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11.09.2015

17:04 Uhr

Starker Franken

Ökonomen rechnen nicht mit Schweizer Zinswende

Die Lage um den starken Schweizer Franken hat sich zuletzt entspannt – Ökonomen glauben dennoch nicht, dass die Zentralbank von ihrem geldpolitischen Kurs abweicht. Eine Zinswende wird frühestens Ende 2016 erwartet.

Für einen Euro mussten zuletzt wieder mehr als 1,10 Franken bezahlt werden. dpa

Schweizer Franken

Für einen Euro mussten zuletzt wieder mehr als 1,10 Franken bezahlt werden.

ZürichIn den Chefetagen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) dürfte die Anspannung am Freitag merklich nachgelassen haben. Erstmals seit der Abkehr von der Euro-Anbindung im Januar wurden für die Gemeinschaftswährung wieder mehr als 1,10 Franken bezahlt. Dass die Währungshüter deswegen vom eingeschlagenen geldpolitischen Kurs abweichen, erwarten Ökonomen aber nicht.

Wegen der für die Wirtschaft des Landes bedrohlichen Franken-Stärke dürften SNB-Präsident Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumskollegen den Leitzins bis Ende kommenden Jahres oder sogar länger unter null halten, wie eine am Freitag veröffentlichte Reuters-Umfrage ergab.

Alle bis auf einen von insgesamt 34 befragten Volkswirten rechnen damit, dass die Zentralbank bei ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung am 17. September am Libor-Zielband von minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent festhält. Eine klare Mehrheit der Umfrageteilnehmer geht zudem davon aus, dass die SNB die Zinsen nicht vor Ende 2016 anheben wird.

„Im Moment hat der Kampf gegen die Überbewertung des Schweizer Frankens eine überragende Bedeutung für die Schweizer Geldpolitik“, erklärte Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin. Um die Attraktivität der Landeswährung zu mindern, müsse der Zinsabstand zur Euro-Zone gewahrt werden. „Erst mit einem schwächeren Franken dürfte die SNB gewillt sein, diese Zinsdifferenz wieder zu verkleinern.“

Die Aufgabe der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken führte zu einer starken Aufwertung der Landeswährung. Zu schaffen macht das vor allem den exportorientierten Industriebetrieben des Landes und dem Tourismus, deren Konkurrenzfähigkeit abnimmt, weil sich ihre Produkte im Ausland verteuern. Im zweiten Quartal schrammte die Schweiz an einer Rezession vorbei. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg dank robuster Konsum- und Staatsausgaben sowie Ausrüstungsinvestitionen gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. In den ersten drei Monaten war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft.

Die SNB setzt zwar darauf, dass sich der Franken dank der Negativzinsen abschwächen wird. Die Währungshüter wollen aber auch nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze am Devisenmarkt intervenieren, sollte wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen. Die kritische Eingreifmarke setzen die Volkswirte im Schnitt bei einem Euro-Kurs von 1,03 Franken an. „Die jüngste Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro hat den Druck auf die SNB verringert, zu handeln“, erklärte Timo Klein, Ökonom bei IHS Global.

Ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr dürfte die Notenbank kaum ändern. Im Schnitt gehen die Befragten davon aus, dass die Notenbank einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,0 Prozent veranschlagen wird. Im Juni war die Notenbank von einem BIP-Zuwachs von knapp einem Prozent ausgegangen.

Bei der Teuerung dürfte die SNB nach Ansicht der Ökonomen dieses Jahr im Mittel minus 1,2 Prozent veranschlagen und für das kommende Jahr von 0,5 Prozent Preisrückgang ausgehen.

Die Banken müssen nach Einschätzung der Experten noch länger mit einem Strafzins auf ihre Einlagen bei der SNB leben. Frühestens 2017 dürfte die Notenbank einer Mehrheit zufolge den Abschlag von derzeit 0,75 Prozent reduzieren.

Von

rtr

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