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01.06.2015

16:58 Uhr

Staatsanleihen

EZB verstärkt Anleihen-Kaufprogramm

Das EZB-Kaufprogramm geht vor der Sommerpause in die Vollen: Die Anleihenbestände stiegen um 63,1 Milliarden Euro auf eine Rekordsumme. Bald dürfte es weniger europäische Staatsanleihen am Markt geben.

Ein Geldpaket von 50-Euro-Scheinen: Die EZB investiert massiv in Staatsanleihen. dpa

Banknoten

Ein Geldpaket von 50-Euro-Scheinen: Die EZB investiert massiv in Staatsanleihen.

Die Europäische Zentralbank hat im Mai ihr Aktiva-Kaufprogramm verstärkt und damit ihre Ankündigung wahr gemacht, vor der sommerlichen Urlaubszeit in der Region die Käufe zu verstärken. Die Bestände an Anleihen aus dem öffentlichen und privaten Sektor in ihrem quantitativen Lockerungsprogramm stiegen um 63,1 Milliarden Euro, wie am Montag aus Daten auf der EZB-Website hervorging. Die Käufe waren im April um 60,3 Milliarden Euro angezogen.

EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hatte am 18. Mai in einer Rede gesagt, dass die Notenbank das Tempo der Bondkäufe beschleunigen wolle, um die erwartete niedrigere Liquidität im Juli und August zu kompensieren. Die Äußerungen lösten einen Rückgang der Staatsanleihe-Renditen und des Euro aus, als die Rede am nächsten Tag veröffentlicht wurde.

„Die Lösung, die Käufe vorzuziehen, ist eine elegante und flexible Möglichkeit, die Liquiditätsbedenken anzugehen”, sagte Anatoli Annenkov, leitender Ökonom bei Société Générale SA in London, vor Bekanntgabe der aktuellen Zahlen. „Allerdings wirft es auch die Frage auf, was die EZB sonst noch tun könnte oder würde, wenn sie von einer stärkeren, unverhofften Straffung getroffen würde, beispielsweise durch eine deutliche Erhöhung der US-Zinsen.”

Nutznießer niedriger Zinsen

Staat

Der Staat verschuldet sich günstig. Für Steuerzahler bedeuten niedrigere Zinsausgaben des Staates tendenziell eine Entlastung.

Unternehmen

Unternehmen können sich günstig finanzieren. Das sichert und schafft Arbeitsplätze.

Häuslebauer

Wer einen Baukredit benötigt oder eine Anschlussfinanzierung, freut sich über niedrige Zinsen.

Die Käufe von Staatsanleihen und Papieren von Emittenten mit Förderauftrag sind um 51,6 Milliarden Euro auf 146,7 Milliarden Euro im Mai geklettert. Die Käufe von Covered Bonds zogen um zehn Milliarden an Euro auf 85,1 Milliarden Euro und die von forderungsbesicherten Papieren (ABS) um 1,4 Millarden Euro auf 7,2 Milliarden Euro.

QE hat im März begonnen mit dem Ziel für insgesamt 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen und Papiere von Instituten mit Förderauftrag sowie Covered Bonds und ABS zu erwerben. Die Währungshüter wollen das Programm bis September 2016 laufen lassen, oder bis eine nachhaltige Rückkehr des Inflationstrends in Richtung von knapp unter 2 Prozent ersichtlich ist.

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

01.06.2015, 19:29 Uhr

"Bald dürfte es weniger europäische Staatsanleihen am Markt geben. "

Es war nie anders erdacht!

Und die, die dafür "verantwortlich" sind lachen sich tot, weil sie erst garnicht verantwortlich gemacht werden dürfen. Sie haben das System durchschaut und ausgenutzt.

Wie lange wird der Bürger dem zusehen?

Herr Teito Klein

02.06.2015, 07:44 Uhr

Draghi und das Ungeheuer von Loch Ness
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Draghi sieht überall die Deflationsgefahr. Aber im Euroraum steigen die Preise. Von Deflation ist keine Spur.
Trotzdem will Draghi seinen Ankauf von Schrottpapieren unbeirrt durchziehen.
Es ist ja nicht sein Geld.

Den deutschen Steuerzahler wird es freuen.

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