Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2012

14:18 Uhr

Stimmt es, dass...

Profitieren nur die Banken von der Bankenunion?

VonNorbert Häring

Die Aufsicht über Europas Großbanken soll auf die internationale Ebene verlagert werden. Soweit die Forderung von EZB und EU-Kommission. Dieser Vorschlag allerdings birgt einen gefährlichen Aspekt.

Norbert Häring

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission haben gerade gefordert, die Aufsicht über alle großen europäischen Banken auf die europäische Ebene zu verlagern. Ebenso die Sicherung der Kundeneinlagen und die Bankenrettung. Dabei verweisen sie auf den aktuellen Fall Spanien, wo der klamme Staat es sich nicht leisten kann, seine Banken zu sanieren. Wenn Europa letztlich für die Banken bürgt, ist der Topf viel größer, so das Argument - damit sei das System leichter zu stabilisieren.

Der Vorschlag ist innerhalb des bestehenden Geldsystems konsequent und fast alternativlos. Das System beruht darauf, dass die Banken als Gesamtheit die Erlaubnis haben, Kunden per Kredit Geld gutzuschreiben, das sie per Federstrich schaffen. Auszahlen könnten sie es nicht - ganz einfach, weil sie es nicht haben. Derzeit beträgt die Summe der Bankguthaben im Euro-Raum rund acht Billionen Euro - fast das Achtfache dessen, was die Banken an Bargeld und gleichwertigen Guthaben bei der EZB mobilisieren können.

Und diese Relation ist noch niedrig: Weil nämlich die EZB den Banken mit viel zusätzlicher Liquidität aus der Patsche geholfen hat. Normalerweise haben die Banken sehr viel weniger liquide Mittel im Verhältnis zu den Kundeneinlagen. Deswegen müssen die Banken gemeinsam Fonds zur Einlagensicherung einrichten, um Bankkunden zu entschädigen, wenn ein einzelnes Institut pleitegeht. Aber für ganze Bankensysteme, die pleitegehen können, reicht das Geld nie, wie man jetzt in Spanien sieht.

Die Banken bekommen also von ihren Kreditkunden Zinsen für Geld, das sie aus dem Nichts schaffen. Damit die Kunden nicht das Vertrauen in dieses Bankensystem verlieren, dürfen sie als Steuerzahler für die Auszahlungsversprechen der Banken garantieren - auch für die europaweit gültige Garantie für Einlagen von bis zu 100.000 Euro. Wenn es trotzdem noch klemmt, steht die Zentralbank im Notfall bereit, mit zusätzlichem Geld zu helfen, das sie den Banken zu einem Zins unterhalb der Inflationsrate so lange wie nötig gibt - also praktisch schenkt.

Bevor es Einlagengarantien und Zentralbanken gab, gingen die Banken viel geringere Risiken ein. Sie haben sich angepasst. Sie werden es wieder tun, wenn sie noch viel tiefere Taschen für die Bankenrettung und Einlagensicherung in der Hinterhand haben. Das ist das Gefährliche am derzeitigen Vorschlag für eine Bankenunion.

Eine Alternative wäre es, wenn die Zentralbank die Regie über die Geldmengenausdehnung selbst übernähme. Die Zentralbank kann ihre Auszahlungsversprechen immer erfüllen. Der Staat als letzter Garant des Zahlungsverkehrs würde den vollen Geldschöpfungsgewinn einstreichen. Die Banken würden nur steuern, wohin das Geld fließt, das die Zentralbank schafft, und würden dafür eine Vermittlungsprovision bekommen. Mehr nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×