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28.06.2013

13:25 Uhr

Steigende Preise

Japan hofft dank Konjunkturaufschwung auf Deflationsende

Die stagnierenden Verbraucherpreise lassen Japan auf ein Ende der jahrelangen Deflation hoffen. Auch die Industrieproduktion stieg. Experten zweifeln aber an der Langfristigkeit dieser Erfolge.

Die Börse in Tokio reagierte mit einem deutlichen Plus auf die positiven Konjunkturdaten. Der Nikkei stieg zwischenzeitlich auf 13.677 Punkte. AFP

Die Börse in Tokio reagierte mit einem deutlichen Plus auf die positiven Konjunkturdaten. Der Nikkei stieg zwischenzeitlich auf 13.677 Punkte.

TokioIn Japan ist mit den jüngsten Konjunkturdaten die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Deflation gestiegen, die die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft seit nunmehr 15 Jahren lähmt. Im Mai stoppten die Verbraucherpreise ihren Abwärtstrend erstmals seit sieben Monaten, auch der Arbeitsmarkt und die Unternehmen sorgten für gute Nachrichten. So stieg die Industrieproduktion von April bis Mai um zwei Prozent, wie aus Daten des Wirtschaftsministeriums von Freitag hervorgeht. Die ersten Zeichen einer Besserung sind für die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe ein wichtiges Signal, dass ihre Bemühungen um Wachstumsimpulse erste Früchte tragen. Unter anderem pumpt dafür die Notenbank Unmengen an billigem Geld in den Wirtschaftskreislauf – in nicht einmal zwei Jahren sollen es 1,4 Billionen Dollar sein.

Zu Jahresbeginn war Japans Wirtschaft dank florierender Exporte und eines stärkeren Konsums mit 0,9 Prozent zum Vorquartal so stark gewachsen wie kein anderes großes Industrieland. Experten bezweifeln aber, dass die ultralockere Geldpolitik langfristig wirken wird. Auch wenn die Zeichen derzeit auf Wachstum stehen, dürfte es für die Notenbank schwer werden, nachhaltig steigende Preise und damit innerhalb von zwei Jahren die angestrebte Inflationsrate von zwei Prozent zu erreichen. „Die Ergebnisse sind im Wesentlichen auf die Energiepreise zurückzuführen“, gab Norio Miyagawa, Chef-Volkswirt bei Mizuho Securities Research & Consulting zu Bedenken. Im Kern zeigten die Verbraucherpreise jedoch, dass die Nachfrage nach wie vor schwach sei.

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Kurzfristig gesehen läuft es aber rund. Wie Regierungsdaten von Freitag zeigten, stagnierten im Mai die Preise, die Konsumenten für Waren und Dienstleistungen zahlen mussten, in der Kernrate zum Vorjahresmonat. Berücksichtigt sind in der Kernrate die Energiepreise, nicht aber die stark schwankenden Preise für frische Lebensmittel. Im April war die Kernrate noch um 0,4 Prozent gesunken, im März um 0,5 Prozent. Die stabilen Preise sind ein Erfolg für Japan. Denn sie weisen daraufhin, dass sich möglicherweise die Deflationserwartungen noch nicht so sehr verfestigt haben, dass die expansive Geldpolitik keine Wirkung zeigt. Vielmehr könnten sie darauf hinweisen, dass Konsumenten langsam wieder bereits sind, mehr Güter zu kaufen, was die Nachfrage und damit die Preise steigen lässt.

Auf ein besseres Wirtschaftsklima deuteten auch die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt hin. Das Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerbern verbesserte sich im Mai auf 0,90 von 0,89 im April, wie das Innenministerium mitteilte. Dies bedeutet, dass für neun von zehn Arbeitssuchenden Jobs vorhanden waren. Es war die stärkste Nachfrage nach Arbeitnehmern seit fünf Jahren. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stagnierte erwartungsgemäß bei 4,1 Prozent. Gute Nachrichten auch aus den Unternehmen: die Industrieproduktion stieg um zwei Prozent von April bis Mai und auch in den kommenden Monaten wird mit einem leichten Anstieg gerechnet. Ermutigend ist auch der Einkaufsmanager-Index des Verarbeitenden Gewerbes, der im Juni den stärksten Anstieg der vergangenen zwei Jahre aufwies.

An der Tokioter Börse kamen die Konjunkturdaten gut an. Dies sorge für eine gute Stimmung, sagte Analyst Takuya Takahashi von Daiwa Securities. Ebenso beruhigten Signale der US-Notenbank, die sich bemühte, Befürchtungen von Anlegern über einen baldigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik zu zerstreuen. Der japanische Leitindex Nikkei gewann 3,5 Prozent auf 13.677 Punkte. Auch an anderen wichtigen Börsen überwog zum Quartalsende der Optimismus. Der MSCI-Index für asiatische Aktienmärkte außerhalb Japans stieg um 1,4 Prozent.

Von

rtr

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