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11.06.2015

18:00 Uhr

Starker Franken

Schweizer Notenbank hält an Negativzinsen fest

Führende Schweizer Ökonomen sind sich einig: Die Nationalbank müsse an Negativzinsen festhalten, wolle sie den Franken weiter abschwächen. Freuen dürfte das vor allem die Industrie des Alpenlands.

Drei Jahre lang legte die SNB eine Untergrenze für den Euro-Franken-Wechselkurs fest. Nach dem Ende zog die Schweizer Währung drastisch an. dpa

Kursuntergrenze

Drei Jahre lang legte die SNB eine Untergrenze für den Euro-Franken-Wechselkurs fest. Nach dem Ende zog die Schweizer Währung drastisch an.

ZürichDie Schweizer Währungshüter dürften nach Ansicht von Experten angesichts der Konjunkturabkühlung bis in das kommende Jahr hinein an einem Zielzins unter null Prozent festhalten. Alle 30 Volkswirte erwarten bei der nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerische Nationalbank (SNB) am 18. Juni ein Festhalten am Libor-Zielband von minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent, wie eine am Donnerstag veröffentliche Reuters-Umfrage ergab. Ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr dürfte die SNB kaum ändern. Im Schnitt gehen die Befragten davon aus, dass die Notenbank einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent veranschlagen wird. Im März war die Notenbank von einem BIP-Zuwachs von knapp einem Prozent ausgegangen.

Die Abschaffung der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken im Januar führte zu einer starken Aufwertung der Schweizer Währung. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,05 Franken gezahlt. Zu schaffen macht das vor allem den exportorientierten Industriebetrieben des Landes, deren Konkurrenzfähigkeit abnimmt weil sich ihre Produkte im Ausland verteuern. Im ersten Quartal brachen der Branche die Aufträge weg und die schockartige Frankenaufwertung würgte das Wachstum ab. Das Schweizer BIP schrumpfte erstmals seit dem dritten Quartal 2011 .

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

Zwar setzt die SNB darauf, dass sich der Franken dank der Negativzinsen abschwächen wird. SNB-Präsident Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumsmitglieder wollen aber auch nach der Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze am Devisenmarkt eingreifen, falls wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen sollte .

Bei der Teuerung dürfte die SNB nach Ansicht der Ökonomen dieses Jahr im Mittel minus 1,0 Prozent veranschlagen und für das kommende Jahr von 0,5 Prozent Preisrückgang ausgehen.

Die Banken müssen nach Einschätzung der Experten noch länger mit einem Strafzins auf ihre Einlagen bei der SNB leben. Frühestens im Juni kommenden Jahres dürfte die Notenbank einzelnen Befragten zufolge den Abschlag von derzeit 0,75 Prozent reduzieren.

Von

rtr

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