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01.06.2015

12:01 Uhr

Strategien gegen den Nullzins

Wie Sie mit Anleihen den Niedrigzinsen entkommen

VonStefan Hajek
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der Zinsschock hat Anfang Mai international ausgerichtete Anleihen getroffen. Trotzdem kann es für Anleger Sinn machen, in Anleihen zu investieren – wenn sie ein paar Regeln beachten.

Wegen der niedrigen Zinsen lässt sich derzeit wenig Geld mit dem Sparkonto machen. Mit Anleihen kann es besser laufen. Dafür müssen Anleger aber einiges beachten. dpa

Euroscheine

Wegen der niedrigen Zinsen lässt sich derzeit wenig Geld mit dem Sparkonto machen. Mit Anleihen kann es besser laufen. Dafür müssen Anleger aber einiges beachten.

DüsseldorfUm zwei bis drei Prozent hat sich der Wert eines international ausgerichteten Anleihedepots mittlerer Risikogüte seit dem Zinsschock Anfang Mai verringert. Das ist zwar noch keine Katastrophe, entspricht aber bei durchschnittlichen Zinsen (Umlaufrendite) von etwa 0,5 Prozent den laufenden Einnahmen mehrerer Jahre. Fünf Schritte helfen, mit Anleihen durch turbulente Zinsmärkte zu steuern.

Sicherheit geht vor. Lieber zwei Prozent von einer soliden Adresse anpeilen als vier Prozent von einem Wackelkandidaten. Der Ausfall eines Schuldners ist der GAU in einem Anleihedepot. Gerade weil die Renditen so mager sind, ist ein Ausgleich kaum noch möglich.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Laufzeit überschaubar wählen. Je kürzer die Restlaufzeit, desto unempfindlicher sind Anleihen gegen Zinsveränderungen. Zudem sinkt damit das Risiko, ein Papier vorzeitig verkaufen zu müssen. In der Regel sollten Anleger derzeit die Restlaufzeit auf etwa fünf Jahre begrenzen.

Gute Papiere durchhalten. Wer auf solvente Schuldner gesetzt hat, die seit Jahren ein stabiles Geschäftsmodell vorweisen, braucht sich selbst durch scharfe Zinsveränderungen nicht verunsichern lassen. Damit lassen sich Anleiheinvestments bis zur Fälligkeit planen, das bringt Ruhe ins Depot.

Bei Kurseinbrüchen kaufen. Besonders bei Unternehmensanleihen mit kleinerem Nennwert können Zinsturbulenzen zu hohen, vorübergehenden Kursverlusten führen. Bei soliden Unternehmen (regelmäßiger Gewinn, sichere Kapitalausstattung) eröffnet dies Kaufgelegenheiten.

Mut zu Fremdwährungen. Weil der Euro so wacklig ist, lässt sich über andere Währungen das Gesamtrisiko des Depots senken – und es entstehen sogar Extra-Chancen. Zudem ist in den meisten Fremdwährungen das Zinsniveau höher. Derzeit vielversprechend ist ein Mix aus klassischen Alternativwährungen (US-Dollar, Franken) und dynamischen Aufsteigern (Indische Rupie, Neuseeländischer Dollar).

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