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22.07.2015

10:16 Uhr

Studie des Bankverbands

Junge Menschen haben kaum Ahnung von der Börse

VonKatharina Schneider

Bei Schülern und jungen Erwachsenen wächst das Interesse an Wirtschaftsfragen – viele wünschen sich sogar ein eigenes Schulfach. Das scheint auch dringend nötig, denn eine Studie offenbart immense Wissenslücken.

Jugendliche wollen mehr über Wirtschaft lernen. ASSOCIATED PRESS

Junge im Matheunterricht

Jugendliche wollen mehr über Wirtschaft lernen.

FrankfurtWas geschieht eigentlich an der Börse? Sechs von zehn Jugendlichen sagen selbst, dass sie davon keine Ahnung haben. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die der Bankenverband am Mittwoch veröffentlich hat. Immerhin: Insgesamt hat sich das Wirtschaftswissen der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland in den vergangenen Jahren etwas verbessert. Während 2012 in der zuletzt veröffentlichten Jugendstudie noch 47 Prozent der Befragten schlechte oder sehr schlechte ökonomische Kenntnisse hatten, verringerte sich diese Zahl auf jetzt 39 Prozent.

Die Wissenslücken sind aber immer noch groß. Was eine Aktie ist, haben 78 Prozent der Jugendlichen richtig beantwortet. Bei der Bedeutung von „Rendite“ waren jedoch 59 Prozent überfragt und auch dass die Europäische Zentralbank für Preisstabilität zuständig ist, wussten bloß 47 Prozent. Begleitet wird dieses fehlende Wissen von einem Mangel an Interesse. 29 Prozent interessieren sich kaum oder gar nicht für Wirtschaft, 36 Prozent zumindest etwas, aber starkes oder gar sehr starkes Interesse bekunden nur 34 Prozent.

Taschengeldtabelle der Jugendämter

4 bis 5 Jahre

Die deutschen Jugendämter empfehlen für vier- bis fünfjährige Kinder ein wöchentliches Taschengeld von 0,50 Euro.

6 bis 7 Jahre

Die Empfehlung der deutschen Jugendämter: 1,50 bis zwei Euro pro Woche.

8 bis 9 Jahre

In diesem Alter sollten Kinder zwei bis drei Euro pro Woche bekommen.

10 Jahre

Ab dem 10. Lebensjahr empfehlen die deutschen Jugendämter eine monatliche Taschengeldzahlung: 12 bis 14 Euro für Zehnjährige.

11 Jahre

Für Elfjährige werden monatlich 14 bis 16 Euro Taschengeld empfohlen.

12 Jahre

Für Zwölfjährige werden monatlich 16 bis 20 Euro Taschengeld empfohlen.

13 Jahre

Für 13-Jährige wird ein monatliches Taschengeld von 20 bis 22 Euro empfohlen.

14 Jahre

Für 14-Jährige wird ein monatliches Taschengeld von 22 bis 25 Euro empfohlen.

15 Jahre

Für 15-Jährige wird ein monatliches Taschengeld von 25 bis 30 Euro empfohlen.

16 Jahre

Wenn Jugendliche wirtschaftlich noch voll von ihren Eltern abhängig sind, empfehlen die Jugendämter für 16-Jährige ein monatliches Taschengeld von 30 bis 35 Euro.

17 Jahre

Wenn Jugendliche wirtschaftlich noch voll von ihren Eltern abhängig sind, empfehlen die Jugendämter für 17-Jährige ein Taschengeld von 35 bis 45 Euro pro Monat.

18 Jahre

Für 18-Jährige, die wirtschaftlich noch voll von ihren Eltern abhängig sind, empfehlen die Jugendämter ein monatliches Taschengeld von 60 bis 70 Euro.

Dabei zeigen diese Zahlen sogar schon einen Fortschritt, denn 2012 waren nur 22 Prozent stark oder sehr stark interessiert. Das war der schwächste Wert, der in den fünf Jugendstudien, die der Bankenverband seit 2003 veröffentlicht hat, jemals gemessen wurde. „Damals haben wir deutlich die Folgen der Finanzmarktkrise gespürt. Die komplexen und für viele nur schwer verständlichen Negativthemen hatten viele Jugendliche eher abgeschreckt, sich mit ökonomischen Fragen und Finanzthemen zu befassen“, bewertet Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, diese Entwicklung.

Das Interesse kommt also zurück und zugleich messen Jugendliche den Informationen darüber, wie Wirtschaft funktioniert, heute wieder eine größere Bedeutung bei. 67 Prozent halten sie für wichtig oder sehr wichtig – vor drei Jahren waren nur 54 Prozent dieser Meinung. Doch auch dieser Wert war 2012 im Vergleich zu den in den Vorjahren gemessenen Ergebnissen besonders schwach ausgefallen. Danach gefragt, von wem sie solche Informationen erwarten, nennen die meisten Jugendlichen die Schule (57 Prozent) und die Medien (56 Prozent). Von Eltern und Banken erwarten nur je 20 Prozent die Vermittlung von Wirtschaftswissen.

Finanzbildung: Auf die Eltern kommt es an

Finanzbildung

Auf die Eltern kommt es an

Eine Studie des DIW belegt, was viele schon ahnten: Um die finanzielle Bildung zu fördern, ist nicht nur die Schule gefragt. Wichtig ist auch, dass die Eltern ihren Kindern zeigen, wie Sparen funktioniert.

Die Erwartungen an die Eltern sind also gering. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigte jüngst jedoch, dass die finanzielle Erziehung durch die Eltern sowie Kindheitserfahrungen mit Geld einen größeren Einfluss auf die finanzielle Bildung haben als die Schule. Dabei gehe es nicht allein um Wissen, sondern auch darum, Normen und Verhaltensweisen zu lernen, sagt Antonia Grohmann, DIW-Ökonomin und Mitautorin der Studie „Diese wiederum beeinflussen dann das finanzielle Verhalten“, so die Wissenschaftlerin. „Wenn ein Kind ein Bankkonto führt, trainiert dies ein Verhalten, das sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen kann. Kinder zum Sparen und Budgetieren anzuhalten, kann also viel bewirken.“

Kommentare (23)

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Herr Marc Otto

22.07.2015, 11:12 Uhr

Stimmt, denn selbst viele Erwachsene haben kaum Kenntnisse von den Aktien.

Eigentlich wäre es einfach, dass man das Volk hierzu aufklärt, schult. Aber mal ehrlich, nur von der Unerfahrenheit der Privatanleger leben die Börsenhochprofis. Die Börse ist ein Nullsummenspiel und was der Eine verliert hat dann ein Anderer.

Frischfleisch wird IMMER benötigt.

Herr C. Falk

22.07.2015, 11:41 Uhr

Wenn man sich vor Augen führt, welche Unmengen an ballastigem Wissensstoff in die Hirne von Schülern eingetrichtert wird, der sofort nach Ende der Schulzeit wieder mental entsorgt wird, da er keinerlei Einfluss auf, das hat was ein Jugendlicher nach dem Abitur im Leben "macht", ist es schon erstaunlich, dass es ein Schulfach , das sich mit Finanzangelegenheiten, wie Aktienkultur, Renditen, die verschieden Anlagemöglichkeiten und Strategien nicht gibt.

Der Grund ist ein einfacher, wenn alle Bescheid wissen, entfällt das Alleinstellungsmerkmal der Gilde der Banker und "Anlagespezialisten"..
deshalb müssen deren Kenntnisse "esoterisch" bleiben und dürfen keinesfalls exoterisch werden.

Herr Thomas Albers

22.07.2015, 12:08 Uhr

"Wenn man sich vor Augen führt, welche Unmengen an ballastigem Wissensstoff in die Hirne von Schülern eingetrichtert wird, der sofort nach Ende der Schulzeit wieder mental entsorgt wird"

Hierin besteht das Missverständnis. In Gymnasien bekommen Sie im Idealfall nichts "eingetrichtert", sondern Methoden vermittelt, sich Wissen anzueignen, zu beurteilen, und zu "verwalten". Man erlernt dort das Handwerkszeug, sich selbständig zurecht zu finden. Wissensvermittlung steht nicht im Vordergrund.

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