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30.10.2014

12:05 Uhr

Sparen mit Tagesgeld, Festgeld oder Girokonto

Weltspartag? Nein. Weltaktientag!

VonJessica Schwarzer

Wir sind nicht nur amtierender Fußballweltmeister. Auch beim Sparen macht den Deutschen so leicht keine Nation etwas vor. Eine zweifelhafte Auszeichnung, denn die meisten sparen völlig falsch. Zeit zum Handeln.

Viele Tagesgeldbanken senken ihre Zinsen. Getty Images

Viele Tagesgeldbanken senken ihre Zinsen.

DüsseldorfDie Deutschen sind weltmeisterlich, wenn es ums Sparen geht. Kaum eine Nation legt derart viel Geld zurück für schlechte Zeiten, das Alter oder größere Anschaffungen. Seit Jahren liegt unsere Sparquote zwischen zehn und zwölf Prozent. Grundsätzlich ist das natürlich eine gute Nachricht. Trotzdem dürfen wir uns am heutigen Weltspartag nur ganz kurz auf die Schulter klopfen, denn wir sparen völlig falsch.

Die Spargroschen landen auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten.  Doch die Jahre, in denen das Geld sich dort quasi von selbst vermehrte, sind längst vorbei. Für Tagesgeld gibt es nach aktuellen Daten der FMH Finanzberatung im Schnitt gerade noch 0,6 Prozent Zinsen pro Jahr, einige bieten lediglich noch 0,01 Prozent. Mittlerweile verlangt der erste Anbieter bei hohen Einlagen sogar einen Strafzuschlag! Auf dem Sparbuch wächst das Ersparte im Schnitt nur noch um 0,13 Prozent pro Jahr. Eine sinnvolle Geldanlage sieht sicher anders aus.

Viele Sparer verzichten aber selbst auf diese homöopathischen Zinsen: Einer aktuellen Umfrage der Postbank zufolge lässt jeder Zweite seine Rücklagen auf dem meist unverzinsten Girokonto liegen. Eine Umfrage der Comdirect hat zudem ergeben, dass 49 Prozent der Bundesbürger ihr Sparverhalten seit Ausbruch der Finanzkrise nicht verändert haben. 17 Prozent geben sogar an, Sparbuch oder Tagesgeld seien für sie immer noch die beste Anlageform. Sie „übersehen“ scheinbar, dass ihre Zinsgutschriften in den vergangenen Jahren zusammengeschmolzen sind wie Eis in der Sonne.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die sich an Wertpapiere, also Aktien herantrauen. Immerhin jeder Vierte legt seine Ersparnisse heute in Aktien und Fonds an. 2011 und 2013 waren es laut Postbank-Umfrage nur 17 Prozent.

Aktienkultur in Deutschland

Aktienbesitz

Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

Vorjahr: 8,9 Millionen

Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

Vorjahr: 13,8 Prozent

Investitionsarten

Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

Langfristige Entwicklung

Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

Aktienbesitz nach Altersgruppen

Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

Aktienbesitz nach Beruf

Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

Leitende Beamte: 30,1 Prozent

Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

Studenten: 4,3 Prozent

Facharbeiter: 8,9 Prozent

Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

Schüler: 1,9 Prozent

Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

Auszubildende: 4,6 Prozent

Aktienbesitz nach Einkommen

Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

Aktienbesitz nach Bundesländern

Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

Gesamt: 13,1 Prozent

Endlich entdecken mehr Deutsche die Aktie! Denn ohne Aktien geht es in Zeiten, in denen die Notenbanken die Zinsen praktisch abgeschafft haben, nicht mehr. Dividenden sind die neuen Zinsen. Und überhaupt sind Aktien langfristig, also über zehn, 20 oder noch mehr Jahre die beste Anlageklasse. Im Schnitt liegen die jährlichen Zuwächse zwischen sechs und acht Prozent – je nachdem, auf welchen Markt Anleger setzen. Mehr schafft langfristig keine andere Anlageform.

Kommentare (31)

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G. Nampf

30.10.2014, 12:12 Uhr

"Werden Sie Aktionär!"

Sehr geehrte Frau Schwarzer, Artikel sind keine Werbeflächen!

Herr Wolfgang Böhm

30.10.2014, 12:24 Uhr

Nein, die Deutschen sind keine Angsthasen, wenn es um die Geldanlage geht, sondern höchst verantwortungsbewusst. Waren wir nicht mit vielen Aktien hereingefallen, zuletzt mit der Telekomaktie. Die Manager reiben sich noch heute die Hände. Außerdem verhindern hohe Gebühren einen auskömmlichen Gewinn. Nein, Aktien sind für die Deutschen nichts.

Herr Pom Muc

30.10.2014, 12:34 Uhr

Als typisches Mainstreammedium plappert das Handelsblatt nach was die Milliardäre den Dumpfbacken als Handlungsempfehlung vermitteln wollen.

2009 ließ das Handelsblatt so Weisheiten vom Stapel dass man nach 20 Jahre inflationsbereinigt mit Aktien nur 1,5% Realrendite erwirtschaftet habe. (Artikel vom 13.05.2009)
Es wurden deutsche Staatsanleihen und Bundesschatzbriefe wegen ihrer besseren Langzeitrendite empfohlen!

Nachdem die Kurse durch Notenbanken auf Höchststände getrieben wurden und die Milliardäre ihre 100-200% Kurssteigerung realisieren wollen sucht man kleine Volldeppen die ihnen diese Papiere zu Höchstpreisen abkaufen.

BTW Gibt es hier Nutzer die so wie ich seit einigen Wochen mit dem iPad Probleme haben etwas in das Kommentarfeld zu kopieren?

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