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13.10.2014

09:02 Uhr

Stresstest für Banken

Bundesbank: EZB hat Finanzsystem stabilisiert

ExklusivDie Ergebnisse des EZB-Stresstests sind noch gar nicht veröffentlicht worden - schon zieht die Bundesbank ein positives Fazit. Der Fitnesschecks habe die Finanzinstitute gestärkt, das Bankensystem sei deutlich sicherer.

Durch den Stresstest sei Bankensystem "schon heute sicherer", sagt Bundesbankvorstand Andreas Dombret. Reuters

Durch den Stresstest sei Bankensystem "schon heute sicherer", sagt Bundesbankvorstand Andreas Dombret.

WashingtonNoch ist Bankenprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht abgeschlossen, aber für Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret ist die Maßnahmen bereits ein Erfolg. „Schon jetzt steht fest, dass die Übung ein Erfolg ist, weil die europäischen Banken ihre Bilanzen mit rund 200 Milliarden Euro gestärkt haben“, sagte Dombret dem Handelsblatt. Dies sei über Kapitalerhöhungen, einbehaltene Gewinne, den Abbau von Risiken und den Verkauf von Kreditportfolios geschehen. „Das Bankensystem ist dadurch schon heute sicherer.“

Gleichwohl bleibt nach Ansicht des Bundesbank-Vorstands der Druck auf die Kreditwirtschaft groß. „Das Niedrigzinsumfeld stellt die Ertragslage zusehends vor Herausforderungen“, sagte er. Dies drohe mit wachsender Dauer nicht zuletzt auch die bislang robusten kleinen, regional verankerten Institute unter Druck zu setzen.

Zum Ausgang und zu den Konsequenzen der Bilanzprüfung wollte Dombret nicht Stellung nehmen. In Deutschland gilt insbesondere die HSH Nordbank als Wackelkandidat. Die Landesbank leidet seit Jahren unter der Krise in der Schifffahrt. Sie hatte im August in ihrem Geschäftsbericht selbst vor dem Risiko gewarnt, die Anforderungen der Prüfer nicht zu erfüllen.

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) werden am 26. Oktober veröffentlicht. Die EZB, die am 04. November die Oberaufsicht über die führenden Banken der Euro-Zone übernimmt, hatte die größten 130 Institute in den vergangenen Monaten eingehend geprüft. In Deutschland mussten sich unter anderen die Deutsche Bank und die Commerzbank stellen.

Bei einer Fortdauer des Niedrigzinsumfelds könne das schon bestehende Rückschlagspotenzial an den derzeit teilweise hochbewerteten Unternehmensanleihemärkten weiter steigen, sagte Dombret. „Im Falle einer abrupten Zinswende oder zunehmender geopolitischer Spannungen müssten sich Banken und andere Investoren auf mögliche Verluste an den Unternehmensanleihemärkten einstellen“, warnte der Bundesbank-Vorstand.

Diese Banken haben die beste Kernkapitalquote

Platz 8

Crédit Agricole (Frankreich) – 9,0 Prozent

Kernkapitalquote nach Basel III ausgewählter Banken, 1. Quartal 2014, Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters

Platz 7

Deutsche Bank – 9,5 Prozent

Platz 4

Bank of America (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

JP Morgan (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

Barclays (Großbritannien) – 9,6 Prozent

Platz 3

BNP Paribas (Frankreich) – 10,6 Prozent

Platz 2

HSBC (Großbritannien) – 10,8 Prozent

Platz 1

UBS (Schweiz) – 13,2 Prozent

Eine Deflation in der Währungsunion fürchtet Dombret hingegen nicht. „Wir halten das Deflationsrisiko in der Euro-Zone für sehr gering und sehen gegenwärtig auch keines der typischen Deflationsmerkmale, wie etwa einen Aufschub bei größeren privaten Anschaffungen“, sagte Dombret. Nach Ansicht der Bundesbank habe die Teuerung ihren Tiefststand inzwischen erreicht. Für die kommende Zeit rechne man wieder mit allmählich ansteigenden Raten.

Das vollständige Interview mit Andreas Dombret finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Kommentare (4)

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Herr Manfred Zimmer

13.10.2014, 09:59 Uhr

" „Schon jetzt steht fest, dass die Übung ein Erfolg ist, weil die europäischen Banken ihre Bilanzen mit rund 200 Milliarden Euro gestärkt haben“, sagte Dombret dem Handelsblatt."

Welch geistreicher Spruch könnte man vermuten.

Gewiss sind Banken stärker als zuvor, wenn mit 200 Milliarden Euro das Eigenkapital aufgestockt wird.


Was Dombret zwischen den Zeilen damit sagt: Außer dieser Kapitalaufsockung ist nichts passiert. Die Banken werden so schlecht geführt wie zuvor. Das Risikocontrolling hat nichts dazu gelernt.

Ein Verriss wie man ihn nicht schlechter formulieren kann.

Man muss aber auch zugeben, dass die dirigistische Politik der EZB nichts mit Marktverhältnissen zu tun hat. Es geht einfach nicht ein sicheres Auto zu bauen, die PS-Zahl zu erhöhen und ungebremst gegen den Baum zu fahren. Wer wollte da einem Autohersteller vorhalten, dass dabei das Auto verbeult wurde.

Der größte Stressfaktor, der einzubauen gewesen wäre, wäre dass die Politiker ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen, obwohl seitens der Bundesbankpräsidenten bei der Politik interveniert wird.

Was erwarten wir Bürger, was erwarten die Poitiker für Warnsignale,
- wenn ein Bundesbankpräsident seinen Hut nimmt,
- wenn der Chefvolkswirt der EZB, Herr Stark, seinen Hut nimmt,
- wenn der amtierende Bundesbankpräsident bereits die Presse sucht, seinem Unmut Luft zu machen?

Unsere Politiker fahren die EZB und damit den Euro gegen die Wand. Der Spruch von Frau Merkel scheint sich zu bewahrheiten. "Scheitert der Euro, scheitert Europa."

Und wir kennen die Namen der Verantwortlichen!

Herr Peter Spiegel

13.10.2014, 10:22 Uhr

130 banken und 200 Milliarden mehr Eigenkapital.
Das sind Zahlen die sich nach dem Komma ausdrücken.
Also nix ist anders geworden. Ein neues Nebelkerzchen
namens Stresstests. Einfach lächerlich die Lügerei.

Herr Helmut Metz

13.10.2014, 11:19 Uhr

Der Hausverstand sagt: es gibt in der Geschichte keine durch Schulden respektive Kreditexpansion ausgelöste Krise, die durch das Erzeugen von noch mehr Schulden gelöst werden konnte.
Unser Geld- und Finanzsystem basiert vereinfacht gesagt auf den zwei Komponenten Aufschuldung und Lügen. Je näher wir dem Ende kommen (aufgrund der Exponentialfunktion des Zinseszins), umso exzessiver muss daher auch die Lügerei werden. Da besteht also in der Tat eine positive Korrelation. ;-)

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