Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2005

08:18 Uhr

Strategen erwarten ein mäßiges Börsenjahr in Paris

Französische Anleger spekulieren auf Fusionen

VonHolger Alich

Die Experten der Société Générale haben bereits eine Liste mit potenziellen Übernahmekandidaten erstellt: Darauf tauchen unter anderem Business Objects, GFI Informatique, Steria, Scor und der Telekom- und Medienmischkonzern Vivendi Universal auf.

PARIS. Die Aktie des Computerspieleherstellers Ubisoft begeistert zurzeit die Anleger in Frankreich. Seit Mitte Dezember ist der Kurs des Papiers von gut 17 auf mehr als 28 Euro gestiegen. Grund für die Euphorie ist der Versuch des US-Konzerns Electronic Arts (EA), den Wettbewerber zu schlucken.

Der Vorstoß von EA könnte nach Meinung von Aktienstrategen der Beginn einer Reihe von Fusionen und Übernahmen in Frankreich sein: „Die Unternehmen verfügen aktuell über hohe freie Cash-Flows und die Finanzierungskosten sind gering“, sagt Jacqueline Vidé, Fondsmanagerin bei BNP Paribas Asset Management. Vor allem in den Sektoren Banken, Software und Telekommunikation erwartet sie Bewegung. Die Experten der Société Générale haben bereits eine Liste mit potenziellen Übernahmekandidaten erstellt: Darauf tauchen unter anderem Business Objects, GFI Informatique, Steria, Scor und der Telekom- und Medienmischkonzern Vivendi Universal auf.

Den Aktienkursen an der Pariser Börse könnte ein lebhaftes Fusionsgeschehen 2005 Auftrieb geben. Die meisten Aktienexperten erwarten jedoch, dass das Börsenjahr in Frankreich ähnlich mäßig verlaufen wird wie das Jahr 2004. „In unserem Basis-Szenario erwarten wir für den CAC-40 eine Performance von zehn bis 15 Prozent, inklusive Dividenden“, sagt Vidé. Das Vorjahr beendete der Index der 40 größten Werte Frankreichs mit einem Plus von 7,6 Prozent. Rechnet man die Dividenden mit ein, ergibt sich ein Wertgewinn von rund zehn Prozent.

Zur Vorsicht raten vor allem die Makro-Daten: Die Binnennachfrage in Frankreich dürfte mangels steigender Einkommen nicht mehr stark zulegen. Zudem leiden die Exporteure unter dem starken Dollar. Die meisten Experten sagen für 2005 daher nur ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent voraus. Einzig die französische Regierung hält an ihrer optimistischen Schätzung von 2,5 Prozent fest.

Auch auf Seiten der Konzerne erwarten Beobachter eine Abkühlung. Konsensschätzungen sagen für die Top-40–Unternehmen Frankreichs ein Gewinnwachstum von zwölf bis 14 Prozent voraus. „In diesem Umfeld setzten wir auf Werte, die dank einer Restrukturierung ein höheres Gewinnwachstum versprechen“, sagt BNP-Fondsmanagerin Vidé. Als Beispiele nennt sie Sanofi-Aventis oder Crédit Lyonnais.

François-Xavier Chevallier, Chefstratege des Brokers CM-CIC Securities, hält dagegen das Restrukturierungsthema für abgearbeitet. „Angesichts der Euro-Stärke bevorzugen wir Werte, die hiervon weniger stark berührt sind“, sagt er. Sein Haus setzt auf Telekomwerte oder auch Banktitel wie Société Générale. Zudem empfiehlt Chevallier Konsumgüter-Aktien. „Konsumtitel wie Carrefour oder Casino sind sehr günstig, hier sind bereits sehr viele schlechte Nachrichten eingepreist“, sagt er. Allerdings sei der Tipp mit den Konsumwerten nur etwas für mutige Anleger.

Für französische Aktien spricht deren günstige Bewertung: Derzeit wird der CAC-40 mit dem 11,8-fachen der für 2005 erwarteten Gewinne bewertet – beim Deutschen Aktienindex liegt die Bewertung beim 12,3-fachen. Profitieren dürften davon vor allem Aktien mit hoher Marktkapitalisierung (Large- Caps): „Small- und Mid-Caps haben ihren Bewertungsabschlag zu den höher kapitalisierten Werten in den vergangenen Jahren abgebaut“, sagt Fondsmanagerin Vidé. Und CM-CIC-Stratege Chevallier verweist darauf, dass zu Beginn eines neuen Zyklus in der Regel die Large- Caps als erstes im Kurs zulegen. Er glaubt an eine stärkere wirtschaftliche Erholung, die im zweiten Halbjahr greifen könnte: „2004 hatten wir tolles Wirtschaftswachstum und eine mäßige Börsenentwicklung. 2005 wird es umgekehrt sein, da die Börsen bereits den nächsten Aufschwung antizipieren.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×