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05.03.2012

16:36 Uhr

Stimmt es, dass...

Horten die Banken 777 Milliarden Euro bei der EZB?

VonNorbert Häring

Viele große Zeitungen haben die Behauptung verbreitet, die Banken würden das EZB-Geld aus Misstrauen in der sogenannten Einlagefazilität parken, anstatt es an andere Banken zu leihen. Diese Folgerung ist falsch.

Handelsblatt-Korrespondent Norbert Häring. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Handelsblatt-Korrespondent Norbert Häring.

So oder ähnlich hießen die Schlagzeilen am Samstag in den Wirtschaftsteilen der großen Zeitungen. Ein „untrügliches Zeichen für das Misstrauen unter Europas Banken“ sehen diese darin, dass die Banken Geld, das sie zu einem Prozent von der Europäischen Zentralbank (EZB) geliehen haben, zu 0,25 Prozent in der sogenannten Einlagefazilität der EZB parken, anstatt es anderen Banken zu leihen, die es brauchen.

Das klingt plausibel - ist aber falsch.

Die EZB hat den Banken eine Billion Euro Kredit für drei Jahre zum Zins von einem Prozent gegeben. Der Kredit besteht in einer Gutschrift auf dem EZB-Konto der Banken. Was passiert nun, wenn Bank A davon Bank B einen Kredit gibt? Das Guthaben von A bei der EZB wird kleiner, das von B wird größer. Die Summe der Einlagen bleibt gleich.

Wenn Bank A Staatsanleihen kauft, dann sinkt zwar vorübergehend das Guthaben der Banken bei der EZB - dafür steigt das Guthaben der Staaten. Sobald die Regierung dieses Geld ausgibt, etwa indem sie es auf Bankkonten von Beamten überweist, ist es wieder zurück in der Einlagefazilität der Banken. Denn die Überweisung ist eine Buchung „EZB-Guthaben, Staat“ an „EZB-Guthaben, Bank“. Und schon ist die Summe der Einlagen der Banken bei der EZB wieder die alte.

Das Guthaben der Banken bei der EZB kann im Wesentlichen auf drei Wegen kleiner werden. Der erste ist eine Erhöhung des Bargeldumlaufs. Wenn die Banken Bargeld auszahlen, belastet die Notenbank deren Guthabenkonto und erhöht die Bilanzposition „Bargeldumlauf“. Die zweite Möglichkeit ist die, dass die Banken künftig weniger von den kurzfristigen Krediten der EZB in Anspruch nehmen. Damit ist in gewissem Maß zu rechnen.

Die dritte Möglichkeit ist das Mindestreservekonto der Banken bei der EZB. Weil das höher verzinst ist, zahlen die Banken am Anfang der „Mindestreserveerfüllungsperiode“ viel Geld auf dieses Konto ein. Wenn ihr Monatssoll erfüllt ist, müssen sie es wieder in die Einlagefazilität überweisen. Das verursacht große Schwankungen - die allerdings nichts über Geldhortung aussagen.

Kommentare (2)

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Nordeuropaeer

05.03.2012, 20:04 Uhr

Ihre Erklärung überzeugt leider nicht völlig. Wäre es nicht so dass die Banken sich momentan nicht über den Weg trauen wären die Einlagen in der ECB Overnight Deposit Facility schon vor der Krise auf ähnlich hohem Niveau wie heute gewesen.

Die Overnight Facility wird jedoch erst seit Beginn der ersten Finanzkrise in erhöhtem Maße von Geschäftsbanken in Anspruch genommen.

Ihr Kommentar gibt dafür leider keine überzeugende Erklärung.

Freundliche Grüße

reiwa

06.03.2012, 15:23 Uhr

Wie pass das mit der EZB-Bilanz zusammen?

EZB – Bilanzpositionen von 2011W49 – 2012W08 (abgefragt 6.3.2012)
[Source (all series) : European Central Bank

Period ↓

Current accounts (covering the minimum reserves system)= ca,Deposit facility = df,Fixed-term deposits =fd
(Millions of Euro)
ca df fd
2012W08 93676 477324 219500
2012W07 132473 454356 219500
2012W06 83209 507876 219000
2012W05 83915 511438 219000
2012W04 88939 488884 219000
2012W03 134722 491780 217000
2012W02 132536 493272 213000
2012W01 156466 463565 211500
2011W52 223539 413882 211000
2011W51 265041 411813 211000
2011W50 298112 214108 207500
2011W49 139246 334905 207000

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