sich aus staatlich verordneten Aufräumarbeiten in den Immobilienabteilungen der Finanzkonzerne ergeben.

Im Jahr 2008, während der weltweiten Finanzkrise, hatte Berkshire Hathaway bereits fünf Mrd. Dollar in die US-amerikanische Großbank Goldman Sachs gepumpt. Damals übernahm die Buffett-Holding auch einen Teil der Deckungs-Verpflichtungen der Schweizer Swiss Re.
Der US-Milliardär hält in diesen Tagen besonders genau Ausschau nach lukrativen Investmentgelegenheiten. Selten war Buffetts Kasse so gut gefüllt wie derzeit. Die von Berkshire Hathaway angesammelten Barreserven sind im dritten Quartal fast auf ein Rekordniveau angeschwollen. Buffett ist allerdings nicht zu einem Fan des Festgeld-Kontos geworden. Der Vorsitzende der Investmentholding weitet die Suche nach größeren Übernahmezielen aus.

Kennzahlen à la Buffett, Teil I

Anleihe

Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben nicht viele Anleihen emittiert, weil sie in der Regel nicht viele Schulden haben. Buffett achtet darauf, dass Unternehmen nicht viele Schulden haben.
Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

Dieser Posten in der Bilanz sollte möglichst niedrig sein. Denn Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meist geringe oder gar keine Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Bruttogewinn

Der Bruttogewinn ist der Erlös aus dem Verkauf von Produkten, d.h. Umsatz minus Umsatzkosten ist gleich Bruttogewinn. Warren Buffett gleicht den Bruttogewinn gegen andere Zahlen ab.

Bruttogewinnspanne

Je höher das Verhältnis aus Gesamtergebnis und Umsatz ist desto besser. Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil haben tendenziell eine hohe Bruttogewinnspanne.

Buchwert

Der Buchwert je Aktie ist ebenfalls eine wichtige Kennzahl bei der Bilanzanalyse. Die einfache Regel à la Buffett: Ein steigender Buchwert ist gut, ein sinkender Buchwert ist schlecht.

Dauerhafter Wettbewerbsvorteil

Der Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, den das Unternehmen lange aufrechterhalten kann, ist das Geheimnis von Warren Buffetts Erfolg, sind Mary Buffett und David Clark überzeugt.

EBITDA

Unternehmen, die kein Geld verdienen, lieben das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuer und Abschreibung materieller und immaterieller Vermögensgegenstände). Warren Buffett hält nichts von dieser Kennzahl. Er ist überzeugt, wenn eine Unternehmensleitung vom EBITDA spricht, dann heißt das immer, dass der Konzern über keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt.

Eigene Anteile

Wenn ein Unternehmen eigene Anteile – Stammaktien des Unternehmens, die vom Unternehmen zurückgekauft worden sind – besitzt, ist das für Buffett ein Indiz, dass es einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil genießen könnte.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite, also der Reingewinn eines Unternehmens geteilt durch sein Aktionärskapital, ist eine der Kennzahlen, mit deren Hilfe Buffett feststellt, ob das Unternehmen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil hat. Auch hier gilt: Je höher, desto besser.

Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Die liquiden Mittel sind in den drei Monaten zum 30. September auf 47,8 Milliarden Dollar angeschwollen, meldete Berkshire aus Omaha bei der Vorlage des Quartalsergebnisses Anfang November. Das liegt lediglich 115 Millionen Dollar unter dem Rekord von Ende Juni 2011. Der Nettogewinn kletterte um 72 Prozent auf 3,92 Milliarden Dollar.

Der 82-jährige Buffett hat Berkshire in den vergangenen vier Jahrzehnten mit Aktieninvestments und Übernahmen zu einem Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als 200 Moilliarden Dollar aufgebaut. Der Milliardär konzentriert sich auf die Verwaltung der größten Aktienpositionen, darunter Beteiligungen an Wells Fargo und International Business Machines, sowie das Aufspüren von Übernahmezielen in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Dollar.

Kennzahlen à la Buffett, Teil II

Einbehaltener Gewinn

Solides Wachstum der einbehaltenen Gewinne ist eines der Kennzeichen von Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil. Auf Dividendenausschüttungen hingegen legt Warren Buffett keinen großen Wert.
Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

Fremdfinanzierungsgrad

Wenn über lange Zeit ein hoher Fremdfinanzierungsgrad vorliegt, heißt das normalerweise, dass das Unternehmen über keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt. Aktien solcher Firmen meiden Buffett.

Langfristige Verschuldung

Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens wenige oder gar keine langfristigen Schulden. Langfristig sind Schulden dann, wenn ihr Fälligkeitsdatum weiter als ein Jahr in der Zukunft liegt

Reingewinn/ Nettoergebnis

Warren Buffetts einfache Regel: Je höher der Reingewinn, umso besser. Je beständiger der Reingewinn, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen über einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt.

Umlaufende Aktien

Eine dramatische Zunahme der umlaufenden Aktien über mehrere Jahre, ohne dass der Unternehmensgewinn steigt, ist ein Warnsignal für Buffett. Denn das bedeutet gewöhnlich, dass das Unternehmen zur Stärkung der Kapitalbasis neue Aktien verkauft, um die Mittelmäßigkeit auszugleichen. Buffett hält sich von mittelmäßigen Unternehmen fern.

Unterbewertetes Unternehmen

Benjamin Graham, der Vater des Value Investors und Lehrmeister Buffetts, kaufte unterbewertete Unternehmen und verdiente daran Millionen. Warren kaufte Unternehmen mit einem dauerhaften

Wettbewerbsvorteil und verdiente daran Milliarden.

Zinsaufwendungen

Unternehmen ohne dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens hohe Zinskosten, weil sie viele Schulden haben. Unternehmen mit einem dauerhaften Wettbewerbsvorteil haben meistens keine Schulden und somit

geringe oder gar keine Zinsaufwendungen.

Quelle: Mary Buffett, David Clark: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen

“Er ist auf der Suche nach einem großen Elefanten”, sagt Jeff Matthews, Autor von “Business & Investing Secrets of Warren Buffett” und Aktionär bei Berkshire. “Und es gibt nicht sehr viele große Elefanten da draußen.”

Berkshire zahlt keine Dividende und wird zum aktuellen Kurs keine Aktien zurückkaufen. Buffett hat gesagt, dass Anleihen wegen des Inflations- und Währungsrisikos zu den “gefährlichsten Vermögenswerten” zählen und er lieber Aktien und ganze Unternehmen kaufe.“Er hält Ausschau nach dem bestmöglichen großen Geschäft. In der Zwischenzeit tut es nicht weh, kleine Übernahmen zu tätigen”, erklärte der Buffett-Biograf Andrew Kilpatrick in einem Telefoninterview.

Kommentare (1)

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manni

03.12.2012, 20:53 Uhr

Sicher reiner Zufall, daß der offizielle Hilfsantrag der Spanier gerade jetzt erfolgt ist.

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