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23.01.2017

15:43 Uhr

Steigende Inflation

Draghi droht noch mehr Ärger in Deutschland

VonJan Mallien

Die Bundesbank rechnet damit, dass die Inflation in Deutschland im Januar auf gut zwei Prozent steigt. Das dürfte die Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB weiter anfachen.

EZB-Chef Mario Draghi: Der Druck auf ihn dürfte zunehmen, die Geldpolitik zu straffen. AP

President of the European Central Bank Mario Draghi is on his way to a news conference after a meeting of the governing council in Frankfurt, Germany,

EZB-Chef Mario Draghi: Der Druck auf ihn dürfte zunehmen, die Geldpolitik zu straffen.

FrankfurtFür Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), könnte es in den kommenden Wochen noch ein bisschen schwerer werden, die ultralockere Geldpolitik der Notenbank zu rechtfertigen – zumindest in Deutschland. Denn dort werden nach Schätzungen der Bundesbank die Preise weiter steigen. Im Januar könnte „die Rate gut zwei Prozent erreichen“, schreibt die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Damit würde die Preisentwicklung sogar leicht über dem von der EZB angestrebten Stabilitätsniveau von unter, aber nahe zwei Prozent liegen.

Bereits im Dezember waren die Verbraucherpreise in Deutschland um 1,7 Prozent gestiegen. In der gesamten Euro-Zone lag die Inflation dagegen nur bei 1,1 Prozent. Dabei gab es deutliche Unterschiede: In Italien und Griechenland etwa stagnierten die Preise nahezu. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass dieser Trend anhält.

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In seiner Werbung hat der Autovermieter Sixt den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ordentlich veralbert. Jetzt hat das Unternehmen aus Bayern von der Notenbank dennoch einen lukrativen Auftrag bekommen.

„Die Preisentwicklung wird sich in Deutschland wohl für die nächsten fünf Jahre stärker entwickeln als in anderen Ländern der Euro-Zone,“ sagt der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Er hält dies auch für wünschenswert, da die Lohnentwicklung in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren zu gering gewesen sei. Die Löhne in Deutschland sollten stärker steigen in den kommenden Jahren als in der Euro-Zone und dadurch auch die Preise.“

Allerdings ist in Deutschland auch die Abneigung gegen steigende Preise besonders groß. Daher nimmt die Kritik an der Geldpolitik der EZB zu. „Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation ist verheerend für den deutschen Sparer“, sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder kürzlich. EZB-Chef Mario Draghi verteidigte hingegen den Kurs der Notenbank. „Niedrige Zinsen sind jetzt erforderlich, um in der Zukunft höhere zu haben.“ Die Erholung der gesamten Euro-Zone liege im Interesse aller, auch von Deutschland.

Den erwarteten Inflationsanstieg im Januar führt die Bundesbank vor allem auf den höheren Ölpreis zurück. Das Ölkartell Opec und andere Förderländer hatten sich im Herbst auf eine Produktionskürzung geeinigt. Seit November ist deshalb der Ölpreis um rund 15 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr macht sich außerdem der sogenannte Basiseffekt bemerkbar. Zu Jahresbeginn 2016 war der Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel gerutscht – inzwischen notiert er bei rund 55 US-Dollar. Da der Ölpreis zu Jahresbeginn 2016 so niedrig war, steigen die Preise im Vergleich dazu stärker.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland schätzt die Bundesbank positiv ein. Das Wachstum im Schlussquartal 2016 habe „deutlich an Fahrt gewonnen.“ Dazu hätten sowohl binnen- als auch außenwirtschaftliche Faktoren beigetragen. So habe es dank kräftig anziehender Exporte und eines starken Auftragseingangs ein deutliches Plus bei der Industrieproduktion gegeben. Außerdem seien vom privaten Verbrauch weiterhin positive Impulse gekommen. 2016 wuchs die deutsche Wirtschaft so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 1,9 Prozent zu. Zum Jahresende gewann das Wachstum noch einmal an Tempo: Nach einer ersten Schätzung der Statistiker wuchs die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal im Vergleich zum Vorquartal um ungefähr ein halbes Prozent.

Kommentare (7)

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Herr Holger Narrog

23.01.2017, 15:57 Uhr

Die excessive Geldschöpfung und die daraus resultierende, beginnende Inflation führt zu einer Entschuldung des italienischen Staates auf Kosten der Deutschen Sparer.

Als Herr Draghi sich vor kurzem dem (Anti/Deutschem?) Bundestag präsentierte klatschten Fr. Merkel und ihre schwarzen, roten und grünen Genossen fleissig Beifall.

Insofern wüsste ich nicht welcher Ärger Herrn Draghi drohen sollte.

Baron v. Fink

23.01.2017, 17:28 Uhr

Qack,Quack, Quack, Inflation ist wichtig und Herr Draghi macht alles richtig.
Geldentwertung ist der Anfang zum Erfolg aber dann fehlt ein Herr Trump, der Investitionen generiert. Die EU-Räte schaffen nichts, denn sie kennen nur ihre Rente
und wenn sie biologisch zwanzig sind. Wohlstand für den Mob, doch nicht mit den Eu-Räten.

Frau Lana Ebsel

23.01.2017, 17:45 Uhr

Deutschland ist dem Italiener doch sch...egal.

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