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19.02.2013

13:54 Uhr

Starke Marken, stolzer Preis

Nichts hält für die Ewigkeit

VonJörg Hackhausen

Nestlé, Coca-Cola oder McDonalds – diesen Unternehmen trauen Anleger mehr als den meisten Staaten. Die Großkonzerne locken mit ansehnlichen Renditen. Aber Vorsicht: Der Tag rückt näher, an dem die Blase platzt.

Börsenweisheit: Wenn alle glauben, dass etwas ohne Risiko ist, wird es gefährlich. ap

Börsenweisheit: Wenn alle glauben, dass etwas ohne Risiko ist, wird es gefährlich.

Warren Buffett ist nicht gerade dafür bekannt, zu viel für eine Sache zu bezahlen. Der Milliardär hält sein Geld zusammen. Er kauft gerne günstig ein. Bislang zumindest. Jetzt macht er mal eben mehr als 20 Milliarden Dollar locker, um H.J. Heinz, einen Ketchup-Konzern, zu übernehmen. Was die Fachwelt verblüfft: Heinz gilt nicht als Schnäppchen, die Aktie ist an der Börse sehr hoch bewertet, und Buffett bietet sogar noch einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Marktwert.

Was denkt sich der Investor dabei? Ist er von allen guten Geistern verlassen? Vielleicht. Vielleicht hat er aber auch einfach nur ein gutes Gedächtnis.

Egal ob Großinvestor oder Kleinanleger, alle haben im Moment dasselbe Problem: Wer Geld halbwegs sicher anlegen will, bekommt dafür kaum noch Rendite. Seitdem die Notenbanken in der Finanzkrise den Zins praktisch abgeschafft haben, ist mit Zinspapieren nichts mehr zu holen, nicht mit Staatsanleihen, nicht mit erstklassigen Firmenbonds, selbst riskantere Rentenpapiere aus den Schwellenländern werfen wenig ab. Aus der Not heraus („Wohin mit dem Geld?“) trauen sich die Anleger langsam, aber sicher an eine Anlageklasse, die schon als erledigt galt: die Aktie.

Das sind Qualitätsaktien wert

Coca Cola

Marktkapitalisierung: 168 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 8,4 Prozent

Heinz

Marktkapitalisierung: 23 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 20,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 32,7 Prozent

L'Oreal

Marktkapitalisierung: 67 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 2,2 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 21,6

Kursentwicklung (1 Jahr): + 28,3 Prozent

LVMH

Marktkapitalisierung: 67,5 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 2,4 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 5,6 Prozent

McDonalds

Marktkapitalisierung: 94 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3,4 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

Kursentwicklung (1 Jahr): - 6,1 Prozent

Nestlé

Marktkapitalisierung: 204 Milliarden Franken

Dividendenrendite: 3,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,5

Kursentwicklung (1 Jahr): + 13 Prozent

Procter & Gamble

Marktkapitalisierung: 209 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 18,8

Kursentwicklung (1 Jahr): + 17,9 Prozent

SAP

Marktkapitalisierung: 70 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,1

Kursentwicklung (1 Jahr): + 21,2 Prozent

Starbucks

Marktkapitalisierung: 40 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 25,3

Kursentwicklung (1 Jahr): + 12,2 Prozent

Unilever

Marktkapitalisierung: 88 Milliarden Euro

Dividendenrendite: 3,5 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 17,4

Kursentwicklung (1 Jahr): + 14,3 Prozent

Wal Mart

Marktkapitalisierung: 232 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 2,3 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 14,1

Kursentwicklung (1 Jahr): + 10,9 Prozent

Walt Disney

Marktkapitalisierung: 100 Milliarden Dollar

Dividendenrendite: 1,2 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (2013): 16,2

Kursentwicklung (1 Jahr): + 33,2 Prozent

Aber bitte, zu viel Risiko soll es dann doch nicht sein. Deshalb suchen alle nach einer „sicheren“ Aktie, von Unternehmen, die bislang alle Krisen überstanden haben und die Zukunft noch gutes Geld verdienen werden.

„Ich bin auf der Suche nach Unternehmen, die in ihrem Markt so stark sind, dass sie Preise diktieren können, die schuldenfrei sind und deren Geschäftsmodell in zehn und in 20 Jahren noch funktioniert“, sagt etwa Jürgen Meyer, Fondsmanager bei SEB Asset Management.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Auf seiner Suche ist Meyer nicht allein. Fragt man einen Vermögensverwalter, welche Aktie er für besonders sicher hält, dann lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit: Nestlé. Der Lebensmittelkonzern mit Sitz in der Nähe von Lausanne gilt als mindestens so verlässlich wie der Schweizer Staat. Seit 1923 hat Nestlé in fast jedem Jahr eine Dividende bezahlt, und seit 30 Jahren in fast jedem Jahr die Dividende erhöht. Auch für Meyer zählt das Unternehmen zu den Favoriten. Ebenfalls nennen Geldmanager gerne: Coca-Cola, McDonalds oder Procter & Gamble.

Dass solche Aktien nicht mehr ganz billig sind, scheint niemanden zu stören. Die sogenannten Qualitätsaktien sind jetzt schon mit dem zigfachen eines Jahresgewinns bewertet. Die Aktie von Heinz kostete bereits das 20-fache des Jahresgewinns, als Buffett sein Angebot auf den Tisch legte. Nicht gerade ein Schnäppchen. Im Durchschnitt lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den US-Markt seit dem Jahr 1900 bei 14.

Kommentare (11)

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vandale

19.02.2013, 14:58 Uhr

Nun Firmen wie Coca Cola laufen sozusagen auf Schienen. Die Absätze sind weitgehend konjunkturunabhängig, staatsunabhängig (Coca Cola gibt es überall incl. Iran), politikunabhängig, die Marken sind stark, die Margen komfortabel.

Die einzige Gefahr die diesen Firmen droht ist dass diese sich selbst zerstören. Das Management kann ob des Erfolgs einschlafen, sich mit interner Politik selbst beschäftigen, oder durch einen charismatischen Manager in sinnlose Abenteuer getrieben werden (Mercedes).

Dagegen hilft ein starker Ankeraktionär.

Insofern ist für die entsprechenden Aktien ein hohes KGV gerechtfertigt.

Vandale

leser

19.02.2013, 15:42 Uhr

van dale

auf "schienen" mag vieles laufen sogar "cola".
auf sand gesetzt wirkt es dennoch - irgendwann vlt werden die Menschen erkennen, dass sie mit glasperlen abgespeist werden, die nichts mit einem irgendwie gearteten glasperlenspiel zu tun haben.

Constantin

19.02.2013, 16:09 Uhr

Bei CocaCola gehört es zum Geschäftsmodell, dass die Blasen platzen. Ich mache mir da keine Sorgen.

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