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31.12.2013

12:24 Uhr

Strategien für 2014

Anleger in der Zinsfalle

VonEckhard Sauren

Die Kapitalmarktzinsen haben historische Tiefstände erreicht. Auf ihre Erfahrung können sich Investoren in diesem Marktumfeld nicht verlassen. Dachfondsmanager Eckhard Sauren erklärt, welche Strategie 2014 sinnvoll ist.

Der Zinsschwund dürfte auch 2014 anhalten.

Der Zinsschwund dürfte auch 2014 anhalten.

KölnDie Kapitalmarktzinsen liegen – trotz einiger Bewegung im Jahr 2013 – weltweit in allen bedeutenden Märkten nahe den historischen Tiefständen und damit auf einem Niveau, bei welchem nahezu allen Marktteilnehmern Erfahrungswerte fehlen. In den letzten drei Jahrzehnten haben alle rentenorientierten Strategien und auch fast alle vermögensverwaltenden Fonds von rückläufigen Zinsen profitiert. Die hohen Wertzuwächse in der Vergangenheit führen in der Praxis dazu, dass Ertragserwartungen, die sich häufig an den positiven Erfahrungen in der Vergangenheit orientieren, bedeutend zu hoch ausfallen und die Risiken des Rentenmarkts unterschätzt werden.

Im Mai und Juni dieses Jahres erhielten Anleger einen Eindruck von den Auswirkungen steigender Zinsen. So legte die Umlaufrendite in Deutschland in diesen beiden Monaten von 0,99 Prozent auf 1,38 Prozent zu und die Rendite 30jähriger US-Staatsanleihen sprang von 2,83 Prozent auf 3,57 Prozent. In der Folge gaben die Anleihenkurse entsprechend nach. Anleger wurden so mit der Situation konfrontiert, dass es an den Zinsmärkten aufgrund des erreichten niedrigen Zinsniveaus nicht nur kaum noch einen Zins in nennenswerter Höhe zu vereinnahmen gibt, sondern auch das Risiko empfindlicher Kursverluste besteht.

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

EU: Keine restriktive Zinspolitik in Sicht

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre Niedrigzinspolitik vorerst fortsetzen. „2014 steht noch keine restriktive Geldpolitik auf der Agenda, sondern eher eine Konsolidierung der Bankenlandschaft“, sagt Wöhrmann.

Bankenunion wird Volatilitätstreiber

In den USA gelte sie nach mehr als 450 abgewickelten Finanzinstituten bereits als abgeschlossen. Das Schlagwort Bankenunion könne einer von vielen möglichen Volatilitätstreibern in Europa werden.

USA: Weniger Anleihekäufe

Die Fed sollte hingegen im ersten Quartal damit beginnen, die Geldpolitik wieder etwas anzuziehen. Über das so genannte Tapering werden die Notenbanker ihre Anleihekäufe zurückfahren.

Niedrigzinsgewinner: Emerging Markets

Nach einer eher volatilen Phase dürften sich dann im zweiten Halbjahr die Märkte beruhigen, wovon auch die Emerging Markets profitieren dürften. Eine Zinserhöhung in den USA dürfte erst wieder 2015 Thema werden.

Bonds: Anhaltende Renditeflaute

Die Situation an den Rentenmärkten ist nicht gerade einfach. Papiere aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Japan, dürften weiterhin nur sehr niedrige Renditen bringen, teilweise dürfte der Ertrag zwar nominal positiv, real aber negativ sein.

Nullzinsen für weitere zwei Jahre

Das Nullzinsumfeld am Geldmarkt werde noch etwa zwei Jahre anhalten. „2014 ist aktives Bonds-Management für erfolgreiches Investment auf den Anleihenmärkten wichtig“, sagte Stefan Kreuzkamp, Head Europe, Middle East and Africa Fixed Income.

Lukrativ: Anleihen aus der Peripherie

Differenzierte Investments seien 2014 von großer Bedeutung, etwa bei Unternehmensanleihen, die aufgrund ihrer Zinsaufschläge in dem Niedrigzinsumfeld gut gepuffert sind. Anleihen aus Peripherieländern böten einen Zinsaufschlag gegenüber Anleihen aus den Kernländern.

Strategie: Carry and Tightening

Carry und Tightening – also das Verdienen an einer Normalisierung der Zinsaufschläge – bleibe im Euro-Raum eine attraktive Strategie. In den Emerging Markets sei eine sehr differenzierte Analyse nötig, vor allem hinsichtlich der Länderauswahl.

No place to hide
Der Zinsanstieg im Juni führte nicht nur zu Kursverlusten am Rentenmarkt. Auch die Aktien- und Rohstoffmärkte gaben deutlich nach. Lag in der Vergangenheit häufig die Situation vor, dass Kursverluste bei einer Assetklasse zumindest teilweise durch Kursgewinne bei einer anderen Assetklasse kompensiert werden konnten (negative Korrelation), so war diese Marktphase dadurch geprägt, dass alle Assetklassen gleichzeitig nachgaben. Hatte vermögensverwaltenden Ansätzen mit einer Portfoliostrukturierung maßgeblich auf Basis von Aktien und Anleihen die negative Korrelation in der Vergangenheit oft genutzt, so wurden ihnen in dieser Marktphase die Grenzen aufgezeigt.

Die Zukunft hat keine Historie
Die Zukunft wird offenkundig nach neuen Regeln spielen. Bei quantitativen Analysen historischer Daten und der Portfolioarchitektur der klassischen Vermögensverwaltung ist daher besondere Vorsicht geboten. Die neue Situation ohne vergleichbares Vorbild erfordert neue Strategien – die nicht auf bestimmte Erwartungshaltungen setzen, sondern auch überraschende Entwicklungen berücksichtigen können.

Dachfondsmanager Eckhard Sauren.

Dachfondsmanager Eckhard Sauren.

Als Anlagealternative gewinnen Absolute-Return-Strategien in jüngster Vergangenheit immer stärker an Bedeutung – zu Recht. Denn zum einem kommen immer mehr attraktive Fonds in diesem Bereich auf den Markt, deren Manager ihre Expertise bereits unter Beweis gestellt haben und deren Ertrags/Risiko-Profil eine Bereicherung für so gut wie jedes Portfolio darstellt. Zum anderen sind Absolute-Return-Fonds im aktuellen Niedrigzinsumfeld, in dem viele zinsorientierte Strategien die Ergebnisse der Vergangenheit nicht mehr erreichen, ein hervorragender Ausweg aus der Zinsfalle.

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